Die Hobby-Historiker bei der Feldforschung
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Unterwegs im Wald: Ulrich Bähr (l.) und seine Mitstreiter untersuchen einen Hohlweg.

Hobby-Historiker im Wald unterwegs

Sie sind alten Wegen auf der Spur

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Wege haben die Menschen zu allen Zeiten verbunden. Die meisten davon sind allerdings in Vergessenheit geraten. Ulrich Bähr aus Schöngeising will möglichst viele alte Wege neu entdecken.

Schöngeising – Normalerweise sprechen Forscher voller Ehrfurcht von dem, was sie erforschen. Bei Ulrich Bähr und den Altwegen ist das anders. „Die Wege waren eine Katastrophe. Holprig und steinig, primitiv, ein Haufen Dreck auf einem Damm – und das hat man dann Straße genannt.“ Es ist ein vernichtendes Urteil. Doch der ambitionierte Schöngeisinger Hobby-Historiker möchte natürlich nicht über die Baumeister vergangener Zeiten herziehen. Er weiß selbstverständlich, dass den Menschen früher nicht annähernd die Mittel heutiger Straßenbauer zur Verfügung standen. Und die Qualität der Wege spielt für den 53-Jährigen auch nur aus historischer Sicht eine Rolle.

Die Wege und ihre Geschichte werfen für den Software-Berater jede Menge Frage auf. Wo führten sie hin? Wer hat sie angelegt – und wann? Für wen waren sie gedacht? Antworten finden Bähr und seine knapp 30 Mitstreiter auf ganz unterschiedliche Art und Weise.

Da sind zum einen alte Karten. „Der Landkreis wurde recht früh kartiert – ab Anfang des 19. Jahrhunderts“, sagt Ulrich Bähr. Stundenlang wühlen sich die Hobby-Historiker dazu durch digitalisierte Archive. Hilfreich sind außerdem so genannte Lidar-Bilder. Sie werden aus dem Flugzeug aufgenommen und zeigen den Boden ohne die Vegetation. Und dann gibt es noch alte Aufzeichnungen wie etwa Urkunden.

Durch Brombeersträucher robben

Aber Forschung wäre ja keine richtige Forschung ohne die Feldforschung. Und deshalb ziehen Bähr und seine Kollegen regelmäßig los, um die alten Wege unter die Lupe zu nehmen – oder das, was davon noch übrig ist. Dann werden Wegpunkte markiert, Abschnitte eingeteilt, Fotos gemacht und Messungen vorgenommen. Und wenn der alte Weg unter heutigem Bewuchs verschwindet, müssen die Forscher schon mal auch durch Brombeersträucher robben. Für Neulinge und Interessierte gibt es auch eine abgespeckte Version in Form so genannter Lehrspaziergänge. „Das soll Lust auf Geschichte machen“, sagt Bähr.

Die haben der Schöngeisinger und die anderen Hobby-Forscher schon lange. Mit ihrer Neugier haben sie Hinweise auf rund 40 alte Wege im Landkreis gefunden. Mehrere davon wurden bereits erforscht und dokumentiert – so etwa eine Verbindung von Biburg nach Gilching im Landkreis Starnberg. Andere mögliche Verbindungen warten noch darauf, erforscht zu werden. Ein heißer Kandidat ist etwa der Emmeringer Kapellenweg, erklärt Ulrich Bähr. Er soll Teil eines Wallfahrtsweges nach Berg am Starnberger See gewesen sein. „Das könnte sehr interessant werden“, sagt Bähr.

Das Tagblatt stellt im Lauf des Sommers einige Altwege vor – inklusive Routenbeschreibung, Einkehrmöglichkeiten und Plan. Wer sich aktiv an der Suche nach weiteren Wegen beteiligen möchte, kann sich bei Ulrich Bähr unter Telefon (01 71) 3 54 60 44 melden oder eine E-Mail an altwege@baehrig.de schicken.

Weitere Nachrichten aus der Gemeinde Schöngeising lesen Sie hier.

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