Vor 35 Jahren pflanzte Jürgen Seeliger einen Baum, eine Lärche. Aus deren Brettern wurde schließlich der Sarg, in dem der Eichenauer zur letzten Ruhe gebettet wurde.

Nachruf

Sein Baum wurde zu seinem Sarg

Eichenau - Vor 35 Jahren pflanzte Jürgen Seeliger einen Baum, eine Lärche. Doch irgendwann musste diese gefällt werden. Das Holz wurde zu Brettern. Und daraus wurde schließlich der Sarg gezimmert, in dem der Eichenauer zur letzten Ruhe gebettet wurde.

Mit 78 Jahren ist Jürgen Seeliger gestorben. „Nach einer Operation im Frühjahr 2012, die ihm schwer zusetzte, hat er sich nie mehr richtig erholt“, erzählt Sohn Hans Seeliger. Kurz vor dem Tod seines Vaters hat er noch mit ihm ein langes Gespräch geführt. „In der darauf folgenden Nacht ist er verstorben, und zwar genau am 50. Geburtstag meiner vor drei Jahren verstorbenen Schwester Kordula.“

Das war nicht das einzige Kind, das Jürgen Seeliger zu Grabe tragen musste. 1964 bekam seine Frau Zwillinge. Doch eines der Kinder wurde tot geboren. Thomas, ein weiterer Sohn, wurde nur 25 Jahre alt. Er verunglückte 1988 am Timmelsjoch tödlich bei einem Motorradunfall. „Unser Papa fuhr oft dorthin, um ihm nahe zu sein und seiner zu gedenken“, erzählt Hans Seeliger.

Seinetwegen brach Jürgen Seeliger damals sein Studium ab: „Nach meiner Geburt brachte er sich in die Kunsthandwerkstatt und Töpferei meiner Mama ein und das tat er bis zu seinem Ruhestand.“ Obwohl er nie Töpfer oder Ofenbauer gelernt hatte, engagierte sich Seeliger über 40 Jahre in der Innung.

In der Gemeinde brachte sich Jürgen Seeliger auf unterschiedlichste Weise ein. So war er bei der Schützengemeinschaft Immergrün über 50 Jahre lang Mitglied. 17 Jahre davon war er im Vorstand tätig und zuletzt Ehrenschützenmeister. Von 1972 bis 1978 war er Mitglied des Gemeinderats und als Referent für das Schulwesen zuständig – er kandidierte seinerzeit auch für das Bürgermeisteramt. „Herr Seeliger hat sich in vielfältiger Weise ins gesellschaftliche Leben Eichenaus eingebracht“, betont Rathauschef Hubert Jung.

Von Anfang an engagierte sich Seeliger beim kunsthandwerklichen Adventsmarkt vor dem Rathaus. „Mit seinem Stand mit Keramik-Handarbeiten trug er zur Entwicklung und zum Erfolg des Marktes bei“, sagt Jung. In der Evangelischen Kirche war Seeliger viele Jahre im Vorstand aktiv, zudem sang er im Kirchenchor. „Sein alljährliches Sonnwendfeuer im Kreise des evangelischen Kirchenchores und vieler Freunde, das er auf seinem Grundstück ausrichtete, war legendär“, berichtet Pfarrer Christoph Böhlau. „Hier bei uns in ‚seiner’ Friedenskirche war er jeden Sonntag; gern auch als Lektor, früher als Kirchenvorsteher, direkt unter der Orgel, für deren Bau er sich einsetzte.“

 Böhlau beschreibt Seeliger als einen Menschen, dem sein Glaube viel bedeutete: „Wir wünschen ihm, dass er jetzt bei seinem Gott ist und dort Heimat findet.“ Im letzten Oktober fuhr der Eichenauer mit seinem Enkel Moritz noch einmal zum Timmelsjoch – dahin, wo sein Thomas einst verunglückte. Sein Leben war bestimmt von Erinnerungen und vom Loslassen.

Nun mussten sich seine Wegbegleiter von ihm verabschieden. Sein letzter Wille, im Testament aufgeschrieben und bei der Trauerfeier verlesen, lautete: „Alle, denen ich im Laufe meines Lebens Unrecht zugefügt haben sollte, mögen mir bitte verzeihen.“ (akk)

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