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Schulleiter wollen ihre Turnhallen zurück

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In der Puchheimer Sporthalle am Schulzentrum sind Flüchtlinge untergebracht. Das Foto entstand vor der Belegung. © Weber-Archiv

Puchheim - Die Puchheimer Turnhallen am Schulzentrum sind seit Sommer mit Asylbewerbern belegt. Die Leiter der Schulen bitten nun eindringlich: Gebt uns die Hallen so schnell wie möglich zurück.

„Es ist eine Pflichtaufgabe des Landkreises, auch in Krisenzeiten dafür zu sorgen, dass Schulsport möglich ist“, sagt Georg Baptist, Direktor am Gymnasium. Er und sein Kollege von der Realschule, Herbert Glauz, hatten im Kreisausschuss des Kreistags Rederecht erhalten, weil die Politiker über Kosten im Zusammenhang mit der Belegung der Hallen zu befinden hatten – über die Kosten, die der Transport der Schüler zu anderen Sportstätten verschlingen. Denn der Unterricht fällt nicht gänzlich aus. Er wurde in andere Hallen verlegt, sodass 130 von 150 Stunden stattfinden können, sagt Baptist – allerdings unter schwierigen Umständen.

Bus-Fahrt zum Ersatz-Sport

Die Wege etwa zur Zweifachsporthalle der Stadt Puchheim, zur Schule am Gerner Platz, zum Laurenzer Weg und gar in die Heckenstraße nach Olching nähmen viel Zeit in Anspruch, die vom Sportunterricht wieder abgeht. Die Lehrer müssten außerdem beispielsweise Bälle oder andere Unterrichtsmaterialien mit auf die Reise in den Bussen nehmen. In den Ersatzhallen gebe es teils keine Trennwände, teils seien die Linien am Boden für den Schulsport nicht geeignet.

2000 junge Leute sind betroffen

Herbert Glauz von der Realschule berichtete, dass die jungen Leute im Unterricht unruhiger würden. Die Lärmbelastung sei fast nicht mehr zumutbar. Die Kreisbehörde habe bei der Entscheidung, die Puchheimer Hallen zu belegen, nicht ausreichend beachtet, dass 2000 junge Leute betroffen seien. Er war überzeugt: Es hätte Alternativen zu Puchheim gegeben.

Georg Baptist räumte ein, dass die Ausweichmöglichkeiten besser seien als gar nichts. Sie könnten aber nur ein Notbehelf sein. „Wir bitten: Geben Sie die Hallen so schnell wie möglich zurück“, sagte er in Richtung Kreisverwaltung, die bei der Unterbringung stets neuer Asylbewerber aber bekanntlich ja selbst mit dem Rücken zur Wand steht und in Zusammenarbeit mit den Kommunen ohnehin ständig weitere Plätze generiert (siehe dazu auch Seite 4).

Nachbarschaft ist gänzlich unproblematisch

Baptist betonte gegenüber dem Tagblatt auch, dass die Nachbarschaft zu den nicht ganz 200 ständig durchwechselnden Asylbewerbern „gänzlich unproblematisch“ sei. Nach dem gemeinsamem Spontan-Kultur-Projekt mit Flüchtlingen vor wenigen Wochen bereiteten Schüler gerade ein Abendessen in der Mensa mit Hallenbewohnern vor. Ihm gehe es ausschließlich um den Sport, so Baptist. Der sei nun mal Teil des gymnasialen Fächerkanons.

Sein Kollege Glautz bat im Ausschuss, wenigstens für das neue Schuljahr andere Lösungen zu finden. Antworten gab es dazu aber keine, was Beobachter nicht überrascht. Die gesamte Kreisverwaltung pflegt sich bei Aussagen über die mögliche Zukunft von belegten Turnhallen zurück zu halten. Denn der Zustrom an Flüchtlingen ist ungebrochen hoch. Beobachter erwarten in diesem Zusammenhang, dass die bislang geltende Zuweisungsquote, die der Kreis zu erfüllen hat, wieder in die Höhe gehen wird. Kein Mensch wisse zum Beispiel, ob nicht irgendwann der Notfallplan der Regierung ausgerufen wird und dann die nächsten Turnhallen belegt werden, hieß es neulich.

In der Sitzung – der Ausschuss ist für die Mittelzuteilung zuständig, nicht aber für die Unterbringung der Asylbewerber – wurden die Aussagen der Schulleiter nicht weiter diskutiert. Die geschätzten Beförderungskosten von rund 40 000 Euro bis Jahresende wurden einstimmig akzeptiert. Man hofft auf Übernahme durch den Freistaat.

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