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Das erste Weihnachten zu viert: Najib und Sara Asaad feiern mit ihren Kindern Ayed (10) und der fast einjährigen Larissa in Germering Weihnachten. Ihre Familien sind weit entfernt in Syrien – und fehlen ihnen sehr.

Eine syrische Familie feiert in Bayern Weihnachten

Der noch unerfüllte Weihnachtswunsch

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Zuhause in Damaskus war Weihnachten für die Asaads einer der schönsten Tage im Jahr. Weil die ganze Familie zusammenkam. Seit sie in Deutschland leben, ist vieles anders. Zu Weihnachten gehören nun auch Glühwein und Adventskalender. Doch in manchen Dingen sind sich Bayern und Syrien erstaunlich ähnlich.

Germering – Larissa hat noch keine Ahnung, was Weihnachten eigentlich ist. Aber es gefällt ihr jetzt schon. Und wie. Allein wegen des herrlich bunten Christbaums im Wohnzimmer, den sie sich leider nur mit etwas Sicherheitsabstand anschauen darf. Manchmal gelingt es ihr, eines der vier schön verpackten Pakete darunter hervorzuziehen. Aber dann greift schnell ihr großer Bruder Ayed ein. Der Zehnjährige kennt die Regeln – und passt auf, dass sie eingehalten werden. Geschenke werden erst an Weihnachten ausgepackt. Das ist überall auf der Welt gleich.

Die ersten sieben Weihnachten seines Lebens hat Ayed an einem weit entfernten Ort verbracht – in seiner Heimatstadt Damaskus. Und wie jedes Kind hat er Weihnachten geliebt. Die ganze Familie kam zusammen, alle saßen an einer langen Tafel, es gab gutes Essen, für die Kinder Geschenke. Es ist viel gelacht worden, die Kinder durften länger wachbleiben als sonst. Seine Freunde und seine Großeltern fehlen ihm manchmal ganz gewaltig, seit er Syrien verlassen hat.

Ayeds Familie lebt seit über zwei Jahren in Germering (Kreis Fürstenfeldbruck). Najib Asaad ist 2014 allein nach Deutschland geflüchtet, seine Familie wollte er später nachholen. „Die Situation in Damaskus wurde damals immer gefährlicher“, erzählt der 37-Jährige. Er landete im Dezember vor drei Jahren in der Erstaufnahmeeinrichtung im Fürstenfeldbrucker Fliegerhorst. Das war damals eines der traurigsten Weihnachten seines Lebens. Er war allein, konnte kein Wort Deutsch, seine Familie war rund 3500 Kilometer entfernt und in Gefahr. Damals hatte Najib Asaad nur einen einzigen Weihnachtswunsch – und der ging im Sommer 2015 in Erfüllung. Als er Asyl bekam, durfte er seine Frau Sara (34) und seinen Sohn Ayed nachholen. Sie machten Deutschkurse, meldeten Ayed in der Schule an, fanden nach langer Suche endlich eine kleine Wohnung und konnten aus der Flüchtlingsunterkunft ausziehen. Auch eine Arbeit als Projektingenieur hat der 37-Jährige inzwischen gefunden. Weihnachten ist wieder etwas Schönes für die Asaads. Besonders dieses Jahr – es ist ihr erstes Weihnachten zu viert.

Die kleine Larissa hat es geschafft, sich vom Tisch eines von Mamas selbst gebackenen Plätzchen zu greifen. Mamas Plätzchen gehören für sie zu den besten Dingen im Leben. Ayed hat hier in Bayern etwas ganz anderes lieben gelernt: Adventskalender. „So etwas gibt es nicht in Syrien“, sagt er. Dort gibt es auch keine Weihnachtsmärkte und keinen Advent. „Die Christen in Syrien feiern Weihnachten erst am 25. Dezember“, erklärt Najib Asaad. Dafür dann aber bis Silvester – das zweite große Familienfest.

Inzwischen mag er die Weihnachtsmärkte in Bayern. Aber er erinnert sich noch gut daran, wie er das erste Mal eine Tasse Glühwein in die Hand gedrückt bekam. Wein, der so heiß ist wie Tee – „daran musste ich mich erst mal gewöhnen“, sagt er und lächelt. Und auch einige andere Unterschiede hat er bemerkt. „In Syrien haben wir alle Plastik-Bäume. Außerdem schenken sich die Erwachsenen nichts“, erzählt er. Und die Geschenke für die Kinder bringt nicht das Christkind, sondern Santa Claus. Bei den wesentlichen Dingen, bei dem was Weihnachten eigentlich ausmacht, sind sich Bayern und Syrien allerdings sehr ähnlich, findet er. „Es geht um Familie und um das Zusammensein.“

Die Asaads werden am Sonntagnachmittag nach München in die Kirche fahren. Dort gibt es einen arabischen Gottesdienst. „Danach sitzen alle Gottesdienstbesucher noch zusammen, jeder bringt Plätzchen oder Tee mit.“ In der kleinen Dachgeschosswohnung in Germering wird es abends dann voll werden. Saras Bruder kommt aus Stuttgart, auch Freunde haben die Asaads eingeladen. Trotzdem wird die Tafel nicht so groß sein wie in ihrer Heimat früher. „Wir werden mit unseren Eltern über Skype telefonieren“, sagt Najib Asaad. Sie alle werden sich wünschen, dass sie sich irgendwann gesund wiedersehen. Das ist sein Weihnachtswunsch. Schon seit drei Jahren.

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