Eine neue Welt: Die 101-jährige Charlotte Humburg
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Eine neue Welt: Die 101-jährige Charlotte Humburg

Gröbenzell/Eichenau

So wagen sich selbst 101-Jährige ins Internet

  • vonHans Kürzl
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  • Kathrin Böhmer
    Kathrin Böhmer
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Plötzlich ist alles digital: Seit Corona finden Veranstaltungen, bei denen man sich vorher persönlich traf, im Internet statt. Doch wie geht es eigentlich denen damit, für die die digitale Welt altersbedingt neu ist? Um wirklich niemanden abzuhängen, zum Beispiel bei der Erwachsenenbildung, gibt es Hilfe.

Gröbenzell/Eichenau – Um die Onlinekurse denen schmackhaft zu machen, die mit dem Computer nicht so firm sind, haben sich die Mitarbeiterinnen der Gröbenzeller Volkshochschule (VHS) etwas einfallen lassen: Sie stehen telefonisch mit Rat und Tat zur Seite. So werden Fragen zu Internet und Plattformen wie Zoom auf niedrigschwelligem Wege beantwortet.

Auch bei Älteren sind Online-Kurse gefragt

Der Bedarf ist da. „Allerdings in relativ geringem Umfang“, wie VHS-Sprecherin Julia Engelmann berichtet. Das Online-Programm werde immer stärker genutzt, je länger der Lockdown dauert. Auch über 80 Jährige melden sich an. Die Auswahl ist zwar geringer, online gibt es 105 Kurse, im ursprünglichen Programm waren 430. Engelmann weiß aber: „Der persönliche Austausch wird sehr vermisst.“ Zumindest im Internet können sich Kursteilnehmer nun wieder begegnen – wenn auch auf Distanz. Und die Dozenten sind nicht arbeitslos.

Engelmann vermutet, dass einige VHS-Teilnehmer nun davon profitieren, dass sie bereits früher, als Präsenzunterricht noch möglich war, an Kursen teilgenommen haben, die sie in die digitale Welt eingeführt haben. Zudem erhalte jeder Teilnehmer eines Onlinekurses eine Anleitung. Mittels eines Screen-Shots, also eines Bildschirmfotos, können die Kursteilnehmer so bei Videokonferenzen sehen, was sie wann und wo anklicken müssen. Die Dozenten stehen ihnen ebenfalls zur Seite. „Die Bedenken, dass man etwas kaputt macht oder andere aufhält, muss niemand haben.“ Engelmann hat auch die Erfahrung gemacht, dass Senioren sehr glücklich sind, wenn sie sich der Herausforderung stellen. „Manche sind sehr stolz, weil sie sich einfach getraut haben.“

Abgehängt wird nur ein kleiner Teil

Ähnliches hört man von den Volkshochschulen in den Nachbarkommunen, etwa auch der Olchinger. Wirklich abgehängt werde durch die digitale Technik höchstens ein kleiner Teil der über 60-Jährigen, sagt Puchheims neuer VHS-Leiter Achim Puhl. Er sei zwar erst seit kurzem in Puchheim, könne dies aber aus seiner langjährigen VHS-Erfahrung an anderen Orten sagen. „Man darf die Älteren nicht unterschätzen.“ Puhl betont allerdings auch: „Ausschließlich digital kann langfristig nicht der Weg sein. Dafür sind die realen sozialen Kontakte zu wichtig.“

In Eichenau hat sich das Modell der digitalen Paten bewährt. Bei Video-Konferenzen stehen den Senioren Begleiter zur Seite. So kam es, dass bei der virtuellen Adventsfeier sogar die 101-jährige Charlotte Humburg dabei war. 20 Senioren nahmen insgesamt teil.

Es lief alles wunderbar. „Die konnten am Schluss gar nicht genug ratschen“, berichtet Christine Hack, Leiterin der Senioren-Begegnungsstätte. Die Begeisterung ging sogar so weit, dass es gewissermaßen ein digitales Gedrängel gab, als Hack von Teilnehmern einen Screenshot anfertigte. „Fast alle wollten unbedingt mit drauf.“

Digitale Paten als Erfolgsmodell

Das macht Mut: „Wir denken schon daran, dass wir das das ganze Jahr über fortsetzen“, so Hack. Zumindest zu den verschiedenen Jahreszeiten oder den Feiertagen. „Es braucht immer einen eigenen Inhalt oder einen thematischen Aufhänger.“ Und es muss organisiert werden. So soll auch der eine oder andere prominente Gast dazu kommen. Im Dezember waren das Bürgermeister Peter Münster sowie die beiden Pfarrer Martin Bickl von der katholischen und Christoph Böhlau von der evangelischen Kirche.

Nur ein Problem gibt es: die Kosten. Einige Dutzend Corona-Tests müssten im Vorfeld eines solchen Online-Treffens gemacht werden. Zudem müssten FFP-2-Masken beschafft werden. Laut Hack mag das zwar keine große Summe sein. Doch: „Seit fast einem Jahr haben wir in der Senioren-Begegnungsstätte keine Einnahmen mehr.“

Immerhin kann sich Hack auf die Paten verlassen, auf Leute wie Fritz Schuster. Sie begleiten die Senioren am heimischen PC oder Laptop und leisten technische Unterstützung, wenn es doch mal ruckelt. Und ganz nebenbei hat es den Effekt, dass die Senioren nicht allein sind – natürlich unter allen möglichen Corona-Sicherheitsauflagen.

Die Abwechslung ist sehr willkommen

Das Gesellschaftliche in diesen einsamen Zeiten habe sicher dazu beigetragen, dass die Veranstaltung ein Erfolg geworden sei. „Die Dame, bei der ich war, war richtig glücklich über die Abwechslung“, erzählt Schuster. Sie werde beim nächsten Mal wieder mitmachen. „Und ich auch“, fügt der selbst 75-jährige Digital-Pate schnell hinzu. „So bleiben wir alle zusammen in Verbindung.“ (sus)

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