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Buch über Tattoos: Sein Glaube geht unter die Haut

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Von: Ulrike Osman

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Wenn er den obersten Hemdknopf öffnet, werden die Leute neugierig, sagt Rainer Fuchs.
Wenn er den obersten Hemdknopf öffnet, werden die Leute neugierig, sagt Rainer Fuchs. © Herzflimmern Fotografie

Wer den über und über tätowierten Rainer Fuchs zum ersten Mal sieht, käme vermutlich nicht darauf, was er beruflich macht. Der 49-Jährige ist evangelischer Diakon.

Jexhof – Von 2002 bis 2016 war er Dekanatsjugendreferent in Bruck. Inzwischen lebt Fuchs mit Ehefrau und Tochter (9) wieder in seiner Heimatstadt Nürnberg, arbeitet als Studienleiter der Evangelischen Gemeindeakademie und hat über sein Leben und seine Tattoos ein Buch geschrieben: „Gott geht unter die Haut – Glauben aus Leidenschaft“. Am Freitag, 9. September, kommt Fuchs zu einer Lesung ins Bauernhofmuseum Jexhof (Beginn 19 Uhr, Eintritt 12 Euro).

Herr Fuchs, wie viele Tattoos haben Sie und was stellen sie dar?

Da die Bilder ineinander übergehen, lässt sich das zahlenmäßig schwer sagen. Etwa 70 Prozent meines Körpers sind tätowiert – der komplette Rücken, Arme, Brust und Beine. Es sind christliche Motive, unter anderem ein großes Jesusbild, die Luther-Rose – das Symbol der evangelischen Kirche –, die sieben Werke der Barmherzigkeit und mein Konfirmationsspruch.

Was hat Sie dazu veranlasst, sich so stark tätowieren zu lassen?

Auslöser war eine tiefe Lebenskrise, verursacht durch die Trennung von meiner ersten Frau. Damals hat mir mein Glaube geholfen. Ich habe selbst im schwärzesten Tief die Erfahrung gemacht, ein geliebtes Kind zu sein, und die Gewissheit behalten, dass mir meine Beziehung zu Gott niemand nehmen kann. Ich will zeigen, dass diese Überzeugung mich durchdringt, und trage deshalb ein lebendiges Glaubensbekenntnis auf der Haut.

Wie reagieren Menschen auf Sie, die sich einen Kirchenmann anders vorgestellt haben?

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Das kommt darauf an, wie sie den Kirchenmann kennenlernen. Wenn ich hochgeschlossen, mit langen Ärmeln und langer Hose auftauche, sieht man von den Tätowierungen nichts. Gesicht, Hals und Hände lasse ich bewusst frei. Wenn ich aber den obersten Hemdknopf öffne oder die Ärmel hochschiebe, werden die Leute neugierig und man kommt ins Gespräch. So bekomme ich leichter Zugang zu Menschen an den Rändern der Gesellschaft, zum Beispiel zu Inhaftierten. Ich bin unter anderem in der Gefängnisseelsorge tätig.

Joanne Cash, die Schwester von Johnny Cash, hat zu Ihrem Buch das Vorwort geschrieben. Wie ist es dazu gekommen?

Vor einigen Jahren habe ich den Gründer des österreichischen Johnny-Cash-Museums kennengelernt. Auf einem von ihm veranstalteten Festival machte ich die Bekanntschaft von Mitgliedern der Familie Cash, die sehr, sehr gläubige Baptisten sind. Johnny Cash selbst war zu diesem Zeitpunkt leider nicht mehr am Leben. Aber auch seine Schwester hat mich schwer beeindruckt. Als das Buch fertig war, habe ich ihr geschrieben und sie um einen Beitrag gebeten. Innerhalb von drei Tagen hatte ich ihre Zusage.

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