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Revierleiter Alexander Beer, Konrad Sigl und Hans Ruttar pflanzen neue Bäume im Rothschwaiger Forst

Waldumbau der Staatsforsten

Aufforsten mal anders

Wildbirnen, Esskastanien und Elsbeeren im Staatsforst? Die lukullisch klingenden, botanischen Schmankerl sind zwar nicht die Zukunft der Forstwirtschaft – aber dennoch eine Bereicherung des Artenspektrums in unseren Wäldern.

SchöngeisingMitten im Rothschwaiger Forst nördlich von Schöngeising sieht man sie schon von weitem: Weiße, rund ein Meter hohe Kunststoffhülsen stehen, an einem Pfahl befestigt, streng ausgerichtet im lichten Kiefernwald. Um das zu erspähen, was sich in der Kunststoffhülse befindet, muss man allerdings schon genauer hinschauen. Gerade mal 30 Zentimeter groß ist der dreijährige Sämling der Elsbeere, botanisch Sorbus torminalis, trivial auch Sauerbirl genannt. Nach etwas mehr schauen die Esskastanien und die Holzbirn-Sämlinge aus, die sogar schon kleine Seitenäste gebildet haben.

„Die Artenzusammenstellung, zu der auch Spitzahornen gehören, war eine Idee von mir und hat auch meinem Chef gefallen“, berichtet Alexander Beer, Leiter des Forstreviers Schöngeising. Die Pflanzaktion ist Teil des Projekts Waldumbau, den die Staatsforsten seit einigen Jahren vorantreiben. Denn der Klimawandel mit höheren Durchschnittstemperaturen und längeren Trockenheitsperioden zwingt die Förster, nach Alternativen zu der ewigen Fichte zu suchen.

„In diesem Jahr liegt der Fokus auf diesen vier Arten, in den vergangenen Jahren haben wir vorwiegend Buche, Tanne und Douglasie gepflanzt“, erklärt Alexander Beer. Um das Spektrum noch weiter auszubauen liebäugelt der Förster auch noch mit der Baumhasel und dem Feldahorn. Auch der ist wegen seines kurzen Stammes eher kein Baum für einen großen Holzertrag.

150 Hektar Kiefern stehen in Beers Revier. Diese wurden nach dem Orkan-Jahr 1946 flächig angepflanzt, taugen aber wegen ihres oft krummen Wuchses meist nur zu Paletten- oder Brennholz. „Langfristig will ich 25 Prozent dieser Kiefernwälder mit neuen Baumarten umbauen“, berichtet der Revierleiter.

Und das funktioniert so: In einem Kiefernwald wird der Unterwuchs gefällt und die Kiefer deutlich ausgelichtet. Unter dem Schirm höherer Kiefern werden die jungen Bäume dann angepflanzt, sodass sie die ersten Jahre nicht voll in der Sonne stehen. Alle sieben Jahre werden weitere Kiefern entnommen, um den jungen Bäumen mehr Licht und Lebensraum zu geben. So lange, bis die in Gruppen gepflanzten Holzbirnen, Elsbeeren und Esskastanien alleine dastehen. Und in 80 Jahren lassen sich aus einem schönen Elsbeerenstamm – nach heutigen Maßstäben – hohe Preise erzielen.

Dass der pflanzende Förster das nicht mehr erlebt ist, ist typisches Merkmal der Forstwirtschaft: über den Holzertrag freut sich die übernächste Generation.

In diesen Tagen sind Beers Forstarbeiter Konrad Sigl aus Steinbach und Hans Ruttar aus Aichach mit dem Pflanzen beschäftigt. 500 Wildbirnen, 400 Spitzahorne, 50 Esskastanien, (eher bekannt als Maroni) und 72 Elsbeeren müssen, kaum von der staatsforsteigenen Baumschule geliefert, zügig in den Boden. „Das wichtigste ist, dass nach der Pflanzung keine Hohlräume im Loch bleiben“, erklärt Hans Ruttar, der am liebsten mit der Rhodener-Pflanzhaue arbeitet. Wenn der Boden schlecht und voller Steine ist, wird das Pflanzloch mit dem Erdbohrer vorbereitet. Anders als im Privatwald ist es angesichts dieser großen Stückzahlen nicht möglich, jedes Bäumerl auch noch zu gießen.

Fallen größere Bestände aus, muss in der nächsten Pflanzperiode im Herbst oder Frühjahr nachgepflanzt werden. Gleiches gilt, wenn die eigentlich in den südlicheren Ländern beheimateten Arten wie die Maroni der Spätfrost erwischt.

Gero Brehm, Abteilungsleiter Forst am Brucker Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, hat mit einem Azubi die Elsbeer-Setzlinge mit Topfballen eigenhändig gepflanzt. „Die Saatgutgewinnung und Anzucht der Sämlinge ist extrem mühsam“, sagt Brehm. Rund fünf Euro koste deswegen eine Pflanze, „wir bekommen längst nicht so viele, wie wir gerne hätten“, ergänzt er. Neben der Funktion einer Bienenwiese geht es also in erster Linie um die Erhaltung der Elsbeere, die 2011 der Baum des Jahres war.

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