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Die Kornweihe wird bis zu 50 Zentimeter groß und hat eine Flügelspannweite von 120 Zentimeter.

Vogelfans beobachten

Spektakuläre Flugshow überm Ampermoos

Kottgeisering - Alle wollen die Kottgeiseringer Kornweihen sehen. Kein Wunder, denn die Vögel bieten halsbrecherischen Flugmanöver.

Die Kornweihen scheinen ihren Spaß zu haben. Während sich die rund 20 Exkursionsteilnehmer mit Mütze, Kapuze und aufgestelltem Kragen dem Sturm entgegenlehnen und hoffen, dass sie nicht mitsamt dem Vogelturm davongeblasen werden, nutzen die Greifvögel die Böen, um fast ohne Flügelschlag über dem Ampermoos Achterbahn zu fahren.

Perfekte Böen: Die Vögel drehen ihre Runden über dem Ampermoos.

Was die Vögel, die etwa ein halbes Kilo wiegen und dabei ihre Flügel rund einen Meter weit aufspannen können, zu diesen eleganten, phasenweise halsbrecherischen Flugmanövern veranlasst, kann sich der LBV-Vogelexperte Korbinian Weidemann auch nicht vollständig erklären. Für einen Balzflug ist es die falsche Jahreszeit, Beute-Sturzflüge sind nur selten, weil es im Moos kaum Mäuse gibt. Und die kleine Rangelei mit vereinzelten Elstern dient auch weniger dazu, das Revier abzustecken. „Vermutlich nähern sich die Weihen damit Stück für Stück ihrem Schlafplatz an“, meint der Kottgeiseringer.

Wegen der großen Nachfrage führt Weidemann, der vor seinem Tiermedizin-Studium ein freiwilliges ökologisches Jahr an der Vogelschutzwarte in Garmisch-Partenkirchen gemacht hatte, zum vierten Mal innerhalb von zwei Wochen eine Gruppe Vogelliebhaber. Und die haben Glück: 44 dieser habichtartigen Greifvögel zeigen sich gleichzeitig kurz vor dem Schlafengehen noch einmal am stürmischen Himmel über den streifig gemähten Schneidriedbeständen im Ampermoos.

Wie auf Kommando lassen sie sich dann alle im Umkreis von zweihundert Metern in der Dämmerung ins hohe Schilf nieder – und hoffen, dass nicht ein gefräßiger Fuchs, Marder oder auch ein Wildschwein ihre Nachtruhe stört. Deswegen wäre es eigentlich schlauer, die Nacht auf dem Baum und nicht direkt am Boden zu verbringen. Noch andere Rätsel gibt Circus cyaneus auf, wie der Vogel wegen seiner weißen bis stahlblauen, fast schon möwenartigen Farbe (Männchen) wissenschaftlich heißt: Wo verbringt er den Tag? Hier können Weidemann und seine LBV-Kollegen nur Mutmaßungen anstellen.

„Vermutlich im Umkreis von rund 30 Kilometern, aber sicher nur dort, wo auch die Mäusepopulation hoch genug ist“, erklärt Korbinian Weidemann. Ein Telemetrie-Projekt, bei dem eine Kornweihe mit einem „Rucksack-Sender“ versehen wird, würde die Neugier der Ornithologen befriedigen. Während Kornweihen sich im Frühjahr wieder nach Skandinavien und Russland aufmachen, brüten die nahverwandten Wiesen- und Rohrweihen in unseren Breiten.

In der bayerischen Roten Liste sind die Kornweihen gemäß letzter Erhebung als „vom Aussterben bedroht“ geführt. In den einschlägigen Ornithologie-Foren hat sich der Kornweihenbeobachtungsturm in Kottgeisering mit seiner einem Vogelkopf nachempfundenen Aussichtskanzel, längst herumgesprochen. Deswegen kommen auch Vogelfreunde aus München: „Man sieht gut und steht geschützt, noch dazu passt der Turm sehr gut in die Landschaft“, meint Astrid Niederfahrenhorst. Ganz so weit ist Herbert Rappenglitz aus Gernlinden nicht gefahren – aber ob der vielen Kornweihen vor seinem Fernglas schwer beeindruckt: „Ich bin sonst viel im Fußbergmoos unterwegs, aber da gibt’s keine Kornweihen“, meint der Gernlindener, der zum ersten mal auf dem Turm ist und sonst immer nur vorbeigefahren ist.

Aber es gibt natürlich nicht nur die Kornweihen als regelmäßigen Wintergast. Raubwürger und Silberreiher, letzterer war früher vor allem bei der Damenhutmode ein gefragter Lieferant für Federn, lassen sich zwischen Elstern und Graureihern mit geeignetem Fernglas auch gelegentlich erspähen. Und wer weiß, vielleicht ist den Kornweihen die Vielfliegerei irgendwann zu blöd und sie verbringen auch die Sommermonate vor dem sagenhaften Alpenpanorama. (mjk)

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