Peter Bruder und sein Merkur: Der 83-Jährige sorgt seit 50 Jahren dafür, dass die Leser morgens die Heimatzeitung im Briefkasten haben.

Zusteller geehrt

Seit 50 Jahren trägt er die Zeitung aus

Landkreis - Peter Bruder hat in seinem Leben schon viele Jobs angenommen und auch wieder beendet. Nur einer Tätigkeit ist er bis heute treu geblieben: Der 83-Jährige trägt seit 50 Jahren die Heimatzeitung aus – und hat dabei schon so manches erlebt.

Für Peter Bruder beginnt jeder neue Tag um halb zwei Uhr nachts. Da klingelt der Wecker. Dann spricht er ein kurzes Gebet, geht in die Küche und macht sich einen Kaffee. Dazu gibt’s ein Stück Zartbitterschokolade. „Das macht mich glücklich.“ Zwischen drei und halb vier verlässt er dann das Haus, schwingt sich auf sein Radl und versorgt die Leser mit ihrer Morgenlektüre.

Ausflug in den 1980er-Jahren: Einmal im Jahr unternehmen die Zeitungsträger des Münchner Merkurs etwas gemeinsam. Auch Peter Bruder (unten l.) war damals dabei.

Das macht er jetzt seit einem halben Jahrhundert. Sechs Tage die Woche, 329 Tage im Jahr. Angefangen hat die Tätigkeit für ihn als Nebenjob. In der Zeitung las er, dass noch Austräger gesucht werden. „Da habe ich mich sofort beworben und das noch nebenbei gemacht.“ Denn er brauchte damals Geld für seine Familie.

Rückblickend erzählt der Senior von vielen Anstellungen, die er oft höchstens ein halbes Jahr lang ausgeübt habe. „Das lag an meiner chronischen Unpünktlichkeit“, erklärt er zwinkernd. „Deswegen musste ich selbstständig arbeiten.“ Beim Zeitungen austragen schreibt ihm niemand etwas vor. „Du musst nur um sechs fertig sein. Wie lang du für deine Touren brauchst, ist dir überlassen.“ Mittlerweile ist der Routinier nachts etwa 90 Minuten unterwegs. Er sei froh, dass er eine so radfreundliche Route habe. „Ich kann eigentlich die meistens Zeitungen vom Sattel aus verteilen“, erzählt er. Außer, wenn es regnet: „Dann packe ich sie in Plastikfolie ein, damit die Abbonenten keine nassen Blätter haben.“

Mitunter wegen solcher kleinen Aufmerksamkeiten ist Bruder bei den Abonnenten so beliebt. „Zwischen Weihnachten und Neujahr besuche ich jeden einzelnen“, erzählt der seit 20 Jahren berentete Senior. Das sei ein persönlicher Ansporn für ihn. „Wenn ich alle Gesichter kenne, hilft mir das, niemanden zu vergessen.“

Manche Kinder habe er aufwachsen sehen. So wie ein kleines Mädchen, das ihm früher manchmal selbst gemalte Bilder geschenkt hat. Mittlerweile ist die Kleine eine erwachsene Ärztin. Bei einem Kaffee zum Jahresende sehen sich die zwei aber noch regelmäßig. „Der Kontakt ist nie abgerissen.“

Eine ähnlich schöne Geschichte verbindet ihn mit der hohen Frau. Die heißt eigentlich anders. Weil die Abonnentin aber auf dem Neunerberg zu Hause ist, hat Bruder ihr diesen Namen verpasst. „Das ist auch schön“, erzählt der Rentner, der nebenbei gerade noch Spanisch lernt. „Die lässt mir manchmal etwas zukommen.“ Wenn sie am Tag zuvor Suppe gekocht oder Kuchen gebacken hat, ruft sie am Abend vorher bei dem Zeitungsausträger an und gibt Bescheid. „Morgens kommt sie dann vor die Haustüre und übergibt es mir“, erzählt er.

Natürlich passieren in 50 Jahren auch mal weniger schöne Dinge. Der 83-Jährige war in seiner Laufbahn eigentlich nie krank. Bis auf das eine Mal, als er bei seiner nächtlichen Tour ausrutschte und beim Sturz der Meniskuss riss. In dieser Zeit übernahmen seine vier Kinder abwechselnd die Aufgabe. Als der Rentner aber wieder zurückkam, sagten ihm viele Leser, dass sie ihn schon vermisst hätten.

Gerade diese enge Bindung macht es dem Pensionär schwer, einmal mit dem Austragen aufzuhören. „Mich beglückt diese Aufgabe“, sagt er. „Die Bewegung an der frischen Luft, die funkelnden Sterne und diese nächtliche Ruhe.“ Früher habe er noch Judo gemacht, jetzt reichen ihm seine nächtlichen Expeditionen, um fit zu bleiben.

Trotzdem: Hin und wieder zwickt die Bandscheibe schon und so manches Mal träumt der 83-Jährige vom Ausschlafen. „Vielleicht mach ich die Arbeit noch bis Ende März“, sagt er. Dann könne er sich mehr auf seinen Spanisch-Kurs an der Volkshochschule und seine regelmäßigen Reisen konzentrieren. Dann entsinnt er sich aber, grinst und zwinkert: „Vielleicht aber auch noch länger.“ (ew)

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