Was geschah in jener Nacht ?

Selbstbedienung am Radlständer

Puchheim – Die Zahl der Radldiebstähle steigt ständig. Meistens verschwinden die Drahtesel auf Nimmerwiedersehen. In Olching lief jetzt ein Fall aber ganz anders.

„Für mich ist es wie ein kleines Wunder“, sagt Inge (49). Ihr Fahrrad war ihr erst geklaut und dann einen Tag später wieder zurückgebracht worden. Die Freude war groß: Für die Olchingerin hängen viele persönliche Erinnerungen an dem Drahtesel. Deswegen würde sie gerne mit den „ehrlichen Dieben“ auf einen Kaffee gehen – vorausgesetzt, sie melden sich bei ihr.

Mit dem alten Radl bestreitet die Olchingerin jeden Morgen den Weg zur S-Bahn. Egal, ob Sonne, Regen oder Schnee. Acht Minuten morgens hin, acht Minuten abends wieder heim. „Im Kindersitz auf dem Gepäckträger ist mein Sohn schon gesessen, als er noch nicht mal laufen konnte“, erzählt die 49-Jährige. Eben dieser war es auch, der das Radl am Samstagabend auslieh.

Mit Mamas Rad zum Bahnhof

Denn Tobias wollte aufs Puchheimer Volksfest. Dafür musste er das kurze Stück zum Bahnhof fahren und danach die S-Bahn nehmen. Für den Weg zur Station schnappte er sich Mamas Rad – das steht eh meistens vor der Haustür. Das einzige Problem war nur, dass der Schlüssel für das Schloss immer an Mutters Schlüsselbund hängt. Und die war grad nicht da.

Also ließ er das Velo unabgeschlossen am Bahnhof zurück, wo es die ganze Nacht stehen blieb. Denn im Bierzelt war es spät geworden. Also hatte ihn der Vater einer Freundin mit nach Hause genommen. Daheim angekommen erzählte er das seiner Mutter. Die aber winkte ab: „Das alte Fahrrad nimmt doch eh keiner“, sagte sie und nahm sich vor, es am Sonntagnachmittag abzuholen. Doch als Inge am nächsten Tag am Bahnhof stand, traute sie ihren Augen kaum: Dort, wo einst ihr Radl stand, lagen jetzt nur noch die abmontierten Satteltaschen. „Welcher Depp macht sich denn spätnachts so eine Mühe?“, überlegte sie noch. Dann schaute sie sich nochmal um. Aber Fehlanzeige. Das Radl war weg.

„Was hilft’s“, sagte sie sich. Ärgern wollte sie sich nun auch nicht. Also schickte sie ihrem Sohn ein Foto von den Satteltaschen und schrieb die ironische Bemerkung drunter: Hättest mal lieber abgesperrt. Jetzt musst du mir wohl ein neues besorgen. Dann warf sie noch einen Blick in die Satteltaschen. „Da fehlte fast nichts“, erinnert sie sich. Schloss, Badelatschen und Fahrradabdeckung – alles noch da. Nur die Luftpumpe war weg.

Stunden später kam Tobias heim. Vom schlechten Gewissen geplagt, fuhr er nochmal los zum Bahnhof. „Keine zehn Minuten danach hat das Telefon geklingelt“, erinnert sich Inge schmunzelnd. „Du glaubst es nicht“, soll der 16-Jährige gesagt haben. „Das Rad steht wieder da.“ Zwar an einer anderen Stelle und mitten im Weg, aber es war zurück.

Die Olchingerin war überglücklich – und den Dieben gar nicht böse. Sie glaubt nämlich, dass dahinter ein verliebtes Pärchen steckt. Die seien vielleicht auch auf dem Volksfest gewesen und wollten einfach schnellst möglich heim. Und um Platz für Zwei zu schaffen, montierten sie die Satteltaschen vom Gepäckträger. So die Theorie der 49-Jährigen.

Was allerdings mit der Luftpumpe passiert ist, bleibt ein Rätsel. Inge glaubt: „Die hat wahrscheinlich jemand aus den Taschen geklaut.“ Am liebsten wäre es ihr, wenn sie die ehrlichen Diebe kennenlernen könnte. „Einfach, weil ich mich so gefreut habe, dass mein Radl wieder da ist.“

Lassen Sie Ihr Rad bei der Polizei registrieren!

Immer öfter kommen Drahtesel weg. In Olching etwa zählte die Polizei zwischen Januar und Ende April 43 Diebstähle. Im Vergleichszeitraum des Jahres 2015 waren es 33. Olchings Polizeisprecher Hermann Mitterer erinnert an diesem Zusammenhang an ein Angebot seiner, aber auch anderer Inspektionen: Radlfahrer können ihre Bikes bei der Polizei registrieren lassen und so den Beamten die Fahndung nach einem möglichen Diebstahl erleichtern.

 Die Radlbesitzer müssen dabei ihre Daten und Angaben zum Fahrrad hinterlassen. Wenn die Polizei Straßen-Kontrollen durchführt, kann sie im Zweifelsfall sehr schnell feststellen, wem ein Rad gehört, mit dem gerade jemand unterwegs ist. Dieses Instrument sei für die Polizei schon ein gutes Handwerkszeug, sagt Mitterer.

Als Prävention gegen Radlklau empfiehlt Germerings PI-Sprecher Andreas Ruch vor allem eines: Vernünftige Schlösser. Ein 2000-Euro-Rad mit einem Zehn-Euro-Schloss zu sichern, sei nicht wirklich ratsam. Gute Schlösser machten Dieben die Arbeit einfach schwerer und schreckten sie ab. In der Regel hätten es Langfinger vor allem auf Räder bestimmter Marken abgesehen. Zweifellos komme es immer wieder zu bestellten Diebstählen, bei denen die Drahtesel im Ausland landen. Nicht selten würden die Drahtesel vom Bahnhof einfach mit einem Kleinlaster abtransportiert

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