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Ein Negativ-Beispiel: Der ganze Boden ist mit Steinen bedeckt, es wächst kaum etwas.

Alles zugepflastert

Steingärten versetzen Experten in Sorge

Viele Stadtbewohner können aus Platzgründen keinen Garten haben. Auf dem Land ist das anders. Doch gerade hier gibt es den Trend, Gärten mit Steinen zuzupflastern. Der Kreisverband für Gartenbau schlägt Alarm.

Landkreis – Während die Städter mit dem Stichwort Garten meist Blumen, Bäume, Bienen und Blüten assoziieren, verbinden viele andere mit einem Garten eher Arbeit, Dreck und Ungeziefer. Die Lösung? Ein Kies- oder Schottergarten muss her.

Steingärten gehören durchaus zur heimischen Kultur.

Im Technokraten-Jargon heißt der zeitgeistige „Belag“ auch Mineralmulch, egal ob in der Kiesvariante (runde, gesiebte Steine) oder in der Schottervariante (gebrochene Steine). Als Vorteil gilt vielen die scheinbar leichte Herstellung: Der Boden wird planiert, ein Vlies wird ausgebreitet und darauf kommt der Schotter. Gleichzeitig setzen sich auch immer mehr mit Schotter gefüllte Drahtkörbe (Steingabionen) als robuste Gartenmauern durch. Nicht verwechseln darf man dies mit den klassischen Stein- oder Kiesgärten. Diese stehen nämlich für standortgerechte Staudenvielfalt in einem trockenen Kiesbeet.

Für die Natur am besten sind Blühwiesen.

Dieser neue Gartentrend mit hohem Nachahmungsfaktor erfüllt den Brucker Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Fürstenfeldbruck mit großer Sorge. „Schreitet die zuletzt rapide Steigerung dieses Gartenstils weiter in dieser Dynamik fort, mag man sich die künftigen Ortsbilder entlang der Straßen nicht ohne Grausen vorstellen“, so der Verbandsvorsitzende Andreas Knoll. Denn etwas Entscheidendes fehlt in den allermeisten dieser Gärten: Pflanzen – und zwar keine künstlichen und auch keine Thuja-Soldaten. „Ich hab in solchen Flächen auch schon Plastik-Buchskugeln gesehen“, berichtet Verbandsgeschäftsführer Horst Stegmann wenig amüsiert. Für ihn ist die Pflegeleichtigkeit der Hauptgrund für den Trend. Dabei gilt dieser vermeintliche Vorteil nur für die ersten Jahre. Denn bald werden die Kiesflächen hässlich grau-schwarz und setzen Moos an. Und auch Unkraut und Sämlinge laufen früher oder später doch auf und werden mit Agrochemie totgespritzt.

Freilich gibt es laut Stegmann, der im Landratsamt auf Nachfrage Gartenbesitzer berät, auch schöne Kiesgärten. Diese waren aber aus der Not mangelnder Niederschläge geboren. „Hier beginnt das große Missverständnis: In unserem Klima kommen standortgerechte Gehölze, Stauden und Rasenflächen mit den natürlichen Niederschlägen aus“, so Stegmann. „Eine witterungsbedingte Notwendigkeit für Kiesgärten gibt es in unserer Gegend mit über 850 Millimeter Niederschlag also nicht.“ Und noch ein Argument gegen die Steinwüsten führen die Verbandsgärtner an: Die Flächen heizen sich im Sommer enorm auf und führen zu einer deutlichen Verkümmerung der Artenvielfalt. „Eigentlich finden nur Eidechsen einen Kiesgarten toll“, so Stegmann. Der Kreisverband appelliert daher an alle Hausbesitzer, im eigenen Interesse bei der traditionellen und bewährten Gartenkultur zu bleiben.

Terminhinweis

Am Donnerstag, 9. November, bietet der Kreisfachberater Horst Stegmann unter der Überschrift „Kiesgärten – wenn schon, dann richtig“ eine Präsentation zum Thema an. Anmeldung über die Volkshochschule Fürstenfeldbruck.

von Max-Joseph Kronenbitter

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