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Sparwelle im Altenheim: Senioren sind sauer

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Senivita muss sparen. Daher sind in den Altenheimen in Emmering, Gernlinden und Maisach Küchen- und Reinigungskräfte entlassen worden. Bewohner und Mitarbeiter klagen nun über unzumutbare Verhältnisse.

Emmering/Gernlinden/Maisach – Bewohner und Mitarbeiter der Senivita-Altenheime in Emmering, Gernlinden und Maisach erheben Vorwürfe gegen den Betreiber. Sie klagen über unzumutbare Verhältnisse in den Einrichtungen. Demnach habe sich die Qualität des Essens verschlechtert. Zudem fehle Reinigungs- und Küchenpersonal. Auch im Pflegebereich soll es Probleme geben.

Senivita ist eine Unternehmensgruppe mit Sitz in Bayreuth. Bei der Tochter SeniVita Social Care (SSC), die für den Pflege-Sektor zuständig ist, läuft es unrund. In Bayern gibt es 14 Standorte, drei davon im Landkreis Fürstenfeldbruck. Wie Senivita kürzlich mitgeteilt hat, werden im Rahmen eines Sanierungskonzeptes rund 160 Arbeitsplätze ausgegliedert. Betroffen sind Mitarbeiter der „defizitär arbeitenden Sparte Hauswirtschaft“. Dadurch erhofft man sich Einsparungen von mehr als 2,5 Millionen Euro. Vor dem Hintergrund des Umbaus des deutschen Pflegesystems wolle man den „Kernbereich Pflege stärken und uns gleichzeitig aus den Tätigkeitsbereichen zurückziehen, die andere kostengünstiger darstellen können“, wird Senivita-Gründer Horst Wiesent zitiert.

Betroffen sind auch die drei Heime im Landkreis. Hier wurden Ende April 16 Mitarbeiter entlassen, davon ein Haustechniker, elf Reinigungskräfte und vier Küchenmitarbeiter. Ein Unternehmenssprecher sagt, sie alle hätten das Angebot bekommen, zum neuen externen Betreiber zu wechseln. Mindestens drei ehemalige Mitarbeiter würden sich zur Pflegekraft weiterbilden wollen. Die Firma Dorfner beliefert die Altenheime nun mit Essen und ist zuständig für die Reinigung.

Der Mitarbeiter berichtet von Missständen

Josef Fürst, der eigentlich anders heißt, arbeitet hauptsächlich im Emmeringer Altenheim, manchmal auch in Gernlinden. Er fürchtet um seinen Job und möchte deshalb nicht mit richtigem Namen in der Zeitung stehen. Er berichtet von Missständen. „Das Essen ist unter aller Kanone. Selbst wenn man mich dafür bezahlen würde, würde ich das nicht essen.“ Auch die Bewohner würden sich über das Essen beschweren. In Emmering hätte es einmal „mit Wasser gestreckten Griebsbrei“ gegeben. Auch in Gernlinden gibt es Probleme. Am 1. Mai lieferte das Maisacher Bräustüberl Schweinebraten für alle Bewohner. Fürst findet es ungerecht, wie mit den Senioren umgegangen wird. „Alte Menschen verbringen hier ihre restliche Zeit und zahlen einen Haufen Geld dafür.“

Der Senivita-Sprecher räumt ein, dass es Anfang Mai Probleme mit dem Essen gegeben habe. Der Grund: Die Küchenmitarbeiter in Gernlinden hatten bisher das Essen für alle drei Einrichtungen gekocht. Als sie die Kündigung erhielten, hätten sie sich am nächsten Tag krank gemeldet. Plötzlich sei die Küchenmannschaft komplett ausgefallen. „Es musste schnell eine Lösung gefunden werden. Man musste improvisieren.“ Die Kritik am Griesbrei nennt der Sprecher „absolut berechtigt“. Inzwischen habe sich die Zusammenarbeit mit dem neuen Caterer eingespielt. „Wir haben auch schon Lob von den Bewohnern für das Essen erhalten.“

Laut Josef Fürst müssten Betreuer derzeit im Service aushelfen, also etwa Essen ausgeben. Daher hätten sie vormittags kaum noch Zeit, um sich mit den Bewohnern beschäftigen. „Wir wollen unseren Senioren das restliche Leben angenehm gestalten, aber es wird uns nicht einfach gemacht.“ Diesen Vorwurf möchte der Senivita-Sprecher nicht gelten lassen. In Emmering und Maisach sei es ganz normal, dass die Mitarbeiter der Tagespflege auch Essen ausgeben. In Gernlinden hätten das bisher zwar die Mitarbeiter der zentralen Küche übernommen. Aber das sei eine Sondersituation gewesen.

Senivita hat eigentlich einen guten Ruf. Das Unternehmen steht für das innovative Konzept Altenpflege 5.0. Laut Senivita handelt es sich bei dem Modell um eine Kombination aus drei Bausteinen, die ineinandergreifen: Seniorengerechtes Wohnen, Pflege in der eigenen Wohnung und Tagespflege unter einem Dach. Bei der Eröffnung des Senivita-Hauses St. Magdalena in Maisach sagte Bürgermeister Hans Seidl, es sei richtig und wichtig gewesen, die Ansiedlung von Senivita „politisch gut zu begleiten“.

Auf der Senivita-Homepage wird für Gernlinden geworben mit „großzügigen Aufenthaltsbereichen im ersten und zweiten Obergeschoß mit Gemeinschaftsbalkons“ und dem „lichtdurchfluteten Veranstaltungssaal im Erdgeschoß“. Auch hier gibt es angeblich Probleme im Pflegebereich. Wie es heißt, soll ein Senivita-Vertreter mehrmals bei der Nachbarschaftshilfe angerufen haben. Er soll gefragt haben, ob die Nachbarschaftshilfe (NBH) den pflegerischen Abenddienst übernehmen könne. Das lehnte die NBH ab. Der Senivita-Sprecher weist den Vorwurf zurück. „In jeder Einrichtung sind nachts immer drei Leute vor Ort.“

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