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Qualitätskontrolle: Andreas Hatzl überprüft die Kartoffeln in seiner Sortiermaschine am Hof in Esting.

Zu Besuch bei zwei Betrieben

Solidargemeinschaft „Unser Land“: Lebensmittel mit Gesicht

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Der Kreis Fürstenfeldbruck ist das Herz von „Unser Land“ – einer Gemeinschaft von Bauern, Bäckern und Metzgern, die ihre Produkte regional vermarkten. Am Sonntag öffnet das Netzwerk in Esting seine Pforten. Zu Besuch bei zwei Betrieben, die von Anfang an dabei waren.

Fürstenfeldbruck – In der Backstube von Werner Nau duftet es nach Kümmel und Koriander. Es ist 9 Uhr morgens, bald ist Feierabend. Seit 1 Uhr sind Nau und seine sieben Mitarbeiter auf den Beinen. Die roten Spritzer auf dem weißem T-Shirt des Bäcker- und Konditormeisters aus Grunertshofen (Kreis Fürstenfeldbruck) verraten, dass hier die Nacht über durchgeschuftet wurde. „Keine Angst, sind bloß Himbeeren“, sagt Nau und lacht. „Wir sind hier nicht beim Metzger.“ Dann streicht er den Eierlikörguss über die Kuchenbleche. Die Frischkäse-Himberschnitten stehen fertig hinter ihm.

Kuchen, Breze, Auszogne

Der Mann für Brot und Kuchen: Werner Nau steht seit über 20 Jahren beinahe täglich in der eigenen Backstube.

Seine Kuchen, Breze und Auszogne werden die Besucher am Tag der offenen Tür von „Unser Land“ am Sonntag in Esting probieren können. Denn dort stellen sich Erzeuger und Verarbeiter aus dem ganzen Landkreis vor. Werner Nau ist Gründungsmitglied der Solidargemeinschaft Brucker Land, die 1994 ins Leben gerufen wurde. Der Zusammenschluss kommt aus der kirchlichen Erwachsenenbildung und hatte sich damals zum Ziel gesetzt, mehr Verbindung zum Verbraucher herzustellen. Produkte aus der Region, für die Region – verbunden mit dem Gesicht der Erzeuger. Das Konzept, bei dem heimische Bauern, Bäcker oder Metzger Produkte nach vorgegebenen Richtlinien herstellen, hat sich bewährt. Mittlerweile gibt es ein Netzwerk mit elf Solidargemeinschaften vom Oberland bis nach Augsburg, die sich für die „Erhaltung der Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen in ihrer Region“ einsetzen – und ihre Produkte gemeinsam vermarkten. 120 Lebensmittel gibt es derzeit mit dem „Unser Land“-Siegel, vom Honig über Erbsen bis zum Streuobstsaft.

Landwirt Andreas Hatzl war von Anfang an beim Brucker Land dabei. Heute werden an seinem Hof täglich die Kartoffeln von 20 Bauern abgepackt. Nach vielen großen und kleinen Förderbändern, Sortierstellen und einer umweltfreundlichen Kartoffelwaschstraße landen die Knollen in den weißen Papiertüten, die mittlerweile in vielen Supermärkten zu finden sind und eines der gefragtesten „Unser Land“-Produkte sind.

„Früher ist das, was wir in der Region produziert haben, einfach anonym an die großen Unternehmen abgeflossen. Das wollten wir ändern“, sagt Hatzl. Dazu suchen die Mitglieder von „Unser Land“ immer wieder das Gespräch mit dem Verbraucher. Der will schließlich wissen, warum es gut für die Region ist, wenn er etwas mehr Geld für die „Unser Land“-Produkte ausgibt. Für solche Gespräche gibt es Veranstaltungen wie den Tag der offenen Tür am Sonntag, der auf Hatzls Hof stattfinden wird. Das wirkt.

Nicht jedes Produkt übersteht den Auswahlprozess

Für die Richtlinien ist der ehrenamtliche Fachbeirat des Dachverbands zuständig. Nicht jedes Produkt, das manches Mitglied gerne im Sortiment hätte, übersteht den Auswahlprozess. Beim Rapsöl etwa entschloss sich der Beirat gegen eine Einführung. Weil man gegen die optisch unschönen Schwebstoffe darin nur chemisch hätte vorgehen können. Keine Option. Also kein Rapsöl. Und bei einem Fischzüchter dauerte es zwei Jahre, bis sein Produkt akzeptiert wurde. Erst musste er noch den Fischmehl-Anteil in seinem Fischfutter um die Hälfte auf etwa 30 Prozent reduzieren, um den Fachbeirat zu überzeugen. Jetzt bekommen die Fische mehr pflanzliches Eiweiß – und der Züchter ein „Unser Land“-Siegel.

Auch Bäcker Nau muss seine Rezepte offenlegen und dokumentieren, dass er beispielsweise keine Backmischungen und vorrangig Zutaten aus der Region verwendet. „Seit wir alles selber machen, haben wir permanent Umsatzzuwächse“, sagt er. Das bestätigt ihn in seiner Meinung: „Der Kunde will keine Fertigbrezn.“

Der Tag der offenen Tür

findet am Sonntag ab 10 Uhr an der Schloßstraße 169 in Esting statt. Dabei stellen sich verschiedene Erzeuger von „Unser Land“ vor und es gibt natürlich einiges zu probieren. Auch ein ausgiebiges Kinderprogramm ist geboten. Weitere Informationen unter www.unserland.info.

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