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Bärbel Rabaschus (77) betreut seit 15 Jahren ehrenamtlich Senioren. Einer ihrer Schützlinge ist Edith Körner (r.). Sie ist ein Jahr jünger als ihre Helferin.  

Diese Seniorin betreut Senioren

Fürstenfeldbruck - Bärbel Rabaschus betreut ehrenamtlich Senioren. Das Besondere dabei: Die bescheidene Bruckerin ist selbst schon 77 Jahre alt. Mittlerweile sind einige ihrer Schützlinge jünger als sie selbst.

Eigentlich wollte sich Bärbel Rabaschus an einem regnerischen Nachmittag vor 15 Jahren nur unterstellen. Am Ende wurde daraus ein ehrenamtliches Engagement. Damals besuchte sie den Friedhof an der Kirchstraße, direkt gegenüber vom Seniorenheim. „Wo renn’ ich denn jetzt hin?“, fragte sie sich.

Dann fiel ihr ein, dass sie im Theresianum eine Bekannte besuchen könnte. Dort hing am schwarzen Brett ein Zettel, auf dem Ehrenamtliche gesucht wurden. „Als erstes habe ich eine 90-Jährige betreut, die keine Angehörigen mehr hatte“, erzählt Bärbel Rabaschus. Sie begleitete die Seniorin bis zu ihrem Tod. „Dann habe ich mir die nächste gesucht, die Hilfe brauchte.“ Sie geht mit ihren Schützlingen spazieren oder in die hauseigene Kapelle, setzt sich mit ihnen in den Garten oder in das Café im dritten Stock, erzählt und hört zu. Inzwischen ist sie die dienstälteste unter den 23 Ehrenamtlichen des Theresianums, die im Schnitt sechs bis acht Stunden wöchentlich im Haus sind.

An einem kalten Nachmittag im Januar sitzt die gebürtige Schlesierin bei Edith Körner. Die 76-Jährige ist auf den Rollstuhl angewiesen und lebt seit neun Jahren im Theresianum. In ihrem Zimmer steht auch jetzt noch ein kleines Weihnachtsbäumchen, auf dem Sessel liegt ein Akkordeon. Das spielt sie gern – wenn die Hände mitmachen. Die beiden Frauen schauen in den kahlen Garten und freuen sich schon darauf, im Sommer wieder draußen zu sitzen. „Dann ist dort alles voller rosa Blüten.“ Im Gegensatz zu anderen Bewohnern bekommt Edith Körner regelmäßig Besuch von ihrer Familie. Trotzdem möchte sie die Stunden mit Bärbel Rabaschus nicht missen. „Wir verstehen uns gut.“

"Ich sage `Hallo`, dann finden wir uns"

Doch kommt es der ehrenamtlichen Helferin nicht komisch vor, dass sie älter ist als manche Senioren im Heim? Ach wo. „Ich bin ja selber komisch genug“, sagt die 77-Jährige und lacht. Aber abgesehen von ein paar altersbedingten Zipperlein fühlt sie sich fit. Im Theresianum schätzt man sie, weil sie keine Berührungsängste kennt und gerade für eher zurückgezogene Senioren ein Händchen hat. Wie sie auf Menschen zugeht, beschreibt Bärbel Rabaschus mit entwaffnend einfachen Worten: „Ich sage ‘Hallo’, dann finden wir uns gleich.“ Auch zu Demenzkranken hat sie schnell Zugang, weiß sie instinktiv richtig zu nehmen.

Den Umgang mit älteren Menschen hat sie schon früh gelernt. Sie wuchs in Breslau bei ihren Großeltern auf und musste als Sechsjährige mit ihnen aus der Heimat fliehen. Im Brucker Raum machte sie eine Lehre in ländlicher Hauswirtschaft, arbeitete später aber auch lange Jahre als Stationshelferin im Krankenhaus. Sie mag den Austausch mit den Senioren im Theresianum. Sich nur ans Bett setzen und vorlesen liegt ihr dagegen nicht. „Ich mache lieber aktiv etwas mit den Leuten“, sagt sie. „Ich will mich ja selber auch ein bisschen aufrichten. Sonst würde ich nur zu Hause vor dem Fernseher sitzen.“

Ulrike Osman

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