Die Suppe droht überzulaufen

Telekom legt Warnsystem des Klärwerks lahm

Egenhofen - Im schlimmsten Fall läuft die ganze Suppe über – und das wäre übel: Die Telekom hat bei einer technischen Umstellung das automatische Störungs-Warnsystem der Kläranlage in Poigern lahmgelegt. Die Verantwortlichen sind stinksauer – und versuchen mit allen Mitteln, die drohende Katastrophe zu verhindern.

„Die ahnen gar nicht, was sie uns antun“, sagt Lutz Rosenbaum. Er warnt eindringlich davor, dass eine oder mehrere Pumpen unbemerkt ausfallen könnten. Dann würde der ganze Brei überlaufen. „Die reagieren wohl erst, wenn der erste tote Fisch im Bach treibt“, schimpft der ehrenamtliche Vorsitzende des Abwasserzweckverbands Schweinbach-Glonngruppe weiter. Sie betreibt die für 13 Orte mit rund 1500 Einzel-Anschlüssen zuständige Kläranlage in Egenhofen-Poigern – und sie hat wirklich ein Problem.

Umstellung auf IP-Telefonie

Denn seit die Telekom das Telefon zwangsweise auf die neue Technik „Voice over IP“ umstellen wollte, funktioniert das über die Telefonleitung laufende Vorwarn-System der teils tief im Erdboden liegenden Pumpen nicht mehr – sollte eine ausfallen, ohne dass der Klärwärter reagieren kann, würde der Fäkalbrei austreten. „Dabei haben wir der Telekom lange vor der Umstellung gesagt, wie wichtig das Warnsystem ist“, sagt Lutz Rosenbaum. „Es besteht die Gefahr eines Umweltschadens in unüberschaubaren Ausmaßen.“

Wie aber reagiert nun die Schweinbachgruppe? Mit riesigem Personalaufwand. Der Klärwärter muss die acht Pumpen regelmäßig anfahren und im Augenschein überprüfen. Drei bis vier Mal am Tag ist das notwendig – gerade wenn es regnet. Eine der Pumpstationen liegt in fünf Metern Tiefe im Waldboden. Da muss der Klärwärter jedesmal reinkriechen, um zu prüfen, ob sich beispielsweise nicht eine in der Toilette entsorgte Strumpfhose – das kommt wirklich vor – in der Anlage verheddert hat.

Bei der Abmeldung fehlt die Neu-Anmeldung

Soweit bekannt, ist der Auslöser für das Problem noch nicht mal technischer, sondern eher organisatorischer Art. Denn nach der Kündigung des alten Telefon-Anschlusses der Schweinbachgruppe muss schlicht vergessen worden sein, ihn neu anzumelden. Bis das geschehen ist, müssen Fristen eingehalten werden – drei lange Wochen. Dabei habe er im Vorfeld mehrfach mit der Telekom gesprochen und sogar darum gebeten, dass man im Notfall einfach den Schalter hin zum alten Anschluss umlegen kann – vergeblich. „Von Seiten der Telekom wurde versichert, dass am Tag der Umstellung ein Servicemitarbeiter vor Ort sein wird, um eine reibungslose Umstellung zu garantieren“, erzählt Rosenbaum. Ein Mitarbeiter sei wirklich da gewesen. Das Problem mit der Anmeldung habe dieser aber auch nicht lösen können. Immerhin: Als nach dem Umstellungsversuch erstmal die ganze Kläranlage ausfiel, konnte der Mitarbeiter wenigstens das bereinigen.

Böse Erinnerungen an das Jahr 2003

Bei der Schweinbachgruppe ist man doppelt alarmiert – man will nicht wieder einen Crash wie im Jahr 2003 erleben, als nach einem technischen Defekt tausende Liter Klärschlamm aus einem Becken austraten. Trotzdem bleibt den Verantwortlichen nichts, als die Zeit bis nächste Woche zu überbrücken. Für den 10. Februar ist eine Lösung versprochen. Lutz Rosenbaum: „Da kann man nur hoffen, dass bei der Umstellung von Kernkraftwerken und dergleichen ein besseres Krisenmanagement von Seiten der Telekom geleistet wird.“ Die Telekom gab am Freitag keine Stellungnahme ab. (st)

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