Claus Fiedlerist ist Klinik- und Notfallseelsorger.

Seit 20 Jahren: Er ist der Seelsorger am Krankenbett

Fürstenfeldbruck – Glückliche und traurige Anlässe dürften im Leben der meisten Pfarrer einigermaßen gleichmäßig verteilt sein. Sie trauen Paare, taufen Babys, tragen Menschen zu Grabe. Bei Claus Fiedler ist das anders.

Der evangelische Geistliche sieht sich meist mit Leid, Tod und Trauer konfrontiert. Seit 20 Jahren ist er in Bruck Klinik- und Notfallseelsorger, darüber hinaus betreut er drei Seniorenheime. Und selbst wenn er als Gemeindepfarrer tätig ist, dann meist bei Beerdigungen. Nun verlässt der 59-Jährige Bruck und geht nach Pasing – wiederum als Klinikseelsorger.

Bis jetzt lag sein Reich im 3. Stock der Brucker Klinik. Das geräumige Büro mit zwei Schreibtischen teilte er sich mit den katholischen Kollegen. Weitab von den Schreibtischen steht ein rotes Sofa mit drei Sesseln und gelben Kissen, in der Ecke eine Zimmerpalme, an den Wänden abstrakte Bilder in dezenten Farben. Hier hat Fiedler schon mit vielen gesessen, die gerade einen lieben Menschen verloren hatten.

Am wichtigsten ist es, da zu sein."

„Das Da-Sein für die Leute ist in dieser Situation das wichtigste“, sagt er. Zeit haben, ungeteilte Aufmerksamkeit schenken, so gut es geht Ruhe hineinbringen – „dafür sind die Leute oft sehr dankbar“. Fiedler – ergrauender Bart, sanfte Stimme – ist ein leiser, achtsamer Mensch.

Das Thema Krankenhausseelsorge lernte er bereits an der evangelischen Hochschule in Neuendettelsau kennen, seitdem lässt es ihn nicht mehr los. „Der Reiz besteht für mich darin, Menschen in schwierigen Situationen zu begleiten. Das ermöglicht ganz intensive Begegnungen.“

In Bruck hat er sich zuerst mit seiner Frau acht Jahre lang die zweite Pfarrstelle der Erlöserkirche geteilt – das macht ihn zum dienstältesten evangelischen Geistlichen im Pfarrkapitel. Vor elf Jahren wurde ihm dann die halbe Stelle in der Klinikseelsorge und den Pflegeheimen übertragen. Er kümmerte sich um Patienten, die gerade eine schlimme Diagnose bekommen haben, lange Zeit im Krankenhaus verbringen müssen oder am Lebensende angelangt sind.

Manche Menschen begleitet er bis zu ihrem Tod

Viele Senioren, die er aus seiner Arbeit im BRK-Pflegehaus, dem Josef-Stift oder dem Theresianum kennt, begegneten ihm auch im Krankenhaus immer wieder. „Aus manchen Begleitungen ergeben sich längere Beziehungen“, erzählt er. Die auch für ihn selbst schlimmsten Momente durchlebte er mit Eltern, die gerade ein Kind verloren hatten. Als Gemeindepfarrer war Fiedler in erster Linie für Beisetzungen zuständig. Oft kannte er die Verstorbenen und ihre Familien schon und konnte so die Feiern persönlicher gestalten. „Ich mache gerne Beerdigungen, sie sind wichtig für die Trauer der Angehörigen und für die Würde der Verstorbenen.“

Den Ausgleich findet der Vater einer Tochter beim Joggen, beim Wandern und Campen mit seiner Frau, beim Spielen mit den beiden Enkeln und in der Meditation. Der Stellenwechsel ans Krankenhaus in Pasing bedeutet das Ende des Pendelns – Fiedler wohnt schon seit Jahren in München. An seiner neuen Wirkungsstätte kann er sich ganz auf die Klinikseelsorge konzentrieren. Ansonsten ändert sich wenig: „Ich habe in den letzten 20 Jahren in Bruck ganz viele tolle Menschen kennengelernt. Und in Pasing werde ich wieder tolle Leute kennenlernen.“

Ulrike Osman

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