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„Wenn man einen Schwammerl nicht bestimmen kann, was mir sehr selten passiert, heißt der lateinisch ,Wegschmeißiana‘“, sagt Edmund Garnweidner.

Tipps fürs Schwammerlsuchen

Unterwegs mit einem Pilz-Experten

Ist es nass, dann geht der Naturfreund in den Wald zum Schwammerl-Suchen. Der Regen in der Nacht zuvor war also die ideale Voraussetzung für eine Exkursion in den Schöngeisinger Wald mit dem Pilz-Experten Edmund Garnweidner.

Schöngeising – An der alten Weisheit, dass Schwammerl (eigentlich nur) bei feuchtem Wetter gut wachsen, sei schon etwas dran, sagt einer, der es ja wissen muss. Denn Edmund Garnweidner kennt sich aus in der Welt der Mykologie, wie die Schwammerlkunde wissenschaftlich heißt. Bis zum Jahr 2004 war der 76-jährige Fürstenfeldbrucker fast 30 Jahre lang Vorsitzender des Pilzkundevereins München.

Bestückt mit mehr oder weniger großen Körben – ganz nach der persönlichen Erwartungshaltung – treffen sich knapp 20 Leute am Schöngeisinger S-Bahnhof. „Ziel ist heute nicht, ihre Körbe vollzumachen, sondern ihnen Fachwissen zu vermitteln“, schränkt Garnweidner gleich zu Beginn ein. Doch bei Exkursionen, die er für die Volkshochschule und Vereine durchführt, seien nur einmal überhaupt keine Pilze zu finden gewesen.

Die Exkursionsgruppe unter der Leitung von Katharina Strecker (Bildmitte mit Korb) vom Bund Naturschutz, Ortsgruppe Fürstenfeldbruck-Emmering.
Michael Sporer (9) aus Emmering hat ein Hallimasch-Nest gefunden.

Sofort nach dem Einbiegen in den Wald nördlich der Bahnlinie springt ein büschelig gewachsener Hallimasch ins Auge: Der honiggelbe, gelegentlich auch graubraune Hut hat auf der Oberseite feine Schuppen. Am Stängel trägt er einen Ring, der bei alten Exemplaren herunterfällt. „Der Geschmack ist nicht jedermanns Sache, viele vertragen ihn auch gar nicht“, warnt Garnweidner. Wie alle Schwammerl darf er keinesfalls roh gegessen werden. Viele würden den Stängel ganz weglassen und sogar das Kochwasser abgießen. Wegen der vielen verschiedenen Arten – einige wachsen direkt an Baumstämmen – sei er oft schwer zu bestimmen. Gruppenweise am Holz wächst auch der Stockschwammerl, der sich vom Schwefelkopf nur dadurch unterscheidet, dass er einen Ring hat.

Wegen seiner schönen Amethystfärbung heißt dieser Schwammerl violetter Schleierling.

Um blumige Farbbeschreibungen sind die Pilzkundler nie verlegen: Fuchsig-orange, schwefel-gelb oder amethyst-lila sind nur einige. Logischerweise darf man von einer noch so schönen Farbe keine Rückschlüsse auf die Genießbarkeit ziehen. „Frauen sind bei zweifelhaftem Geschmack viel vorsichtiger“, hat der Experte beobachtet. Männer seien eher praktisch orientiert und essen das Gericht auch dann, wenn es etwas bitter schmeckt – schließlich sei ja schon der saure Rahm und die Petersilie dran.

Schwammerl sammeln zu dürfen, sei zumindest in Bayern im Gesetz verankert. Der Natur sei egal, ob man einen Schwammerl abschneidet oder dreht. „Wenn sie die anderen ärgern wollen, dann lassen sie den Stängel stehen, dann sieht er, dass er zu spät dran ist“, feixt Garnweidner.

Lutz Müller hat einen echten Parasol aus dem Unterholz gefischt, der aber laut Garnweidner schon „Pflegestufe 3 und damit nicht mehr genießbar“ sei. Er gehöre zu den Riesenschirmlingen, am schlangenartigen Stiel erkenn- und essbar.

Zur Pilzbestimmung brauche man keine Lupe, man müsse nur genau hinschauen und vier bis fünf typische Kennzeichen wissen. Deutlich warnt der Experte vor dem Vergleich via Smartphone: „Schwammerl lesen keine Bestimmungsbücher.“ Das heißt, dass einige oft ganz anders aussehen, als sie beschrieben sind.

Besonders schwärmt Garnweidner vom Hexenröhrling. Er verfärbt sich schnell und stark blau, sein Hut muss braun und darf nicht grau sein. Vorsicht ist bei der Zubereitung geboten: „Garen sie den mindestens eine Viertelstunde lang und schlecken sie den Kochlöffel in dieser Zeit um Himmels willen nicht ab“, warnt der Experte. Dann sei er gut servierbar und besser als ein Steinpilz. Die Schwammerlsaison läuft noch bis Mitte November – solange die Nächte nicht kälter als minus drei Grad sind.

Von Max-Joseph Kronenbitter

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