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Fröhlichkeit verbreitete der Projektchor, der in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche Lieder aus dem Pop-Oratorium Luther zum Besten gab.

Lange Nacht der Kirchen

So viel Abwechslung kann Kirche bieten

Kirche und Menschen verbinden und die Sicht auf den Glauben entstauben – dazu lud die erste „Lange Nacht der Kirchen“ ein.  Auf der Kanzel gab es klare Ansagen zum Thema Kreuzerlass.

Germering– Pfarrer Michael Lorenz erklärt kurz und knapp, was hinter der „Langen Nacht der Kirchen“ steckt: „Jede Gemeinde trägt etwas für sie typisches nach außen.“ In seiner evangelischen Gemeinde der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche ist dies der Filmgottesdienst, in dem sich Bibeltexte und Passagen aus bekannten Filmen wie dem „Club der toten Dichter“ vermischen. Das Angebot gibt es zwar schon länger, doch an diesem Tag kann es in einem breiteren Rahmen präsentiert werden. Lorenz: „Das hilft, weil man Menschen anspricht, die in einen konservativen Gottesdienst eher nicht kommen.“

Die Jugend der Gemeinde lockt mit einem sündigen Casino: „Welcome to Las Vegas“ nennt sich das. „Kirche abstauben und Spaß haben“, so bezeichnet es Organisator Dominik Seeberger lieber. Die himmlische Spielhölle soll in erster Linie Jugendliche anziehen. Die „Lange Nacht der Kirchen“ lockt zwar viele davon an. Seeberger hätte sich aber trotz aller Zufriedenheit gewünscht, auch ein paar neue Gesichter zu entdecken.

Diese sind eher da zu finden, wo es ruhiger zugeht – in St. Cäcilia zum Beispiel, wo ebenfalls Jugendliche zum Singen von Taizé-Liedern einladen. Das spricht auch einen wie Sven Blabner an. Der 19-Jährige bezeichnet sich „als nicht ausgesprochen christlich“. Den Versuch der Germeringer Kirchen, auf neue Art für sich zu werben, findet er anerkennenswert. Und: „Dazu muss es nicht laut sein.“ Das ruhige Dahingleiten von Musik und Texten hätte ihm sehr gut getan.

Beinahe vollkommene Stille herrscht in St. Martin, wo man in der Kirche Raum für Ruhe finden kann. Im „Gedankenwald“ lassen sich Lebenswege überdenken. Und wer will, kann in einem Weihrauchkorn seine Gedanken in den Himmel steigen lassen. Selbst Flüstern wird hier auf einmal sehr deutlich wahrgenommen. Meist handelt es sich aber nur um wenige Worte oder um erklärende von Pfarrgemeinderat Werner Cröniger, der in der Sakristei Messgewänder und liturgische Geräte wie Monstranz, Kelche und Hostienschalen präsentiert.

Das ganze Gegenteil läuft in St. Jakob ab. Da sind Kontroversen gefragt – inhaltlich als durchaus laut zu bewerten. Das Motto „Abkanzeln“ ist bewusst provozierend gewählt. Während Selina Schlotthauer auf der Kanzel noch ihre tiefe Verbundenheit zum Glauben darlegt, äußern Manfred Welzel und Kirchenpflegerin Rike Bacher deutliche Kritik in Richtung Landesregierung. „Das Kreuz ist kein politisches Zeichen“, sagt Bacher. Für Wahlkampfzwecke dürfe es nicht missbraucht werden. Eine klare Ansage an Ministerpräsident Markus Söder und dessen Anordnung, in Eingangsbereichen von Behörden Kreuze anzubringen.

Benedikt Kuttenkeuler, einer der Ideengeber, ist begeistert: „Das zeigt die Bandbreite in dieser Nacht der Kirchen.“ Der katholische Stadtpfarrer Andreas Christian Jaster und Pastor Thomas Scheitacker von der freien evangelischen Gemeinde schließen sich dem positiven Resümee an. Es sei faszinierend, die Unterschiedlichkeit von Kirche so offen erleben zu können, da sind sie sich einig. Mitorganisator Christian Ganslmeier sprach von einem „erfüllenden Miteinander“. Für Kirchenvertreter und Organisatoren ist eine Wiederholung der „Langen Nacht der Kirchen“ wünschenswert. Wann dies sein könne, müsse aber erst entschieden werden. Hans Kürzl

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