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„Wie muss ich den Arm nochmal halten?“ Tanzlehrerin Marianne Schuster (67) weiß auf jede Frage in punkto Tanzen einen Rat. Mit viel Geduld macht sie sämtliche Jahrgänge der Landwirtschaftsschule in Puch fit für den großen Ball.

Ball der Landwirtschaft

Sie sorgt für Ordnung in den Tanzreihen

Fürstenfeldbruck - Tanzlehrerin Marianne Schuster (67) ist noch nicht ganz zufrieden mit ihren Schülern. Hier und da sieht sie noch falsche Schritte. Aber am Freitag beim Ball der Landwirtschaft muss die Française sitzen. Dann darf keiner aus der Reihe tanzen.

Marianne Schusters größte Tugend? Geduld. Geduld und Einfühlungsvermögen. Seit Jahrzehnten bringt sie den angehenden Hauswirtschafterinnen und Landwirten der Schule in Puch die Schrittfolge der sogenannten Münchner Française bei. Denn genau mit diesem Tanz eröffnen die Schüler jährlich den großen Ball der Landwirtschaft – unter den Augen hunderter neugieriger Zuschauer. Da darf natürlich nichts schiefgehen.

Eine Grundhaltung der Française (v.l.): Carolin Wörle, Matthias Sieber, Sophia Holaschke und Armin Bolz zeigen, wie’s geht.

Deshalb hält Marianne Schuster ihre zwölf Tanzpaare in den wöchentlichen Proben ganz schön auf Trab. Da werden Schritte nochmal vorgeführt und Einweisungen wiederholt – so lange, bis alles sitzt. „Marianne macht das richtig gut, denn sie ist geduldig und kann alles super erklären“, lobt Organisatorin Irmi Wörle. Und Marianne Schuster selbst ist begeistert von ihren Schülern. „Heuer sind alle enorm gut, sie haben wirklich Taktgefühl“, sagt sie und lacht.

Das brauchen die jungen Tänzer auch. Denn jede der drei sogenannten Touren (frei übersetzt: Durchgänge) der Française hat so ihre Eigenheiten. Vor jedem Tanzschritt stehen die Komplimente, sprich die gegenseitige Begrüßung der Tanzpartner. Der Herr macht den Diener, die Dame ihren Knicks. Dann bewegen sich die Schüler im Takt, sie gehen vor und zurück, tauschen ihren Platz oder überkreuzen die Beine. Es ist gar nicht so leicht, synchron zu bleiben, um ein harmonisches Bild abzugeben.

Bei denjenigen, die zum ersten Mal mitmachen, muss die Tanzlehrerin natürlich etwas öfter eingreifen. Glück hat da, wer sich einen erfahrenen Tanzpartner angelt, wie etwa Matthias Greif aus Baierberg bei Mering. Er hat sich Monika Krapf geschnappt, die schon zum dritten Mal die Française auf dem Landwirtschaftsball aufführt. „Du darfst die Schrittfolgen nicht durcheinanderbringen und musst immer wissen, welcher Fuß zuerst dran ist und wo du hinschauen musst“, verrät sie ihm. Ein Ratschlag, der Kursleiterin Marianne Schuster natürlich nicht entgeht. „Genau“, bestätigt sie. „Denn ein Fehler kann die ganze Gruppe durcheinanderbringen.“ Und das wäre für Schuster und die aufgeregten Tänzer wohl das Schlimmste, was passieren könnte. Deshalb rät die erfahrene Lehrerin: „Du musst schauen, dass du nach einem falschen Schritt schnell wieder in die Spur kommst. Die Musik läuft schließlich weiter.“

Auch Matthias Sieber (22) hat mit Carolin Wörle (19) eine erfahrene Tänzerin an der Seite. Sie meint: „Er stellt sich schon recht gut an und ich bin zuversichtlich, dass er beim Ball nicht aus der Reihe tanzt.“ Doch das kann leicht passieren, etwa bei den Drehern, der Damen- oder Herrenkette oder beim Platzwechsel. Vor allem die zweite Tour macht den Schülern noch zu schaffen. Und Marianne Schuster sieht auf den ersten Blick, warum: „Wenn man nicht richtig steht und mitzählt, dann funktioniert des Ganze nicht.“

Wenn es schnell gehen muss, greift Schuster schon mal ein. Dann dreht sie den ein oder anderen ganz ruhig in die richtige Position. Und wie durch Zauberhand ist plötzlich die gesamte Gruppe wieder synchron. Immer wieder beantwortet sie auch die verzweifelten Zwischenrufe so manchen Nachzöglers, der fragt: „Muss ich jetzt hinten oder vorne rumgehen?“ Oder: „Steht meine Partnerin nun links oder rechts?“ Das bringt Marianne Schuster nicht aus der Ruhe.

Denn sie hat ein klares Ziel vor Augen: Dass ihre Schützlinge am Freitag beim großen Ball ein gutes Bild abgeben und ihren Spaß haben. Auch wenn sie weiß: Vor dem Auftritt sind die jungen Frauen und Männer immer ganz schön nervös. Wenn dann aber nach der Française Walzer getanzt wird und die Herren ihren Partnerinnen Biedermeiersträußchen überreichen, nimmt die Aufregung langsam ab. Und natürlich weiß Marianne Schuster auch, wie es danach weitergeht: „Dann sind immer alle ganz froh, wenn das Publikum recht schnell mittanzt. Dann atmen alle auf.“ (akk)

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