Niedrigzins

Schwere Zeiten für Brucker Banken

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Fürstenfeldbruck – Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kostet die Sparkassen und Volksbanken bares Geld. Sie müssen nun kräftig an der Kostenschraube drehen. Drohen den Bruckern Gebührenerhöhungen oder gar Filialschließungen?

Strafzinsen, Abschaffung von kostenlosen Girokonten, Filialschließungen: Solche Hiobsbotschaften geistern beinahe täglich durch die Medien. Grund ist der Niedrigzinskurs der EZB. Sparer bringt er vor allem um die Rendite, die Banken kostet er richtig Kohle. Denn sie zahlen für Geld, das sie bei der EZB anlegen, Negativzinsen. Bei Sparkassen sowie Raiffeisen- und Volksbanken sind es derzeit 0,4 Prozent. Trotzdem müssen die Geldinstitute weiterhin Gewinn machen.

Eine erste Konsequenz: Beide Brucker Banken nehmen keine hohen Einlagen von neuen Geschäftskunden mehr an. Vor der Zinskrise wäre das noch undenkbar gewesen. Da bemühten sich beide Häuser um Kunden, die viel Geld mitbrachten. „Wir haben kein Interesse daran, dass Kunden nur viel Geld bei uns anlegen wollen, weil sie woanders schon Negativzinsen darauf zahlen müssten“, erklärt Walter Müller, Vorstandsvorsitzender der Volks- und Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck.

Bei der Sparkasse handhabt man das genauso. Zudem versuche man, Kunden dahingehend zu beraten, Gelder anderweitig anzulegen als auf einem Konto, sagt Klaus Knörr, Chef der Sparkasse Fürstenfeldbruck. Bei Bestandskunden sieht die Sache anders aus: Wer schon länger bei einer der beiden Banken sei, können aber nach wie vor hohe Summen anlegen, ohne Negativzinsen bezahlen zu müssen.

Doch dass keine Großanlagen von Neukunden im Geschäftsbereich mehr angenommen werden, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Wir werden alles überprüfen müssen, um Kosten einzusparen“, kündigt Knörr an. Und auch Walter sagt: „Wir müssen unterscheiden zwischen dem, was unbedingt notwendig, und dem, was nice-to-have ist.“

Schließung von Filialen?

Nett zu haben sind beispielsweise viele Filialen. So denke man bei der Sparkasse über Filialschließungen nach, sagt Knörr. Das liege aber nicht nur an der Niedrigzinspolitik. Wegen des Online-Bankings kämen die Kunden deutlich seltener in die Geschäftsstellen. Deshalb habe der Verband Empfehlungen erarbeitet, welche Kriterien für die Bewertung von Filialstandorten herangezogen werden könnten.

„Wir prüfen bis Herbst, ob wir und, wenn ja, wie wir das bei uns im Landkreis umsetzen können“, erklärt Knörr. Mögliche Schließungen beträfen vor allem den ländlichen Bereich, wo kleinere Filialen betrieben werden, aber auch in Städten wie Germering, wo es noch mehrere Filialien gibt, seien sie nicht ausgeschlossen. An manchen Standorten könnten Leistungen abgebaut, an anderen ausgebaut werden.

Bei der Volksbank hingegen sind Filialschließungen derzeit nicht geplant. „So lange sie genutzt werden und unterm Strich ein Plus steht, bleiben sie bestehen“, so Müller. Quersubventionierungen könne man sich aber nicht mehr leisten.

Fest steht, dass beide Brucker Geldinstitute nicht in Gebührenerhöhungen ihr Heil suchen – zumindest nicht derzeit. „Das hilft uns nicht, das Problem zu lösen“, so Klaus Knörr. Wie lange derzeit aber ist, das wollen weder er noch Walter Müller genauer spezifieren.

Kosteneinsparung

Sicher ist auch, dass Privatkunden bei der Sparkasse für das Premium-Girokonto ab Juli 2,50 Euro im Monat mehr zahlen müssen. Das sei aber nicht nur den Niedrigzinsen geschuldet, erklärt Knörr. Vielmehr sei das darin enthaltene Versicherungspaket teurer im Einkauf geworden und die Alternative, dieses einzuschränken, sei für das Premiumprodukt nicht gewollt gewesen, so der Sparkassen-Chef. Die Gebühren beim Einzelpreis- und Standardmodell S-Ideal blieben gleich.

Bei der Volksbank ist man überzeugt, dass die Kunden eine Erhöhung der Gebühren, nur um den Ertrag zu steigern, nicht akzeptieren würden. „Wir versuchen es stattdessen intern abzufangen, sprich Kosten zu sparen“, erklärt Müller. Bei der Volksbank bedeutet das vor allem flache Hierarchien. „Und alle Führungskräfte arbeiten im Tagesgeschäft mit.“

Auch bei der Sparkasse setzt man auf Kosteneinsparung. So will man den Kurs der vergangenen Jahre, Stellen im Rahmen der natürlichen Fluktuation sozialverträglich abzubauen, weiter fortsetzen. Doch die Sparkasse will auch neue Geschäftsfelder erschließen. „Wir versuchen, im Provisionsgeschäft zu wachsen und die Abhängigkeit vom Zinsgeschäft zu reduzieren“, so der Vorstandsvorsitzende Klaus Knörr.

Negativzinsen, also dass Sparer für angelegtes Geld zahlen müssen, sind bei beiden Brucker Banken derzeit kein Thema. Ausschließen wollen sowohl Knörr als auch Müller das aber nicht. „Sollten die Negativzinsen bei der EZB in Richtung ein Prozent gehen, dann wäre es für alle Banken notwendig, welche zu verlangen – und zwar für alle Kunden“, so der VR-Bank-Chef. „Wir wollen den Sparer aber möglichst lange schützen“, erklärt Knörr.

So viel kosten derzeit die Girokonten

Die Sparkasse Fürstenfeldbruck bietet für Privatkunden drei Kontomodelle an. Ebenso die VR-Bank. Je nachdem welches Modell man wählt, sind verschiedene Leistungen enthalten oder man zahlt für sie. Darunter fallen beispielsweise Kontoauszüge, Online-Banking, Buchungen, Bargeldabhebungen am Schalter und Kreditkarten. Die monatlichen Gebühren betragen bei der Sparkasse 2,99, 5,50 oder 11,50 Euro – je nach Modell. Bei der Volksbank können Privatkunden ihr Konto für einen monatlichen Grundpreis von 1,50, 2,50 oder fünf Euro führen lassen. An den Gebühren für die in den Kontopreisen enthaltenen Leistungen soll sich derzeit bei beiden Brucker Geldinstituten nichts ändern, versichern Knörr und Müller. Und auch an die kostenlosen Konten für bestimmte Gruppen wie Schüler, Studenten und Azubis oder die Ermäßigung für Sozialschwache wollen Sparkasse und VR-Bank im Kreis derzeit nicht gehen.

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