Stricktreff: Filigrane Spitze, Wolle und flinke Nadeln

Puchheim - Sie treffen sich zum gemeinsamen Stricken und vernetzen sich im Internet. Am Samstag fand in den Räumen der Nachbarschaftshilfe Puchheim der erste große Stricktreff statt.

„Wir sind Woll-holiker“, sagt Marion Zanker und schmunzelt. So beschreibt sie sich und die anderen Strickwütigen, die an diesem Tag gekommen sind. Ab zehn Uhr vormittags bis spät in den Abend hinein wird gemeinsam gestrickt, Muster und Ratschläge oder auch Wolle ausgetauscht und natürlich geratscht. Dabei verstehen sich die Wollbegeisterten untereinander auf eine ganz bestimmte Art und Weise. Der Laie stutzt dann schon einmal wenn von „Schweinchenwolle“ (Wolle aus synthetischen Fasern) oder „schwangeren Regenwürmern“ (Missglückte Spinnversuche) die Rede ist.

Das Spinnen hat Zanker selbst vor fünf Jahren gelernt. „Das will ich machen“, dachte sie sich als sie es bei einer Freundin das erste Mal sah. Die Wolle im Rohzustand bekommt sie aus dem Internet oder von einem Schäfer. Ihr erstes Stück, das sie von der Schafswolle bis zum fertigen Produkt selbst verarbeitet hat, war eine Trachtenjacke. „Da ist man schon stolz“, sagt sie. Zwei Monate hat sie für den Janker gebraucht.

Ihre Freundin Karin Lehndorfer aus Allach dagegen mag es noch ausgefallener. Sie hat schon einmal Hundehaare zu einem Tuch verarbeitet. „Ich bin einfach in den Hundesalon reinspaziert und habe gefragt, ob sie mir ein wenig Unterwolle geben können“, sagt Lehndorfer. „Jetzt hängt öfters mal eine Tüte mit Fell bei mir an der Haustüre.“ Die sammelt sie schon fleißig. Das nächste Projekt, ein Pullover aus den Haaren der treuen Vierbeiner, steht schon an. Und einen Vorteil hat die spezielle Wolle: Sie ist sehr warm. Lehndorfer: „Damit könnte ich in die Arktis.“

Warm mag es auch der einzige Mann in der Runde. Michael Vorwerk trägt seine Wollsocken sogar im Sommer. Seit er sieben Jahre alt ist, strickt er. Beigebracht hat es ihm die Tante. „Ich wollte einen Schal für meinen Teddy, damit hat alles angefangen.“ Jetzt strickt er jeden Tag mindestens eine Stunde. Am liebsten macht er Tücher und Socken. Genau die fertigt auch Susanne Shahin besonders gerne. Aus der Restewolle unzähliger Paar Socken strickt sie gerade eine Decke. Die sieht aus, als hätte man lauter bunte Pyramiden aneinander genäht. Die „Pyramidendecke“, wie sie Shahin auch selbst nennt, ist ein Geschenk für ihre achtjährige Tochter Yamina. „Mein Mann ist Ägypter und da passt das doch“, sagt sie. Und einen Vorteil hat diese Technik: „Wenn meine Tochter wächst, kann ich einfach wieder eine neue Reihe Vierecke anstückeln.“ Ein etwas aufwendigeres Stück ist das Tuch, welches sie dabei hat. „Dafür habe ich drei Monate gebraucht“, erzählt sie. „Es ist sozusagen mein Meisterstück.“ Die Vorlage dafür hat Shahin aus dem Internet.

Auf der Seite mit amerikanischem Ursprung können sich Strickbegeisterte weltweit anmelden und austauschen. „Ich habe dort ein von mir entworfenes Muster eingestellt und 600 Leute aus der ganzen Welt haben es schon nachstrickt“, erzählt Petra Wiedemann. Sie selbst hat auch die Veranstaltung in Puchheim auf der Internetseite angekündigt. Dort konnten sich dann alle Interessierten anmelden. Die meisten kommen aus dem Münchner Umland. Und die Gäste sind begeistert. Wiedemann: „Dem nächsten Treffen steht nichts im Wege.“

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