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Hier entsteht eine Krippe nach dem Vorbild der Stadtmauer in Wangen: Harald Lehner in seiner Werkstatt.

Seine Krippen sind eine eckige Sache

Grafrath - Sie zeigen Maria und Josef auf der Herbergssuche, den Besuch der Heiligen Drei Könige oder die Heilige Familie im Stall: Die Krippen, die der Grafrather Harald Lehner in seiner Werkstatt baut, sind wahre Kunstwerke – es sind so genannte Kastenkrippen.

Die Krippenszenen spielen sich zum Teil auch in Holzschuppen ab – wie bei einer normalen Krippe, wie sie dieser Tage unter den meisten Christbäumen steht. Zum Teil gibt es auch orientalische Behausungen und Tempel. Aber das ist nicht das Besondere daran. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Krippe sind Lehners Arbeiten, wie der Name schon sagt, in Kästen untergebracht. Wie bei einem Fernseher sieht man von vorne in den Kasten und erlebt eine enorme Tiefenwirkung.

Es war eine Kastenkrippe in der Kapelle auf dem Hof eines Freundes, die die Faszination bei dem 55-Jährigen weckte. „Irgendwann dachte ich mir, die könnte ich auch selber bauen.“ Nach einem „laienhaften Beginn“, wie Lehner sagt, merkte er schnell, wie viel Spaß ihm die Arbeit macht.

Wie bei einem Fernseher sieht man von vorne in den Kasten und erlebt eine Tiefenwirkung.

Laienhaft sehen seine Krippen inzwischen wahrlich nicht mehr aus. Allerdings muss der Grafrather auch 120 bis 150 Stunden in seiner Werkstatt investieren, bis eines der Werke fertig ist. Lehner arbeitet dabei hauptsächlich mit Materialien aus der Natur. „Nur Dämmstoffplatten, Styrodur, Farbe und die Elektrik für die Beleuchtung kaufe ich im Baumarkt“, erzählt der Hobby-Bastler. Das Holz für die Schuppen kommt oft von echten Stadeln. Wenn einer abgerissen wird, bemüht Lehner sich um die Latten. „Dann hat das Holz von der Witterung eine schöne, alte Patina.“ Die Latten schneidet er dann für seine Bedürfnisse zu. Außerdem sammelt Lehner Moos, Steine, Äste oder Sand, die er mit einbaut.

Die Idee zu den Gebäuden holt er sich aus der Umgebung. „Gerade in Südtirol oder im Allgäu gibt es viele Stadel, die ich fotografiere und dann nachbaue.“ Derzeit baut er an einer Krippe, die der Stadtmauer von Wangen nachempfunden ist. „Darauf aufbauend erfindet man die restlichen Elemente dazu“, erzählt der Bastler.

An der fertigen Krippe sind aber auch noch andere beteiligt. Die Hintergrundbilder lässt Lehner von dem renommierten Maler Alfred Fleckenstein anfertigen – „auf die jeweilige Krippe abgestimmt“, wie er betont. Denn gerade das Bild ist für die spätere Wirkung der Krippe mit entscheidend. „Der richtige Hintergrund und die richtige Beleuchtung machen 50 Prozent der Tiefenwirkung aus.“ Und auch die Figuren macht der Grafrather nicht selbst. Künstler aus Deutschland und Südeuropa geben Maria, Josef, dem Christkind und allen anderen Figuren den richtigen Schliff – sowohl in Ton, als auch als Holzschnitzerei, aber immer in echter Handarbeit. „Alles sind Unikate.“ Lehner gibt seine Figuren bei so namhaften Künstlern wie Raffaele de Angelis aus Bari und Max Keller aus Oberammergau in Auftrag. Aber auch nach Marktoberdorf, Ulm oder Barcelona schickt er seine Anfragen.

Auch die Figuren lässt Lehner nach seinen Wünschen herstellen und wartet dafür schon mal mehrere Monate oder bis zu eineinhalb Jahre auf die Fertigstellung. Lehner stellt die Figuren nicht einfach nur auf: „Ich arrangiere sie so, dass sie auf einen Blick eine Geschichte erzählen.“ So stehen Maria und Josef in einer der Krippen nicht nur in der Scheune, sondern laufen auf der Herbergssuche durch einen Canyon.

Lehner hat seine Kastenkrippen zuletzt mit großem Erfolg im Rahmen des Grafrather Christkindlmarktes in der Schule ausgestellt. Zu kaufen gibt es die Werke aber nicht. „Die Preise, die die Krippen kosten, würde keiner bezahlen“, sagt er. Genaue Zahlen will der 55-Jährige nicht benennen, aber alleine die Figuren würden so viel kosten, „dass keiner das Geld ausgeben würde, um die Krippe dann nur einmal im Jahr aufzustellen“.

Harald Lehner selbst hat einen großen Vorteil seiner Kastenkrippen zu schätzen gelernt: „Man muss nicht jedes Jahr alles auf- und wieder abbauen.“ Stattdessen verstaut er einfach den Kasten im Keller – das ist lediglich ein Handgriff. Im nächsten Jahr muss er ihn nur wieder hervorholen und aufstellen – und kann dann die tolle Perspektive genießen

Andreas Daschner

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