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Idylle am Zellhof bei Schöngeising: Der Springbrunnen sprudelt Tag und Nacht, ohne Strom, dank des natürlichen Wasserdrucks, der an dieser Stelle herrscht.

Zu Besuch auf dem Anwesen bei Schöngeising

Im Zellhof plätschert die Zeit dahin

Schöngeising – Verwunschen-schön liegt er in der Landschaft: der Zellhof bei Schöngeising. Die Familie von Ludwig Weiß hat das Anwesen 1970 gekauft – und investiert seitdem viel Zeit und Geld in den Erhalt. 

Es gibt immer eine Menge zu tun. Doch als Lohn ist man im Zellhof ganz nah dran an der Geschichte.

Das einzige Geräusch ist das Plätschern des Springbrunnens. Er sprudelt Tag und Nacht, ohne Strom, dank des natürlichen Wasserdrucks, der an dieser Stelle herrscht. Um die große Rasenfläche mit dem Brunnen und den herrlichen alten Bäumen gruppieren sich das Gutshaus und die Stallungen des Zellhofs, inmitten einer Bilderbuchlandschaft aus Wiesen, Wald und Stoppelfeldern.

Auf dem Ammer-Amper-Radweg kommen gelegentlich Radler und Wanderer vorbei. Manche bleiben stehen und bewundern das schöne alte Anwesen, in das Ludwig Weiß eine ganze Menge Herzblut hineingesteckt hat. „Wenn man jung ist, fängt man halt mal an“, sagt der heute 73-Jährige und lacht.

Seine Familie hat den Hof 1970 gekauft. In Bruck wurde es immer schwieriger, Landwirtschaft zu betreiben – man suchte nach einer Ausweichmöglichkeit und fand sie wenige Kilometer vor der Stadt, an der Amper Richtung Schöngeising. Damals ging es vor allem um die gut 100 Hektar Land, die zum Hof gehören.

Die Gebäude waren verfallen. Weiß ließ die Dächer neu decken und die Fassaden verputzen. Er sorgte dafür, dass die alten gegliederten Fenster hergerichtet wurden, statt sie gegen moderne Scheiben auszutauschen. Unter anderem mit diesen Maßnahmen rettete er den Charme des 1870 gebauten Gutshofs. „Man muss ein Feeling haben fürs Historische“, sagt er.

Im Wohnhaus hängen Gardinen an den Fenstern, doch bewohnt ist es nur zum Teil. Ein Verwalter lebt hier, der sich um alles kümmert. Ludwig Weiß kommt jeden Tag aus Bruck, oft mit dem Fahrrad. Er packt überall dort mit an, wo etwas zu tun ist. „Die Arbeit geht hier nicht aus.“

Das kann alles Mögliche sein – zweimal im Jahr verbringt er ganze Tage damit, alle Sättel und Zaumzeuge zu putzen, die in der Sattelkammer hängen – darunter auch ein winziges Kummet und das letzte erhaltene Halfter, das früher die Geißböcke trugen.

Im ehemaligen Kuhstall steht das passende Gefährt dazu: ein über 100 Jahre alter Geißbockschlitten. Ein Schwarz-Weiß-Foto zeigt Ludwig Weiß’ Vater als Vierjährigen mit seiner Schwester auf dem Kutschbock. Die Kinder hatten damals die Aufgabe, sich um die Ziegen zu kümmern, erzählt der 73-Jährige. „Man ließ sie füttern und ausmisten, um sie an die Landwirtschaft heranzuführen.“ Zur Belohnung gab’s dann eine Runde in der Ziegenkutsche.

Daneben stehen noch viel prächtigere Gefährte – Landauer und Jagdwagen, die Postkutsche, die die Brucker von der Leonhardifahrt kennen, und ein piekfein restaurierter Postbus mit gepolsterten Türen und Sitzbänken, allerdings nur minimaler Beinfreiheit.

Die Stallungen mit ihren Gewölbedecken sind schön, aber aus heutiger Sicht unpraktisch. „Für die Viehhaltung wären sie nicht mehr geeignet“, sagt Ludwig Weiß. Drei Pferde sind die letzten verbliebenen Tiere auf dem Hof. Durch ihren Stall düsen ein paar Schwalben, die über den Boxen ihre Nester haben.

Nebenan liegt die Schnapsbrennerei, in der im Herbst und Winter aus eigenem Obst Schnäpse gemacht werden. Sie bereichern das Getränkeangebot des Brucker Hotels Zur Post, das der Familie von Ludwig Weiß gehört.

Der Zellhof wurde erst 1945 ans Stromnetz angeschlossen. Bis dahin war ein Wasserrad die einzige Energiequelle. Es dreht sich noch heute, in einem Häuschen im hinteren Bereich des Geländes. Hier fließt ein Bach, der aus der Amper kommt und wieder in sie mündet. 5,4 Kilowattstunden erzeugt das Wasserrad in diesem regenreichen Sommer, meldet Ludwig Weiß stolz.

Denkmalgeschützt ist auf dem Zellhof-Gelände übrigens nur die Kapelle St. Vitus, die etwas abseits im Grünen liegt. Sie geht auf das Jahr 1315 zurück und ist trotz frühbarocker Decke angenehm schlicht ausgestattet.

Ein paar Mal im Jahr finden hier in der Kapelle besondere Gottesdienste statt. Die Gräber auf dem angrenzenden Friedhof sind längst überwachsen. Dort wird schon seit 1923 niemand mehr beerdigt.

von Ulrike Osman

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