Immer häufiger werden Supermarktkunden und sogar Radlfahrer bestohlen. Die Aufklärungsquote dieser sogenannten „einfachen Diebstähle“ liegt im Landkreis bei 42 Prozent, erklärt Herbert Kanz von der Polizei Olching. foto: dpa

Taschendiebstähle

Das sind die üblen Maschen der Diebe

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Fürstenfeldbruck - Supermarktkunden fehlt an der Kasse plötzlich ihre Geldbörse und Radler werden gar während der Fahrt beklaut – im Landkreis werden immer mehr Diebstähle gemeldet. Die Polizei erklärt die ausgeklügelten Maschen der Täter und gibt Tipps, wie man sich vor den Langfingern schützen kann.

Die Lieblingsopfer der Diebe sind ältere Frauen. Erstens tragen Seniorinnen gerne größere Geldbeträge bei sich, weil sie an der Kasse nach wie vor lieber in Bar und nicht mit Karte bezahlen. Und zweitens sind Rentnerinnen körperlich oft nicht in der Verfassung, sich gewaltsam zu wehren oder den Täter zu verfolgen, wenn sie den Diebstahl bemerken. Doch mittlerweile trauen sich die Diebe auch, jüngere Opfer zu beklauen. Denn die gewieften Vorgehensweisen funktionieren bei jedem Unaufmerksamen.

Die Polizei beobachtet in den vergangenen Jahren vor allem zwei Tätermaschen, erklärt Andreas Ruch von der Germeringer Inspektion. Im ersten Fall treiben sich die Diebe in Supermärkten herum und grapschen nach den Geldbörsen der Kunden. „Oft sind die Diebe selbst mit Einkaufswagen oder einen Korb unterwegs“, sagt Ruch. „Sie fallen also gar nicht auf.“

Sie verfolgen ihr Opfer durch die Gänge und versuchen zu erspähen, wo es sein Geld aufbewahrt. Sobald es nun seinen Korb oder die Tasche aus den Augen lässt, greift der Täter nach dem Portemonnaie. „Manche lassen beim Einkaufen ihre Börsen sogar einfach lose im Wagen herumliegen“, sagt Ruch. Das sei für die Diebe ein gefundenes Fressen. Oft bemerken die Opfer erst an der Kasse, dass ihr Geld weg ist. Bis dahin haben die Diebe bereits den Supermarkt verlassen.

„In einem Fall hat der Täter eine EC-Karte samt Pin im Geldbeutel gefunden. Der hat noch am Automaten im Markt einen erheblichen Betrag abgehoben. So schnell konnte die Karte gar nicht gesperrt werden“, sagt Ruch. Für ihre Streifzüge suchen sich die Täter vor allem Tage aus, an denen die Märkte stark frequentiert sind – zum Beispiel an Samstagen. „Je mehr Getümmel ist, desto besser.“

Die zweite Masche der Langfinger ist noch wesentlich dreister. Den Opfern werden beim Radlfahren die Taschen aus den Fahrradkörben gestohlen. Die Täter gehen unterschiedlich vor, wie Klaus Gründler von der Polizeiinspektion Gröbenzell berichtet. Manche sitzen selbst auf dem Radl und greifen zu, während sie ihr Opfer überholen oder passieren. „Andere positionieren sich gezielt an Stellen, wo viele Radler vorbeikommen. In Gröbenzell tun sie das vor allem vor der S-Bahn-Unterführung von Kirch- in Bahnhofstraße“, erklärt Gründler. Radler würden sich beim Einfahren in die Unterführung besonders auf die Fahrbahn konzentrieren und es deshalb oft gar nicht bemerken, wenn ihnen jemand die Tasche aus dem Korb auf dem Gepäckträger klaut, so Gründler.

Die Polizei hat bereits Täter erwischt, die nach der einen und der anderen Masche vorgegangen sind. Jedoch: „Es ergibt sich kein bestimmtes Profil“, sagt Ruch. Viele seien Osteuropäer, weiß Herbert Kanz von der Inspektion Olching. Aber auch Einheimische greifen zu. Kürzlich konnte die Polizei eine 75-jährige Germeringerin überführen, die mehrere Kunden eines Drogeriemarktes bestohlen hatte. Ein anderes Mal erwischten sie eine junge Mutter aus Germering, die für sich und ihr Kind zur Diebin geworden war. Ähnliches berichtet auch Gründler. Die Gröbenzeller Polizei stellte einen Mann, der mindestens zwei Radler beklaut hatte. „Er kommt aus Eichenau, ist obdachlos und drogenabhängig. Wir gehen davon aus, dass er das Geld für Stoff gebraucht hat.“

Fünf Tipps gegen Langfinger:

Immer mehr sogenannte einfachen Diebstähle, bei denen ein Täter kein Hindernis (zum Beispiel ein Schloss) überwinden muss, passieren im Landkreis. 42 Prozent werden aufgeklärt. Dabei stellt sich oft heraus: Die Bestohlenen waren leichtsinnig. Die Leuten müssten sich endlich darauf einstellen und entsprechend verhalten, sagen die Experten.

1. Tragen Sie nur soviel Bargeld bei sich, wie Sie brauchen. Im Falle eines Diebstahls ist der Verlust dann nicht so groß.

2. Führen Sie keinesfalls Ihre Pin-Nummer im Geldbeutel mit.

3. Lassen Sie ihre Geldbörse im Supermarkt nie im Einkaufskorb oder im Wagen liegen. Tragen Sie ihr Portemonnaie stattdessen am Körper – am besten in einer Tasche mit Reißverschluss.

4. Nie die Handtasche offen herumtragen, sondern alle Verschlüsse zu machen.

5. Wer auf einen Fahrradkorb nicht verzichten kann, sollte seine Geldbörse am Körper führen und die Tasche im Korb festbinden.

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