Prähistorische Brauszenen am Jexhof

Steinzeit-Bier schmeckt wie Berliner Weiße

Die Flammen lodern in der Feuerschale. Zwischen den brennenden Holzscheiten liegen große gefleckte Steine, die sich langsam, aber sicher auf hohe Temperaturen erhitzen – 440 Grad misst Ulrich Bähr mit einem Infrarot-Thermometer. Er und seine Spezln brauen am Jexhof Bier aus der Steinzeit.

Schöngeising Sobald die Steine heiß genug sind, werden sie per Zange in einen Bottich mit bräunlicher Brühe verfrachtet. Daraus soll Bier werden, und zwar nicht irgendeines, sondern ein Meso-Bier, wie es möglicherweise schon die Steinzeitmenschen gebraut haben.

Gesicherte Erkenntnisse darüber, ob tatsächlich vor 8000 Jahren in dieser Gegend schon Bier gebraut wurde, gibt es nicht. Wohl aber Anhaltspunkte, die die Annahme logisch erscheinen lassen. Deshalb hat sich eine Arbeitsgruppe des Historischen Vereins Fürstenfeldbruck das ehrgeizige Ziel gesteckt, Steinzeit-Bier zu brauen. „Wir wollen ein plausibles Verfahren entwickeln, mit dem die Menschen im Mesolithikum nachvollziehbar in der Lage gewesen wären, Bier herzustellen“, sagt der Schöngeisinger Ulrich Bähr, Initiator und Kopf der Gruppe.

Dazu müssen sich die „zehn schwer Aktiven“ buchstäblich in die Steinzeit zurückversetzen, denn sie wollen nur mit den Mitteln arbeiten, die damals zur Verfügung standen. So wurden zunächst alle möglichen Steine von Äckern gesammelt und ihre Hitzebeständigkeit im Feuer getestet. Gar nicht so einfach. Die einen zerplatzten, andere zerbröselten. Auf geeignete Kochsteine stießen die Hobby-Historiker schließlich in einer Kiesgrube im Rothschwaiger Wald.

Nun erwärmen die mit winzigen Punkten übersäten Diorite, die Bähr Dalmatiner-Steine getauft hat, die Maische aus geschrotetem Malz. Geduldig rührt Ernst Mayer die Flüssigkeit im Bottich um, damit sich die Wärme der Steine verteilen kann. Das prähistorische Brau-Experiment findet er „sehr spannend“ – schon von Berufs wegen, denn er ist Brauingenieur.

Dreieinhalb Kilo Gerste und eineinhalb Kilo Weizen haben die Hobby-Historiker als Rohstoff verwendet. Die Bier-Ausbeute soll 20 Liter betragen. Hopfen kannte man in der Steinzeit noch nicht. Wenn in der Maische sämtliche Stärke in Zucker umgewandelt worden ist, wird nur noch Hefe zugesetzt. Laut Bähr schmeckt das Meso-Bier wie Berliner Weiße. „Säuerlich und fruchtig mit g’scheit Alkohol.“ Allerdings verliere es die Kohlensäure schnell. Bähr will deshalb einen Teil abfüllen und Zucker hinzugeben, um durch Flaschengärung „das spritzige Trinkerlebnis“ zu erhalten. Diese Möglichkeit hatten die Menschen im Mesolithikum nicht. (os)

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