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An das Fitnessrad kann man mit dem Rollstuhl heranrollen: Uwe Ziegner ist einer der Heimbewohner, die das Gerät sehr gerne nutzen.

Kette der helfenden Hände

So können sich Rollstuhlfahrer fit halten

Fürstenfeldbruck – Miteinander etwas teilen, auch wenn man selber nicht viel hat – das ist Alltag in der Wohngruppe für jüngere Menschen im Pflegehaus Von-Lepel-Gnitz. Die Bewohner würden gerne ein zweites Fitness-Fahrrad anschaffen, das jeder nutzen kann. Doch 2500 Euro sind eine Menge Geld und wegen der Pflegekosten können die meisten kaum etwas zurücklegen.

Bisher gibt es nur ein Fitness-Fahrrad im Haus, das bei den Pflegebedürftigen sehr gut ankommt. Dementsprechend oft ist es besetzt. Dass das Gerät sehr begehrt ist, weiß auch Uwe Ziegner (55): „Da ist schon immer viel los.“ Der 55-jährige Computerfachmann lebt nach zwei Schlaganfällen im Heim, seine rechte Körperseite ist gelähmt. Gerne würde der Rollstuhlfahrer häufiger auf dem Rad trainieren und seine Muskeln stärken.

Er kann einfach seinen Rollstuhl hinter den Lenker des Fitnessrades fahren, denn das Gerät hat keinen eigenen Sattel. Uwe Ziegner positioniert seine Füße fachkundig auf den Pedalen und tritt los. Manchmal zeigt er anderen Interessierten, wie sie eine größere Steigung oder einen niedrigeren Gang einstellen können.

Aber oft ist das Rad schon besetzt, wenn er loslegen will. So geht es vielen Mitbewohnern. Ein zweites Fitness-Fahrrad wäre daher absolut wünschenswert. Im Teilen sind die Mitglieder der Wohngruppe geübt, sie profitieren von der Gemeinschaft: Jeder hat sein Fachgebiet und beherrscht etwas, womit er den anderen helfen kann. Uwe Ziegner beispielsweise ist am Computer der Chef: Wenn seine Freunde ein Problem mit der Technik haben, weiß der Fachmann stets Rat.

„Da lernt man immer was und bekommt einiges mit“, sagt Mitbewohnerin Petra Hennig begeistert. Die 46-Jährige sitzt am PC im Foyer des Pflegehauses und löst kniffelige Denkspiele. Da kann sie schon manchmal alles um sich herum vergessen. Wenn dann einmal der Computer streikt, ist es meist Uwe Ziegner, der alles wieder in Ordnung bringt. Auch Manfred Schmeide (55) sitzt öfters im Rollstuhl vor dem Bildschirm und bringt den Rechner wieder zum Laufen. „In unserer Wohngruppe packen alle mit an“, erzählt Petra Hennig. „Das gibt einem ein gutes Gefühl.“

Sie selbst ist Fachfrau, wenn es um Makeup und Mode geht. Die gelernte Friseurin ist ein Fan des Modetaxis, das alle sechs Monate im Pflegehaus Station macht. Dann werden Kleidung und Schuhe in allen Größen präsentiert und die Bewohner können sich neu ausstatten. „Da wird man gut bedient. Es gibt alles, was das Damenherz begehrt“, sagt Petra Hennig.

Doch für die Bewohner des Pflegehauses ist ein großer Einkauf kaum möglich. Wer in der Gruppe lebt, hat oft eine schwere Krankheit oder einen Unfall hinter sich und braucht intensive Pflege, die Angehörige und ambulante Dienste nicht leisten können.

Viele müssen sich einschränken. Denn wer keine 40 Jahre in die Kranken- und Rentenversicherung eingezahlt hat, bekommt bei Arbeitsunfähigkeit auch weniger ausgezahlt. Daher bleiben kleine Wünsche oft unerfüllt, eine hübsche Bluse oder ein neues Duschgel wird zum langgehegten Traum. Auch deshalb hofft die Gruppe auf Unterstützung durch die Hilfsaktion „Kette der helfenden Hände.“ (Maria-Mercedes Hering)

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