Schulpolitik: Flexible Angebote, um Druck zu nehmen

Fürstenfeldbruck - Die CSU-Ortsgruppe veranstaltete eine Diskussion über die Bildungspolitik. Dabe vertraten die Diskutanten zum Teil sehr unterschiedliche Ansichten.

Nicht nur die verschiedenen Lehrerverbände bewerten das Schulsystem und die Bildungspolitik unterschiedlich und kommen zu verschiedenen Schlussfolgerungen und damit Forderungen an die Politik. Auch die Teilnehmer der vom CSU-Ortsverband veranstalteten und von Andreas Lohde moderierten Podiumsdiskussion vertraten zum Teil sehr unterschiedlichen Ansichten. Übereinstimmung herrschte darin, dass Bayern zusammen mit Baden -Württemberg sowohl im deutschland-, aber auch im weltweiten Vergleich mit an der Spitze liege.

Deutliche Worte fand Landtagsmitglied Thomas Goppel. Er kritisierte die alten unbeweglichen Strukturen in den Lehrerverbänden, die aus dem 19. Jahrhundert stammten. Auch in der Politik gehe es zu wenig um Inhalte und das Wohl der Kinder. Die Ganztagsbetreuung sei in der heutigen Gesellschaft, in der vier von fünf Kindern keine Geschwister hätten und ein Drittel nur mit einem Elternteil aufwachsen würde wichtig. Bei den Eltern kritisierte er unter anderem, dass nicht mehr über die Begabung des Kindes nachgedacht werde. Jeder denke, sein Kind werde einmal Nobelpreisträger.

Das G 8 sieht Goppel als gescheitert an, weil bei der Verkürzung des Gymnasiums auf acht Jahre auch mindestens zehn Prozent des Lehrstoffes hätten gekürzt werden müssen. So sei nicht im Interesse der Kinder gehandelt worden. Weiter prangerte er den Druck an, den die Eltern auf ihre Grundschulkinder ausüben würden. Fünf Prozent litten bereits unter dem Burn-out-Syndrom. Die Eltern hätten noch nicht verstanden, dass das Schulsystem mittlerweile so durchlässig sei, dass es auch ein Hauptschüler bis zu einem Studienabschluss schaffen könne.

Dies bestätigte auch Schulamtsleiter Joachim Linkert: „Es ist wichtig, dass die Kinder auf die für sie richtige Schule gehen. In Fürstenfeldbruck haben wir eine Übertrittsquote von über 90 Prozent.“ Auch die Lehrer der Grundschulen hätten einen unheimlichen Druck auszuhalten. Dieser ginge seitens der Eltern schon in der ersten Klasse Richtung Abitur los. Da müsse sich in den Köpfen der Eltern etwas ändern.

Gegenüber den Reformen der letzten Jahre äußerte er sich kritisch: „Im System wird immer nur an Rädchen gedreht. Man müsste stattdessen einen Schnitt machen und europäisch denken.“ Aus seiner Sicht wäre eine längere gemeinsame Schulzeit der richtige Weg, um den Druck von den Kindern zu nehmen und sie ihre Fähigkeiten besser erkennen zu lassen. Dem stimmte auch Anton Hirsch, Leiter der Mittelschule West, zu. An seiner Schule häuften sich die Fälle der Kinder, die vom Gymnasium über die Realschule bei ihnen landeten.

Gegen eine Verlängerung der Grundschulzeit und auch gegen das von Bundesministerin Anette Schavan (CDU) propagierte zweigliedrige Schulsystem sprach sich neben Goppel auch Ministerialrat Herbert Püls aus. Die Kinder würden derzeit dort abgeholt werden, wo sie stehen. Neben der Durchlässigkeit des Systems brauche man aber auch flexiblere Angebote wie zum Beispiel die zum Teil schon bestehende Möglichkeit, die Grundschulzeit auch in drei oder fünf Jahren zu absolvieren. Dass es auch Alternativen zum Gymnasium gebe, zeige so Püls die Zahl der Hochschulreifen: 45 Prozent werden inzwischen über Wege wie Mittel- und Realschule sowie anschließend FOS oder BOS erreicht.

OB Sepp Kellerer zeigte sich als Verfechter der Ganztagsschule, wenngleich diese für die Kommune eine erhebliche finanzielle Belastung darstelle. Er forderte, dass der Freistaat die Kosten tragen solle. Die Ausgaben für die Betreuung von Schulkindern hätten sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt.

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