Stadt lässt Bedarf an Wohnraum von Beratungsgesellschaft analysieren

Puchheim - Im Ziel, der Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum, sind sich alle einig, über die Wege dorthin gibt es unterschiedliche Ansichten.

Nur mit knapper Mehrheit vergab der Stadtrat jetzt einen Untersuchungsauftrag an eine private Beratungsgesellschaft, die zunächst klären soll, welche Puchheimer überhaupt welche Art von günstiger Wohnung suchen. Vertreter von CSU, ubp und Freien Wählern hielten diese Bedarfsanalyse für verzichtbar.

Die Vertreter des Nürnberger Unternehmens gehen davon aus, dass beispielsweise Studenten andere Ansprüche an ihre künftigen vier Wände haben als etwa Rentner oder junge Familien mit geringem Haushaltseinkommen. Diese jeweiligen Bedürfnisse sollen dann mit einer Angebotsanalyse verglichen werden: Was steht aktuell (oder stünde möglicherweise künftig) in Puchheim überhaupt an erschwinglichem Wohnraum zur Verfügung?

Mehrere Redner zweifelten am Sinn solcher Untersuchungen. Jeder Befragte werde natürlich preisgünstige Angebote verlangen und nicht teuer wohnen wollen, meinte Michaela Schwarzmann (FW). „Wo wollen Sie den Bedarf feststellen?“ fragte auch Reinhold Koch (ubp). Außer den in der „Brücke“ untergebrachten Obdachlosen habe ja jeder Puchheimer zunächst mal ein Zuhause.

Erich Pürkner (CSU) warnte davor, den „zweiten Schritt vor dem ersten“ zu gehen. Eine derart umfangreiche Beratung mache nur Sinn, wenn die Stadt tatsächlich irgendwann in großen Rahmen selber als Vermieter auftreten könne. 65 Wohnungen in der Planie zu kaufen, wie noch letztes Jahr diskutiert, sei aber „absolute Hybris“.

Die Berater sollen - zu einem Gesamtpreis von 42 000 Euro - außerdem Handlungsstrategien aufzeigen, wie die Stadt mit einer dann festgestellten Wohnungsnot umgehen könnte. Nur günstigen Wohnraum zu kaufen oder zu bauen reiche nämlich nicht, meinten die beiden Unternehmensvertreter in der Stadtratssitzung. Denn dann stellten sich irgendwann Fragen nach der Wirtschaftlichkeit des Immobilienbesitzes und der juristischen „Betreiberverantwortung“ als Vermieter angesichts zahlreicher gesetzlicher Vorgaben.

Welche Organisationsform für solche Risiken am besten geeignet wäre - Genossenschaft, Kommunalunternehmen, Wohnungsbau- und/oder Immobiliengesellschaft - oder auch, ob verschiedene Modelle gleichzeitig geeignet wären, würde in einem weiteren Beratungsschritt untersucht, der vom Stadtrat aber (noch) nicht in Auftrag gegeben wurde.

Dann würden auch Themen vertieft, die in der Sitzung schon mal kurz gestreift wurden. Auf welche Weise lässt sich am ehesten das vermutlich notwendige Fremdkapital gewinnen? Oder könnten nicht gleich sämtliche städtische Liegenschaften unter einem Dach verwaltet werden? Der Auftrag an die Beratungsgesellschaft wurde schließlich mit 16 zu 14 Stimmen beschlossen. (op)

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