Schwieriger Kampf gegen Internet-Betrüger

Germering – Nicht hinter allen positiven Entwicklungen steckt auch eine gute Nachricht: Carolin Welsch von der örtlichen Verbraucherberatung im Mehrgenerationenhaus Zenja hat im vergangenen Jahr fast doppelt so oft Auskunft geben müssen als 2014:

 Rund 2000 mal wurden sie und Energieberaterin Gisela Kienzle telefonisch um Rat gebeten. 429 mal mussten die Experten ausführliche Beratungsgespräche leisten und Rechtshilfe geben. Und hinter jedem Anruf stecken in der Regel nur Ärger, Verdruss und Geldverluste bei Verbrauchern, die sich betrogen fühlten und meist auch betrogen wurden.

In ihrer Jahresbilanz berichtet Welsch davon, dass Probleme mit Telekommunikationsanbietern nach wie vor ein Dauerbrenner seien. Meist handle es sich um Fälle, in denen man per SMS oder WhatsApp aufgefordert werde, eine bestimmte Nummer anzurufen. Hat man dies – warum auch immer – getan, wird im schlimmsten Fall bei der nächsten Telefonrechnung ein Betrag wegen einer vermeintlichen Bestellung abgebucht. In so einem Fall sollte man sich sofort an die Verbraucherberatung oder an die Bundesnetzagentur wenden, erklärt Welsch.

Nicht weniger geworden sind der Beraterin zufolge auch Probleme beim Wechsel von Telekommunikationsanbietern. Hier müssten Kunden beispielsweise nach wie vor wochenlang auf den versprochenen Techniker warten.

Immer häufiger wird die Verbraucherberatung auch um Hilfe gebeten, wenn es um Ärger beim Internet-Einkauf geht. Die Gewährleistung bei mangelhaften Waren würden vom Verkäufer oft pauschal mit dem Hinweis abgelehnt, dass der Kunde den Fehler selbst verursacht habe: „Dagegen anzukämpfen ist oft schwierig“, gesteht Carolin Welsch.

Nicht viel einfacher ist dies auch beim sogenannten Vorkassobetrug: Die Kunden bestellen etwas im Internet, bezahlen auch sofort – und warten dann vergeblich auf die Lieferung. In der Regel handelt es sich dabei um richtigen betrug, schätzt Welsch ein. Es könne aber auch passieren, dass die Anbieterfirma Insolvenz angemeldet hat.

Eine geringere aber dennoch vorhandene Rolle in der Germeringer Beratungsstelle spielen betrügerische Online-Partnerbörsen und die scheinbar problemlos versprochene Vermittlung von Krediten. Bei letzteren erhält man nie Geld. Im Gegenteil: Wer darauf hereinfälllt, zahlt fleißig Gebühren für überflüssige Dienstleistungen. Ähnliches passiert all denen, die auf unseriöse Castingagenturen hereinfallen: Statt vor einer Model-Karriere stehen sie meist vor einer Rechnung über 300 bis 500 Euro für eine klitzekleine Internet-Annonce.

Eine tatsächliche Erfolgsgeschichte ist dagegen das von der Stadt unterstützte Angebot an Energiechecks: Hier konnte die Zahl auf 130 gesteigert werden. Die Stadt übernimmt dabei nicht nur die Kosten für diese Untersuchungen vor Ort: Jeder Teilnehmer erhält auch ein Geschenk aus einem Erst-Maßnahme-Koffer.  kg

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