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Der ehemalige Physiklehrer Heinz Reinhard (r.) ist Chef der Sternwarte von St. Ottilien.

Mondfinsternis

Blick von Kloster-Sternwarte zeigt, wie man in den Himmel kommt

In St. Ottiliens Sternwarte lässt sich der Nachthimmel gut beobachten. So kamen an die 100 Besucher ins Klosterdorf, um sich dort die Mondfinsternis anzuschauen.

Dichte Wolken über dem östlichen Horizont ließen anfangs nichts Gutes ahnen. Die bange Frage war, ob sich der Erdtrabant noch über das Wolkenband erheben wird, bevor er dann pünktlich zur Mondfinsternis in den Kernschatten der Erde eintaucht. Die Leute, die sich an der Sternwarte im Klosterdorf von St. Ottilien eingefunden hatten, hatten Glück.

Rund 100 Schaulustige wollten das Spektakel mit fachkundiger Moderation erleben und suchten die vor vier Jahren eröffnete Sternwarte in St. Ottilien auf. Heinz Reinhard, ehemaliger Physiklehrer am Rhabanus-Maurus-Gymnasium (RMG), hatte mit einem Team von jungen Leuten neben den beiden großen Teleskopen im Inneren der Sternwarte noch vier weitere Spiegelteleskope im Umfeld aufgebaut. Davor bildete sich jeweils eine Schlange, weil die Besucher fasziniert die Mondgebirge in ihrer wechselnden Beleuchtung und Farben beobachteten.

Martin Hecht kam als Chauffeur seines Sohnes und RMG-Schülers Leo. „Der Himmel hier ist viel dunkler als daheim in Landsberg“, so der Elternbeirat, der nicht zum ersten Mal an der Sternwarte war. Die Beobachtung sei hier viel besser möglich. Auch Bastian Aigner, Vorsitzender des kürzlich gegründeten Vereins der Sternwarte St. Ottilien, freute sich über das große Interesse an der Mondfinsternis.

„Das normale Wetter ist gut, das astronomische eher nicht so. Denn durch die warme und feuchte Luft gibt es Schlieren und die Wolken wabern so“, erklärt der RMG-Absolvent. Zusammen mit seinem Spezl Sebastian Brummer kommt er trotz studentischer Verpflichtungen gelegentlich zurück zur Sternwarte. Wobei es ihnen diesmal eher darum ging, den Trubel mitzuerleben, den die vielen Schaulustigen verursachten. Und natürlich, um Heinz Reinhard bei der Beantwortung der vielen Fragen zu unterstützen.

Gar nicht schlimm ist, dass die beiden Hobby-Astronomen nicht jeden Stern kennen: Kurz das Handy gezückt und in den Himmel gehalten – schon war auf dem Display der Name zu lesen. „Eine App macht’s möglich. Die erkennt sogar ein Schrottteil einer Rakete“, so Sebastian Brummer. „Wir konzentrieren uns auf die Astrofotografie und probieren mit teuren Kameras viel aus“, so die beiden Freunde. Das kann auch Bruder Josef Götz, der Cellerar („Finanzminister“) des Klosters bestätigen. „Kürzlich haben wir 1000 Aufnahmen vom Jupiter innerhalb von fünf Stunden gemacht“, so der Lehrer, der schon mal Heinz Reinhard seine Informatikstunde zur Verfügung stellt, um den Schülern die Welt der Astronomie erklären zu lassen.

Bruder Götz sorgte maßgeblich für den Beschluss des Benediktinerkonvents, eine Sternwarte zu bauen. „Sie ist wertvoller als ein Physikexperiment im Klassenzimmer“, meint der studierte Physiker. Theologie und Astrophysik seien längst keine Widersprüche mehr. „Die Physik beschreibt, wie Sterne und Himmel funktionieren und die Theologie beschreibt, wie man in den Himmel kommt“, lacht der Benediktiner-Mönch.

In klaren Nächten finden an der Sternwarte St. Ottilien regelmäßig öffentliche Beobachtungen statt. Nähere Informationen im Internet unter www.sternwarte-ottilien.de.

Für alle Freunde des Astronomie steht im August übrigens ein wichtiges Ereignis bevor. Die Perseiden 2018 bringen viele Sternschnuppen, wenn um den 12. des Monats das Maximum des Meteorstroms erreicht wird.

von Max-Joseph Kronenbitter

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