Die neue Ausstellung am Jexhof feiert das Kino. Mitten drin in der Geschichte: (v.l.) Richard Bartels vom Lichtspielhaus in Bruck, Petra Löw von den Gröbenlichtspielen und Jexhof-Leiter Reinhard Jakob.	Fotos: Peter Weber (3)
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Die neue Ausstellung am Jexhof feiert das Kino. Mitten drin in der Geschichte: (v.l.) Richard Bartels vom Lichtspielhaus in Bruck, Petra Löw von den Gröbenlichtspielen und Jexhof-Leiter Reinhard Jakob.

Bauernhofmuseum bei Schöngeising

Neue Ausstellung am Jexhof: Von Lichtspielen und goldenen Kino-Jahren

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
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Die 1950er-Jahre gelten als die Goldenen Jahre des Kinos – auch im Brucker Land. Zahlreiche Lichtspielhäuser schossen aus dem Boden. Um die Geschichte der bewegten Bilder auf der großen Leinwand dreht sich nun eine Ausstellung im Jexhof, die die Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1960er-Jahre beleuchtet.

Schöngeising – Ein wenig sieht Museumsleiter Reinhard Jakob wie ein Zirkusdirektor aus: Er trägt eine leuchtend rote Weste und einen dazu passenden Zylinder, als er bei der Eröffnung der Ausstellung „Lichtspiele“ am Bauernhofmuseum Jexhof ans Rednerpult tritt. Im Mittelpunkt steht aber nicht die große Manege, sondern der große Film.

Dass Jakob dennoch wie ein Zirkuschef auftritt, liegt an den Geburtswehen des Films, wie er berichtet. Denn als das neue Medium Ende des 19. Jahrhunderts aufkam, musste es sich erst einmal gegenüber anderen Freizeitangeboten behaupten. „Daher kommt auch der Name Lichtspiele“, berichtete der Museumsleiter mit einer leichten Betonung auf dem Wort „Spiele“, das die Menschen für das Kino begeistern sollte.

Die Sonderausstellung am Jexhof setzt an dieser schnell geweckten Begeisterung an. Sie erzählt die Geschichte des Kinos, die im Jahr 1896 mit der Erfindung des Cinematographen durch die Gebrüder Lumière begann. Zunächst auf Jahrmärkten im Einsatz, gab es dank des mobilen Projektors schon bald die ersten Filmvorführungen in Wanderkinos und Wirtshäusern.

Immer mehr Kinos

Daran erinnerte auch Landrat Thomas Karmasin bei der Ausstellungseröffnung: „Als einziger im Landkreis gab der Bichler-Bräu in Fürstenfeldbruck 1912 täglich zwei Filmvorführungen mit wöchentlich wechselndem Programm“, erzählte der Landkreischef und spannte dann den Boden in die Goldene Ära der Lichtspielhäuser: „Nach 1945 schossen Kinos wie Pilze aus dem Boden.“

Das galt auch für den Landkreis Fürstenfeldbruck, wie Jakob und seine Mitarbeiter erfuhren: „Bei der Vorbereitung haben wir sehr viele Kinos aufgestöbert.“ Es gibt Bilder vom Kinosaal-Anbau des Anwesens Hornung in Gernlinden aus der Zeit um 1925 zu sehen. Oder vom Filmtheater am Bahnhof Maisach um 1955, vom Central-Lichtspielhaus in Eichenau um 1949 und vom Capitol-Kino in Bruck um 1957 – Lichtspielhäuser, die heute längst nicht mehr existieren.

Ruth Strähhuber hat die Ausstellungsräume gestaltet – auch sie kam „verkleidet“ zur Eröffnung der Ausstellung, wie der Landrat erfreut bemerkte.

Daneben wird auch die Geschichte der noch immer vorhandenen Kinos beleuchtet, zum Beispiel die des Brucker Lichtspielhauses und der Gröben-Lichtspiele in Gröbenzell. Trotz dieser großen Zahl der Kinos sagt Jakob: „Ich bin mir sicher, dass es noch mehr gab, die wir aber nicht mehr gefunden haben.“ Dazu zeigen alte Projektoren und Filmplakate, welche Filme gezeigt und wie diese auf die Leinwand projiziert wurden.

Neben dem Kino als Saal steht am Jexhof aber auch die Geschichte des Films im Fokus. Dabei spielten auch zahlreiche Akteure aus der Brucker Region eine tragende Rolle. Allen voran ist Renate Müller zu nennen. Die Schauspielerin verbrachte ihre Kinderjahre im Wasserschlössl in Emmering, ehe sie im Jahr 1928 von Regisseur Reinhold Schünzel für den Stummfilm entdeckt wurde und in der Folge zu einem Star der Produktionsfirma UFA aufstieg.

Stummfilm

Oder aber man informiert sich über die Drehbuchautoren Franz Stefani und Reinhold Eichacker, die in Fürstenfeldbruck und Gröbenzell wirkten. Jakob und sein Team beschränkten sich nicht nur auf den Landkreis, sondern schielten auch zu den Nachbarn in Inning (Landkreis Starnberg), wo die Produktionsfirma Schonger ihren Sitz hatte, und Gräfelfing (Landkreis München), wo die Gebrüder Diehl ihre Puppentrickfilme drehten.

Zu den von Ruth Strähhuber in Schwarz gestalteten Ausstellungsräumen gehört auch ein kleines Kino, in dem unter anderem der Stummfilm „Die Somme – Grab der Millionen“ gezeigt wird, der zur Eröffnung des Brucker Lichtspielhauses zu sehen war. Abgerundet wird die Ausstellung von einem mehr als 180 Seiten starken Begleitband, in dem Autoren ihre Begeisterung für den Film und seine Historie in lesenswerte Geschichten gepackt haben.

Begeisterung herrschte übrigens auch aus einem anderen Grund: Nämlich darüber, dass am Donnerstagabend am Jexhof endlich wieder eine Ausstellung in Präsenz eröffnet werden konnte. So zeigte sich Landrat Karmasin froh, „dass wir uns ohne bildgebende Verfahren wie Online-Konferenzen wieder persönlich treffen können“.

Informationen

Die Sonderausstellung „Lichtspiele – Kino und Film im Brucker Land von Anfängen bis zum Siegeszug des Fernsehens“ ist zu den regulären Öffnungszeiten des Museums zu besichtigen: Dienstag bis Samstag von 13 bis 17 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Der Begleitband kann im Museum erworben werden. Weitere Informationen gibt es online auf der Seite www.jexhof.de.

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