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Dennis Höller hat das Unglück mitangesehen.

Frau von Schlauch erschlagen - Ein Augenzeuge berichtet

Fürstenfeldbruck – Auf unfassbar tragische Weise ist eine 54-Jährige in Fürstenfeldbruck ums Leben gekommen: Sabine M. stand am Bahnsteig, als ein durchfahrender leerer Reisezug einen Reinigungsschlauch aufwirbelte. Der traf die Türkenfelderin so unglücklich am Kopf, dass sie tödlich verletzt wurde.

Sabine M. war auf dem Weg zur Arbeit. Sie ist die rechte Hand des evangelischen Dekans von Fürstenfeldbruck. Mit der S-Bahn war sie von daheim in die Kreisstadt gefahren und um kurz nach 8 dort ausgestiegen. Doch den Fußweg zu ihrem Büro trat sie nicht mehr an. Die Kollegen warteten vergeblich.

Sabine M. lag wenige Gehminuten entfernt bewusstlos auf dem Bahnsteig. Dennis Höller hat sie gesehen. Er verbschiedete an der Tür seines Reisebüros im Bahnhofsgebäude gerade einen Kunden. „Sie hatte dunkelblonde, lockige Haare, eine Plastiktüte und einen Rucksack.“ Für Höller gab es im ersten Moment nur eine Erklärung: „Ich dachte, das ist eine Filmszene; halt dass da gedreht wird.“

In den Bahnhofsladen „Lokstation“ stürmte in dieser Sekunde ein anderer Augenzeuge – schreiend. „Hilfe, eine Frau ist verletzt worden.“ Der Chef des Ladens alarmierte die Rettungskräfte. Doch in der Einsatzzentrale wusste man schon Bescheid. Es waren bereits diverse Anrufe eingegangen.

Sofort wurde die Bahnstrecke gesperrt. Die Schwerstverletzte musste vom Mittelbahnsteig zum Notarztwagen getragen werden. Feuerwehrleute übernahmen das. Dank der Sperre mussten sie nicht durch den Passagiertunnel, sondern konnten direkt über die Gleise. Sofort ging’s weiter ins Krankenhaus. Doch alle Eile und alle ärztliche Kunst war vergebens: Um 10 Uhr war der Kampf um das Leben von Sabine M. verloren.

In der Zwischenzeit hatte sich das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes am Bahnhof um die Menschen gekümmert, die den Unfall aus nächster Nähe mit ansehen mussten. Vor allem eine junge Frau habe eine Weile gebraucht, das Gesehene zu verarbeiten und zu realisieren. Als sie sich einigermaßen beruhigt hatte, brachten sie die speziell ausgebildeten Helfer nach Hause.

In der Stadt verbreitete sich die Kunde von dem Unglück wie ein Lauffeuer. Manche hatten sogar den Schlauch hochwirbeln sehen. Anderen war völlig rätselhaft, wie das passieren konnte. Es kursierten Gerüchte, die Frau sei vom Fahrtwind erfasst worden. Andere glaubten an einen Schwächeanfall.

Tatsächlich geschah folgendes: Am Dienstagmorgen wurde der Bahnsteig gereinigt. Weil der Hochdruckreiniger so laut war, hatte Dennis Höller vom Reisebüro trotz des lauen Morgens seine Ladentür geschlossen. „Ich hab auch Schläuche rumliegen sehen.“ Laut Polizeipräsidium Oberbayern Nord war der Unglücks-Schlauch etwa so dick wie ein ganz normaler Gartenschlauch. Offenbar lag er nicht nur auf dem Bahnsteig, sondern reichte bis hinunter ins Gleisbett. Gegen einen Mitarbeiter der Reinigungsfirma wird wegen fahrässiger Tötung ermittelt. Die Bahnpolizei spricht von einer beispiellosen Verkettung unglücklichster Umstände. Die Staatsanwaltschaft München II hat die Obduktion der Leiche beantragt.

Im evangelischen Dekanat Fürstenfeldbruck herrschen inzwischen Fassungslosigkeit und Trauer. Sabine M. war dort seit Jahren als freundliche und kompetente Ansprechpartnerin geschätzt. Jugenddiakon Rainer Fuchs: „Wir haben auch im Kollegenkreis in unserer Freizeit immer wieder gemeinsam etwas unternommen.“ Dekan Stefan Reimers war völlig geschockt, als ihm die Kripo die traurige Nachricht überbrachte. Der plötzliche Tod seiner rechten Hand sei für das gesamte Dekanat ein enormer Verlust. „Sie hat mich eingearbeitet und mit ihr habe ich am intensivsten zusammengearbeitet.“

Auch im Wohnort Türkenfeld können die Menschen das Unglück kaum fassen. Freunde beschreiben die 54-Jährige als fröhlichen Menschen. Sabine M. ist im Ort als Mutter des Feuerwehrkommandanten bekannt. Sie habe zu dem 31-Jährigen ein sehr inniges Verhältnis gehabt, sagt Bürgermeiser Pius Keller.

Durch den Bahnhof Fürstenfeldbruck donnern derweil längst wieder Züge und S-Bahnen. In der Unterführung stimmt ein Geigenspieler eine klagende Melodie an.

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