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Vor Teufel und Engel muss sich Bürgermeister Magg verantworten für das, was er getan, oder vielmehr nicht getan hat. 

Olchinger Starkbierfest

Teufel sucht Olchings Bürgermeister heim

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Ein Bürgermeister, der sein Rathaus nicht im Griff hat, ein Haufen ungelöster Probleme und ein Messias in Form eines Ronald Tramp, der Präsident von Olching werden will: Beim Starkbierfest wurde ein eher düsteres Bild der Amperstadt gezeichnet, das nachdenklich gemacht hat, aber auch unterhaltsam war.

Olching– Ob Bürgermeister Andreas Magg wirklich Albträume in letzter Zeit gehabt hat? Baustellen gibt es ja schließlich einige in Olching – wie die verstopfte Hauptstraße, den Alten Friedhof, den Mangel an Kindergartenplätzen und die Entwicklung des Graßlfinger Mooses. Zumindest im Singspiel der Kolpingfamilie bereiten die Probleme dem Rathauschef (gespielt von Michael Schwimmbeck) eine unruhige Nacht.

Erstmals wagte sich die Kolpingfamilie an dieses Genre heran. Und es gab noch eine weitere Premiere: Die Olching-Hymne, die am Ende immer gesungen wird, wurde um eine vierte Strophe ergänzt, die aber durchaus Beklemmung auslöst.

Das Singspiel beginnt im Bürgerbüro. Die Mitarbeiter frönen dem Müßiggang, Bürgerfreundlichkeit und Service-Gedanke sind ihnen fremd. Auch von ihrem Chef, dem Bürgermeister, lassen sie sich nichts sagen. Er versucht vergeblich, das Protokoll der letzten Hauptausschuss-Sitzung Korrekturlesen zu lassen. Doch statt hart durchzugreifen, gibt er kleinlaut nach. Hauptsache seine Mitarbeiter mögen ihn („Ich mag ja vielleicht der Bürgermeister sein, aber ich bin auch nur ein Bua, der will, dass man ihn mag.“)

Um de Rathauschef wach zu rütteln, erscheinen ihm plötzlich ein Engel (Ernst Schwimmbeck) und ein Teufel (Pia Jaki). Vor allem Jaki überzeugt als sexy Mephisto, der dem Bürgermeister seine mangelnde Führungskompetenz immer wieder um die Ohren haut. Ähnlich wie in Dickens Weihnachtsgeschichte nehmen die beiden den Rathauschef mit auf eine Reise durch Gegenwart und Zukunft.

Erste Station: Das Bürgerbüro

Erste Station: das Bürgerbüro. Die Mitarbeiter vertreiben sich die Zeit und freuen sich, wenn Vize-Bürgermeister Robert Meier vorbeikommt – denn dann gibt’s Brotzeit. Meier versucht sich zwar durchzusetzen, gibt aber rasch auf und lässt sich Weißwürscht und Bier schmecken. Respekt haben die Mitarbeiter nur vor „dem Zachmann“ und dem „Bauer Thomas, Doktor“ („der Wadlbeißer von Olching“).

Als „Maggi“ das sieht, beschließt er zu handeln: Er richtet ein Service-Center ein. An den Telefonen sitzen die beiden Ratschkattln, wie immer grandios gespielt von Ingrid Klammeth und Petra Huber. Doch anstatt den Bürgern zu helfen, machen sich die beiden „Call-Girls“ einen Spaß daraus, diese in der Warteschleife hängen zu lassen. Nebenbei zerreißen sie sich das Maul über die Reparatur der Olchinger Kirchturmuhr genauso wie über den Brucker OB-Wahlkampf.

Zweite Station: Berater sollen‘s richten

Zweite Station: das Büro einer Unternehmensberatung. Nachdem man intern versagt hat, holt man sich eben Hilfe von außen. Die beiden Experten von der Besserwisser Siebengescheit und Co. KG (gespielt von Charly Frey und Hans Decker, die vortrefflich die österreichische und schweizerische Mundart nachahmen) präsentieren die Lösung: Sie wollen die Olchinger kategorisieren: in Platin-, Gold-, Bronze- und Blechbüchsenbürger. Je nach Status erwarten einen unterschiedliche Leistungen wie eine Schnellspur in der Hauptstraße, ein lebenslanges Liegerecht in einem extra Friedhofsabschnitt oder eine Bestattung im Olchinger See.

Die Berater kümmern sich auch um die Gruppen in der Stadt, die es noch zu integrieren gilt: die Bewohner des Schwaigfelds (die Wirtschaftsflüchtlinge, die Olching als Alterswohnsitz auserkoren haben) und die Mösler, die zwar bauen, aber kein Reservat werden wollen.

Dritte Station: eine düstere Zukunft mit Ronald Tramp

Und weiter geht’s zur dritten und letzten Station: in die Zukunft – eine höchst beunruhigende. Denn in dieser kommt Ronald Tramp, der Cousin des US-Präsidenten nach Olching, um der nächste Präsident von Olching zu werden und die Stadt „greater again“ zu machen („Olching first, not second.“).

Der Auftritt von Peter Rogalski – in bester Trump-Manier mit blonder Perücke, einer roten Krawatte, die über dem Gürtel hängt und in einer Mischung aus Englisch und Deutsch – ist einer der Höhepunkte des Starkbierfestes und wird mit viel Applaus quittiert.

Ganz wie sein Cousin will Ronald Tramp eine Mauer zwischen Gröbenzell und Olching bauen, nur noch Autos, die in Olching produziert wurden, in der Stadt fahren lassen, und einen Tramp-Tower in die Paulusgrube bauen. Zudem feuert er etliche Stadträte, Bürgermeister und Bauamtsleiter. Denn alle sind Looser.

Doch so weit wird es in Olching nicht kommen. Die Macher des Starkbierfestes lösen diese erschreckende Utopie natürlich auf. Es stellt sich heraus, dass „Maggi“ alles nur geträumt hat. Schweißgebadet wacht er auf und verspricht, sich zu bessern.

Doch so positiv entlässt die Kolpingfamilie das Publikum nicht. Im Schluss-Liederblock spricht sie eine Warnung an die Politiker aus: „Ihr habt verpennt, die Wähler fliehen. In jedem Traum liegt auch viel Wahrheit. Wohin das führt, hat Ronald Tramp uns heut einmal gezeigt. Ganz schnell macht sich ein Volldepp in der Politik zu breit...“

In Olching ist es aber (Gott sei dank) noch nicht so weit, wie die neue vierte Strophe der Olching-Hymne zeigt. Denn in der Amperstadt zählen Meinungsfreiheit, Toleranz und das Grundgesetz – zumindest noch.

Die Bilder vom Starkbierfest 

Bilder vom Starkbierfest 

Video  von der Olching-Hymne 

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