Teresa Donner restauriert unter anderem einen alten Bauernschrank und andere Ausstellungsstücke des Bauernhofmuseums Schöngeising.
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Teresa Donner restauriert unter anderem einen alten Bauernschrank und andere Ausstellungsstücke des Bauernhofmuseums Schöngeising.

Bauernhof-Museum

Sie restauriert alte Jexhof-Stücke

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Alte Kinderbetten und Kuchenformen, Bauernschränke und Bügeleisen, Waschbretter, Kochtöpfe, Fleischklopfer und landwirtschaftliche Geräte – kistenweise stapeln sich historische Gegenstände im Depot des Bauernhofmuseums Jexhof. Jedes Stück muss gesichtet, gesäubert und inventarisiert werden. An dieser Mammutaufgabe arbeitet die Kunstrestauratorin Teresa Donner – vermutlich noch Jahre.

Unterschweinbach – Die 31-Jährige tunkt ein langes Wattestäbchen in Benzin und fährt damit behutsam über die Klinge eines Messers. Die aufwändig gearbeiteten Verzierungen kommen dank der Reinigung besser zum Vorschein. „Das Messer gehört zu einem Reisebesteck von 1823“, erzählt die Restauratorin und zeigt auf die dazugehörige Gabel mit zwei langen Zinken und ein wurmstichiges Lederetui. „Damals hatte man offenbar sein eigenes Besteck dabei, wenn man länger unterwegs war.“ Auf das vorliegende, besonders schöne Exemplar sei der Besitzer sicher stolz gewesen.

Viel Werkzeug nötig

Teresa Donners Arbeitsplatz ist eine angenehm temperierte Halle im Jexhof-Depot in Unterschweinbach. Zu ihren Arbeitsgeräten gehören Pinsel und Staubsauger, ein Glasfaserradierer zur Entfernung von Korrosionsstellen, Scheinwerfer, eine Digitalkamera und ein Computer. Hat sie ein Exponat mit fachkundigem Blick unter die Lupe genommen, gereinigt und vermessen, wird es fotografiert und mit textlicher Beschreibung in das digitale Inventarverzeichnis aufgenommen. Wenn Alter und Zweck eines Gegenstands nicht offensichtlich sind, kommt eine mehr oder minder aufwändige Recherche hinzu. „Das ist eine sehr schöne Arbeit hier“, sagt Teresa Donner. Allerdings eine, der sie sich nicht ununterbrochen widmen kann. Als Honorarkraft kommt die 31-Jährige jeweils für ein bis zwei Wochen im Monat nach Unterschweinbach.

Gebürtig aus dem Ruhrgebiet, ist ihr Lebensmittelpunkt mittlerweile in Berlin. Dort hat sie den Bachelorstudiengang Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft absolviert und anschließend an der TU München ihren Master gemacht.

Dass ihre Arbeit zu einem nicht geringen Teil im Labor stattfindet, wo mit Hilfe von Mikroskop und Infrarotspektrometer Materialien analysiert werden, überrascht viele Menschen. Doch bei der Kunstrestauration geht es nicht nur darum, die abblätternde Farbe auf den Gemälden alter Meister zu retten. Teresa Donner hat sich auf Kunst- und Kulturgut der Moderne spezialisiert und kennt sich besonders gut mit alten Kunststoffen aus. „Die ältesten Kunststoffe stammen aus den 1870er Jahren und zerbröseln mit der Zeit“, erzählt die Expertin, die bereits am Deutschen Museum in München und am Hygienemuseum in Dresden gearbeitet hat.

Es ging darum, für Objekte aus Materialien wie Zelluloid oder Bakelit Lagerungsbedingungen zu finden, die den Zerfall verlangsamen. Im Auftrag des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege war Donner an einer Ausgrabung in München-Allach beteiligt, wo ein Arbeitslager des KZs Dachau freigelegt wurde. Sie wurde hinzugerufen, „weil Archäologen sich mit Kunststoffen nicht auskennen“. Auch hier mussten Fundstücke identifiziert und gereinigt werden.

Infrarotanalysen, chemische Tests und Klopftests gaben darüber Aufschluss, ob man es mit Gegenständen aus der fraglichen Zeitspanne oder jüngeren, wertlosen Objekten zu tun hatte, etwa Spielzeugresten aus den 1970er Jahren.

Noch viel vor

Unter den Fundstücken befanden sich auch persönliche Gegenstände der Lagerinsassen, darunter eine Zahnprothese, deren Material sich trotz aller Analyseverfahren nicht eindeutig bestimmen ließ. Über die Honorarstelle am Jexhof ist Teresa Donner, die privat gern in die Berge geht, zeltet, malt und liest, sehr froh. Corona erschwert ihr das Aufbauen von Netzwerken, auf die sie als Freiberuflerin angewiesen ist. Zugute kommt der Wahl-Berlinerin, dass sie in ihrem Fachgebiet breit aufgestellt ist und sich im Labor genauso zu Hause fühlt wie im Bauernhofmuseum. Am Jexhof wird ihr die Arbeit noch lange nicht ausgehen – vorausgesetzt, der Landkreis bewilligt auch weiterhin die Mittel für Honorarkräfte.

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