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Wie hinter einer gläsernen Wand würden sich psychisch kranke Menschen fühlen, sagt Susanne Stier.

Ex-Psychiatrie-Patientin

Sie kennt die Abgründe der Seele

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Susanne Stier (55) wurde mit 26 Jahren schwer psychisch krank. Sie hat viele Kliniken von innen gesehen, nahm Medikamente gegen ihre Krankheit. Heute ist sie weitgehend gesund. Als erste sogenannte Psychiatrie-Erfahrene hilft sie bei der Caritas nun anderen Betroffenen.

Fürstenfeldbruck – Stier könnte viele Schauergeschichten aus ihren Jahren in der Psychiatrie berichten. Darüber, dass sie Pillen mit kaum auszuhaltenden Nebenwirkungen schlucken musste. Darüber, dass die Ärzte die Patienten nicht ernst nahmen, wenn sie überhaupt mit ihnen sprachen.

„Heute ist das zum Glück nicht mehr so“, sagt Stier. Sie weiß: „Ein psychisch kranker Mensch vereinsamt sehr schnell. Viele fühlen sich wie hinter einer gläsernen Wand. Sie nehmen wahr, was um sie herum passiert. Aber sie werden nicht gehört.“ Das will Stier, die eine Ausbildung als Genesungsbegleiterin absolviert hat, ändern.

Bei der Caritas arbeitet sie als erste so genannte Psychiatrie-Erfahrene. „Leider nur auf Minijob-Basis“, sagt sie. Sprich etwa 6,5 Stunden die Woche.

Der Weg zu einem Beratungsgespräch ist unkompliziert

Dann nimmt Susanne Stier, die sich selbst als zufrieden und stabil aber nicht als komplett geheilt einstuft, an Beratungsgesprächen teil. „Wir wollen einen Trialog schaffen. Im Gespräch sollen sich der Klient, die Genesungsbegleiterin und eine Fachkraft wie etwa ein Psychologe auf Augenhöhe austauschen“, erklärt Monika Fußeder, Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes im Caritas-Zentrum an der Hauptstraße 5.

Einer selbst betroffenen Person gegenüber könnten sich manche Klienten leichter öffnen. „Sie wissen, dass ich weiß, wovon sie reden“, sagt Stier. „Ich kenne das Gefühl, wenn sich beispielsweise die Wahrnehmung, das Denken und auch der Körper durch die Medikamente verändern“, sagt Stier. Einige Betroffene würden wegen der Nebenwirkungen die Tabletten absetzen. „Aber das ist der absolut falsche Weg. Ich kann dann sagen: Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Die Lösung ist, mit dem Psychiater zu sprechen und sich neu einstellen zu lassen.“

Ziel der Caritas ist es generell, ein niedrigschwelliges Angebot für Menschen in psychischen Krisen zu bieten. Sprich: Der Weg zu einem Beratungsgespräch ist unkompliziert. Und das schätzt auch Genesungsbegleiterin Susanne Stier, denn: „Menschen in Krisen brauchen jemanden, der mit ihnen spricht.“

Betroffene

können sich zu den üblichen Bürozeiten beim Sozialpsychiatrischen Dienst an der Brucker Hauptstraße 5 unter (0 81 41) 32 07 80 70 melden, um einen Termin zu vereinbaren. Von 13 bis 13.30 Uhr besteht die Möglichkeit mit einem Berater zu sprechen.

Caritas sucht neue Unterkunft

Seit fast zwei Jahren ist der Sozialpsychiatrische Dienst der Caritas auf der Suche nach einer neuen Unterkunft für seine therapeutische Wohngemeinschaft. Momentan leben sechs Menschen mit psychischen Problemen in einem Haus in Olching. Zwei Sozialpädagoginnen betreuen die Bewohner punktuell, sie bieten Unterstützung, damit die Klienten ihr Leben weitestgehend alleine meistern lernen.

Doch im Frühjahr 2018 müssen die Bewohner aus dem Haus ausziehen. Das Gebäude wird abgerissen. „Alle haben große Angst, dass sie zeitnah kein neues Zuhause finden“, sagt Monika Fußeder, Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes im Caritas-Zentrum. Sie ist verantwortlich für die Haus-Suche und appelliert an alle Gebäude-Besitzer im Landkreis: „Wir brauchen vor März 2018 eine neue Unterkunft. Wenn Sie ein Herz für Menschen mit psychischen Erkrankungen haben, melden Sie sich.“ Etwaige Vorurteile gegenüber den Bewohnern will sie zerstreuen. „Wir waren mehr als 20 Jahre lang in Olching. Das spricht doch für sich.“

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