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Ein Baum macht weniger Dreck als der Mensch“: Christa Tucci freut sich an dem über 15 Meter hohen Mammutbaum in ihrem Garten.

Puchheim

Auszeichnung für Freunde der Natur: Sie sind die Helden der Baumpflege

Bäume können einen Garten zu einem wahren Paradies machen, sind manchmal aber auch ein Konfliktherd – etwa wenn das Laub sich nicht an Grundstücksgrenzen hält. Vier Puchheimer trotzen diesen Widrigkeiten und haben dafür nun eine besondere Ehrung erhalten.

Puchheim – Eine Ehrung für Baumbesitzer hat die Puchheimer Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) ins Leben gerufen. Wer sich jahrein, jahraus um einen großen „Staubfilter, Lärmschlucker, Schattenspender und Kühler, Luftbefeuchter, Windschützer und Lebensraum für Insekten, Vögel, Eichhörnchen und Fledermäuse“ kümmert, wird mit einer Urkunde ausgezeichnet.

Die ersten vier Empfänger freuen sich sehr. Alle vier wissen, dass ein schöner großer Baum im Garten nicht nur Freude, sondern auch Arbeit macht – und dass man sich unter Umständen kritische Kommentare aus der Nachbarschaft anhören muss, weil das Laub sich beim Fallen nun mal nicht an Grundstücksgrenzen hält. Aber ihren Bäume zuliebe halten alle vier das aus.

Der Zeder freundlich zugeredet

Marlies Domes und ihr Mann Rainer wurden als „Puchheimer Baum-Freunde“ ausgezeichnet, weil sie seit 40 Jahren in ihrem Garten eine Zeder pflegen. Damals brachte das Paar das Kieferngewächs als 50 Zentimeter kleines Bäumchen von einer Italienreise mit. „Wir haben ihn eingepflanzt und ihm freundlich zugeredet“, erinnert sich Marlies Domes.

Im Winter gab’s als Wachstumshilfe ein Spezialsalz statt Dünger. Mehr brauchte es nicht, um das Pflänzchen von einst zu einem wunderschönen Baum heranwachsen zu lassen, von dem die Besitzer sagen: „Wir lieben ihn über alles.“ Bereitwillig kehren sie die Nadeln weg, die bei Wind, Trockenheit und Regen vom Baum rieseln. Und sie verteidigen ihn gegen Anfeindungen aus der Umgebung.

Zuletzt wurde der Zeder sogar nachgesagt, mit ihren Wurzeln einen Schaden an der Kanalisation verursacht zu haben. Darüber kann Domes nur lachen. Der Baum stehe mindestens 50 Meter weg von der Problemstelle. Gerade angesichts solcher Konflikte will der BN Gartenbesitzern den Rücken stärken – wenn Bäume „durch missgünstige Nachbarn oder Baurecht gefährdet sind“, wie es in einer Mitteilung heißt.

Eine prächtige Eiche - aber die Nachbarn wollen sie nicht

Auch Uta Stöckel hat das erlebt. Ihre prächtige Eiche war den Nachbarn ein Dorn im Auge, sie beantragten sogar die Fällung. „Aber es gibt in Puchheim eine Grundregel, wonach ein Baum stehen bleiben darf, wenn er über zwei Meter groß ist“, erzählt die Besitzerin. Diese Bestimmung rettete die Eiche.

Uta Stöckel ist trotzdem heilfroh, dass die bewussten Nachbarn inzwischen ans andere Ende der Welt verzogen sind und ihr Haus vermietet haben. Die jetzigen Bewohner tolerieren herabfallendes Laub und Eicheln. Vor allem aber freuen sie sich über den Schattenplatz, den die Eiche ihnen in ihrem Garten beschert.

Die Blätter des Mammutbaums

„Die Einstellung vieler Menschen zu Bäumen müsste sich gravierend ändern“, findet Christa Tucci, Besitzerin eines über 15 Meter hohen Mammutbaums. Ja, der wirft einmal im Jahr seine feinen Nadelblättchen ab. Ja, sie muss ihr Dach und die Dachrinnen deshalb regelmäßig reinigen lassen – und wenn schon. „Ein Baum macht weniger Dreck als der Mensch.“ Sie freut sich an seinem hellgrünen Laub, an den vielen Vögeln, die in seiner Krone wohnen, an den Eichhörnchen, die sich ein bisschen von seiner Rinde schälen.

„Sie blüht, sie duftet, sie zieht Bienen und andere Insekten an, und sie hat eindeutig eine Klimawirkung“, sagt Brigitte Thema über die große alte Linde im Garten ihres Wohnhauses. Die Urkunde des BN ging an Hausbesitzerin Monika Kay, doch auch die Mieterin kümmert sich um den wertvollen Baum. „Wir gießen ihn und verteidigen ihn.“ Das ist notwendig, weil um die Linde ein Rechtsstreit tobt. Da kam die Ehrung des Bund Naturschutzes genau im richtigen Moment.

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