Mit einer Fotodrohne können Konrad Obermeier und Heidi Schmid Rehkitze in einer Wiese aufspüren, um sie vor dem Mäher zu retten. 	Fotos: ad
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Mit einer Fotodrohne können Konrad Obermeier und Heidi Schmid Rehkitze in einer Wiese aufspüren, um sie vor dem Mäher zu retten.

Fürstenfeldbruck

So hilft Hightech, die Natur zu bewahren

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Im Frühjahr liegen zahlreiche Rehkitze in den Wiesen der Landwirte. Damit die Tiere nicht Opfer eines Mähwerks werden, nutzen Bauern und Jäger gemeinsam vermehrt moderne Technik: Mit Drohne und Wärmebildkamera gehen sie auf Kitz-Suche. Wie das funktioniert, wird auf einem neuen Lehrpfad erklärt.

Fürstenfeldbruck - Mit der Fernsteuerung lenkt Konrad Ostermeier seine Drohne über die etwa 1,5 Hektar große Wiese knapp hinter Fürstenfeldbruck in Richtung Gelbenholzen. Weil die Fläche von Bäumen gesäumt ist, muss er oft vorsichtig auf Sicht navigieren. Darum behält seine Kollegin Heidi Schmid das Bild im Auge, das die Wärmebildkamera an der Drohne übermittelt.

Ostermeier und Heidi Schmid suchen die Wiese nach Rehkitzen ab, die von ihren Müttern im hohen Gras vor Fressfeinden versteckt wurden. Ostermeier ist Jäger und hilft den Landwirten im Landkreis dabei, tragische Mähunfälle mit den jungen Wildtieren zu vermeiden. Nach etwa 20 Minuten kann er Entwarnung geben: keine Rehkitze im Gras. Die einzige Wärmequelle, die die Kamera zeigt, sind Ostermeier, Schmid und mehrere Vertreter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) der Jägerschaft.

Ostermeier hatte seine Drohne nämlich nicht losgeschickt, weil die Wiese an diesem Tag gemäht werden soll. Es war vielmehr eine Demonstration. Der Wildtierschutz ist eine von mehreren Stationen des neuen Biodiversitätslehrpfades des AELF. Dieser soll Menschen beim Spazierengehen auf den Beitrag der Landwirte zum Artenschutz aufmerksam machen. Das AELF stellt dazu knapp 20 Infotafeln entlang der Wege auf.

Lehrpfad Richtung Holzhausen

Der Lehrpfad führt von einem Parkplatz am Engelsberg über Gelbenholzen und Biburg weiter Richtung Holzhausen. Auf halber Strecke geht es über einen Feld- und Waldweg zurück zum Engelsberg. Entlang dieser Strecke informieren Infotafeln zu Themen wie Hecken und Blühstreifen, Streuobstwiesen, Bienen, Direktvermarktung und eben den Wildtierschutz.

Wegen Corona hat sich aber die Produktion der Infotafeln verzögert. Bislang sind erst eine gute Handvoll der Schilder montiert. 17 bis 18 sollen es am Ende werden, ehe der Pfad dann offiziell eingeweiht wird – voraussichtlich im Juni.

Während Spaziergänger die Infos zum Drohneneinsatz bei der Kitzsuche nur nachlesen können, können die Teilnehmer beim Ortstermin den Flug live beobachten. „Am besten fliegt man morgens ab 5 oder 6 Uhr“, sagt Ostermeier. Dann ist der Temperaturunterschied zwischen Kitz und umliegendem Boden am größten. Je mehr die Sonne die Wiese aufheizt, desto schwerer sind die Tiere zu finden.

Die Drohne ist für die Landwirte ein Werkzeug, das viel Zeit sparen kann. Ohne das Flugobjekt mit der Kamera müssten die Wiese mit Menschenketten abgegangen werden, um die Kitze zu finden. „Dabei übersieht man sie aber oft, weil sie sich flach auf den Boden ducken“, berichtet Haase. Der Reh-Nachwuchs hat in jungen Jahren nämlich noch keinen Fluchtreflex, sondern will sich nur verstecken.

Doch kaum ein Landwirt hat eine eigene Drohne. Denn die sind teuer – vor allem wegen der Wärmebildkamera. Je nach Auflösung kann ein mittlerer vierstelliger bis fünfstelliger Betrag dafür fällig werden. Darum sucht Jäger Konrad Ostermeier die Felder auf Nachfrage für die Landwirte ab. „Die Terminanfragen werden immer mehr“, sagt er.

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