Gute 200 Jahre alt ist diese Monstranz, die im Missionsmuseum zu sehen ist. Sie hat eine bewegte Geschichte, wie Pater Berthold Kirchlechner weiß.
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Gute 200 Jahre alt ist diese Monstranz, die im Missionsmuseum zu sehen ist. Sie hat eine bewegte Geschichte, wie Pater Berthold Kirchlechner weiß.

Schätze aus dem Heimatmuseum

200 Jahre alte Monstranz: Stummer Zeuge eines Aufstandes

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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St. Ottilien – Sie ist über 200 Jahre alt und kam über Ostafrika nach St. Ottilien. Die Monstranz, im Missionsmuseum von St. Ottilien prominent in einer eigenen Vitrine auf roten Untergrund platziert, erzählt eine Geschichte von Kolonialismus, Mission und Verständigung.

Monstranzen als kostbare Schaugeräte setzten sich mit der Etablierung des Fronleichnamsfestes im 13. Jahrhundert durch. Das Exemplar in St. Ottilien ist gute 200 Jahre alt. Der Fuß soll aus der Zeit des Klassizismus stammen, er wird zwischen 1775 und 1790 datiert. Etwas älter ist der Strahlenkranz mit muschelförmigen Ornamenten, Blatt- und Rankendekorationen, figürlichen Teilen und Glassteinen. Er soll zwischen 1760 und 1770 entstanden sein.

Eine Inschrift auf der Unterseite des Fußes verrät einiges über die Geschichte des Objekts, das im Zuge der Kolonisation ins damalige Deutsch-Ostafrika gelangt sein muss. 1905 fiel die Monstranz im Zuge des Maji-Maji-Aufstands – einer Erhebung der einheimischen Bevölkerung gegen die Kolonialmacht – in die Hände der Rebellen. 1908 fand man sie zerbrochen in der Wildnis nahe des Dorfes Nambuko.

Die benediktinischen Missionare schickten sie zurück in die Heimat nach St. Ottilien, wo sie von einem gewissen Kaspar Berchtold in Türkenfeld repariert wurde. Möglicherweise wurde bei dieser Renovierung der Fuß neu vergoldet und das Kreuz an der Spitze neu angebracht.

Danach kam die Monstranz wieder in die Benediktiner-Abtei Ndanda im heutigen Tansania. Über 100 Jahre später trat sie den Rückweg nach Bayern an. Die tansanische Gemeinschaft stellte sie dem Missionsmuseum 2014 als Dauerleihgabe zur Verfügung. ULRIKE OSMAN

Die Serie

In der Serie „Schätze aus dem Heimatmuseum“ stellt das Brucker Tagblatt in loser Folge besondere Ausstellungsstücke aus den Heimatmuseen in der Region vorgestellt – als Ersatz für Museumsbesuche, die wegen der Corona-Pandemie lange nicht möglich waren. Wir stellen auch Stücke vor, die in Depots lagern und schon länger nicht mehr zu sehen waren.

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