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Mit seiner 60.000 Euro teuren Kamera sucht Infrarot-Thermofotograf Herbert Petsch kritische Stellen an Gebäuden auf, an denen Wärme entweicht.

Ein Rundgang mit dem Infrarot-Thermofotografen

Er spürt die verlorene Wärme auf

Kottgeisering - Aus einem Haus sollte möglichst wenig Wärme entweichen. Doch sie tut es trotzdem. Wo das passiert, findet Herbert Petsch mit seiner Wärmebildkamera heraus.

Die meisten Überraschungen gibt es im Dachgeschoß. Da, wo der Kniestock ansetzt oder das Dach auf der Außenmauer liegt, macht Herbert Petsch oft die buntesten Bilder. Einige davon zeigte der zertifizierte Infrarot-Thermofotograf nun bei einem Rundgang durch Kottgeisering. Mitgehen konnte jeder, der wollte. Dazu eingeladen hatte der Arbeitskreis Energie.

Die Rahmenbedingungen waren nicht so optimal, wie mancher vermutet hätte: Zwar war es mit minus fünf Grad zapfig kalt, und die geforderte Temperaturdifferenz zwischen innen und außen von mindestens 15 Grad locker erreicht, aber tagsüber hatte für ein paar Stunden die Sonne geschienen. Das machte sich vor allem in südwestlich orientierten Ecken und Winkeln eines Hauses bemerkbar, weil die Restwärme noch nicht abgeflossen war. Nicht optimal war auch der wolkenfreie Himmel, der gerade auf den Hausdächern enorm abstrahlt und zu völlig verzerrten Messungen führt.

„Die besten Wärmebilder entstehen um fünf Uhr früh nach kalten Winternächten, wenn der Himmel für mindestens zwei Tage bedeckt war“, erklärte Herbert Petsch den Teilnehmern des Rundgangs. Der Seefelder, der auch Energieberatungen durchführt, war also viel unterwegs in den letzten Tagen. Wobei er dann die Auswertung immer lieber im warmen Büro macht.

Bei den Thermografie-Bildern gilt generell: Je bunter, desto schlechter, zumindest was die Dämmung oder auch nur die Wärmeverluste bei einem ansonsten perfekt gedämmten Haus angeht. Rötliche Flecken auf dem kleinen Monitor seiner 60.000 Euro teuren Kamera zeigen dem Bauherrn, wo es reinzieht oder anders gesagt gewärmte Luft verloren geht. Dunkle, flächige Farben ohne Flecken sind dagegen beruhigend, wobei es natürlich auf die jeweilige Farbskalierung ankommt.

Über 70.000 Messpunkte können mit einer guten Kamera erfasst und mit der jeweils gemessenen Temperatur hinterlegt werden. Und die Kamera reagiert sehr sensibel. Wenn Petsch nur kurz die flache Hand auf die Fassade legt, ist der Abdruck noch lange danach als heller Fleck sichtbar.

Alfred Wagner wollte überprüft haben, wie erfolgreich die kürzlich abgeschlossene energetische Sanierung seines Wohnhauses war – und zeigte sich zufrieden. „Keine Schwachstellen mehr, denn die Farbveränderung unter dem Dachvorsprung rührt von der gestauten Restwärme der Sonneneinstrahlung am Nachmittag“, freute sich Wagner. Einzig auf dem etwas heraussstehenden Kellersockel sind noch grüne Farben zu sehen, was aber nicht tragisch sei, weil der ja eh nicht beheizt werde.

Gut sichtbar ist auch die unterschiedliche Qualität der Fenster, die Wagner nicht alle austauschen ließ. „Genauere Aussagen zu den Fenstern sind schwierig, weil die vor der Messung ziemlich aufwändig abgeklebt werden müssten“, erklärte Pertsch. Er könne nur diagnostizieren, ob es sich um alte, mittelalte oder neue Fenster aus Metall oder Holz handelt. Und natürlich, ob sie der Maurer ordentlich eingebaut hat.

Ein eindrucksvolles Bild bekam Oskar Ostermeir geliefert. Erwartungsgemäß war der Unterschied seines deutlich jüngeren Gebäudeteiles zu dem alten seines Vaters erheblich. Sogar das Fugenbild der verputzen Ziegelfassade war durch die unterschiedliche Wärmeleitung des Mörtels sichtbar.

Zunehmend mehr beschäftigt den Thermografen aber die Überprüfung von Bauleistungen und die Schadensfeststellung, weshalb er auch oft Aufnahmen im Inneren des Hauses macht. Weil feuchte Stellen gut sichtbar sind, könne mit der Wärmebildkamera auch festgestellt werden, wo zum Beispiel die Fußbodenheizung oder Wasserleitungen ein Leck haben. Oder sich Kondenswasser in den Abdichtungen bildet. Oder ob alle Module einer Wandheizung oder einer Photovoltaikanlage funktionieren. Nicht immer liege es am Hausbauer, oft mache auch der Nutzer Fehler, zum Beispiel durch falsches Lüften, sagt Petsch. Deswegen sei eine Energieberatung mindestens so wichtig wie die Untersuchung mit der Wärmebildkamera.

von Max-Joseph Kronenbitter

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