Trainingsbahn für Traber gestrichen

Maisach - Nach Einwendungen der Regierung von Oberbayern muss Maisach den Fursty-Bebauungsplan ändern. Die Trainingsbahn für Traber wird gestrichen - und es gibt weitere Änderungen.

Abgesehen von den noch drohenden juristischen Auseinandersetzungen mit den Zivilfliegern ist das Maisacher Nachfolgekonzept für den Flugplatz auch aus Naturschutz-Sicht eine Gratwanderung. Im Gemeinderat berichtete jetzt der beauftragte Landschaftsplaner Hans-Michael Schober von erheblichen Bedenken der Regierung von Oberbayern als Oberster Naturschutzbehörde gegen den letzten Bebauungsplan-Entwurf für das ehemalige Fursty. Auch um die Eingriffe in das geschützte Flora-Fauna-Habitat (FFH) zu reduzieren, wurde das Konzept noch einmal überarbeitet: Jetzt wird auch eine Trainingsbahn für das dafür etwas verlängerte Traberstadion gestrichen. Außerdem gelten die Böschungen an dem Kurven-Kurs des BMW-Trainingszentrums, der bis zu drei Meter über Geländeniveau ansteigt, jetzt auch als Grünflächen.

Laut Schober ist das Maisacher Verfahren „bundesweit einzigartig“. Nicht weil ein Flugplatz umgewandelt wird, sondern weil dabei ein Naturschutzgebiet von europäischem Rang zerstört wird, und weil die Gemeinde dafür auf fremdem Grund, quasi exterritorial, Ausgleichsflächen plant. Juristen und Naturschützer der Regierung machten bei einer letzten Besprechung Ende April unmissverständlich klar, dass eine „Nachqualifizierung“ (Bürgermeister Hans Seidl) des Bebauungsplans unumgänglich sei. Die Juristen forderten detailliertere Begründungen dafür, warum das öffentliche Interesse an der Ansiedlung von BMW und Trabern so viel bedeutender sei als die Belange des Naturschutzes. Die Naturschützer der Regierung verweigerten ihre Zustimmung zu den geplanten FFH-Ausgleichsflächen um den Fliegerhorst herum und in anderen Teilen Maisachs. Selbst die Südumgehung auf der alten Startbahn, aus ökologischer Sicht noch am unproblematischsten, stieß auf Bedenken: Eigentlich müsste es für so eine Straße ein umfangreiches Planfeststellungsverfahren geben.

Lesen Sie dazu eine Glosse aus dem Fürstenfeldbrucker Tagblatt:

Angesichts der vielen Aktionen zum Thema 100 Jahre Flugfeld Puchheim wollen wir heute einen kleinen Blick in die Zukunft wagen: Wir begeben uns also in das Jahr 2110, in dem eine Gruppe künstlerischer Aktivisten entdeckt, dass es auch in Maisach mal ein Flugfeld gab. Und dass es just vor 100 Jahren sein Ende fand, mit Ausnahme natürlich der kleinen Startbahn für die Brandbeobachter.

Was die Puchheimer damals konnten, können wir jetzt erst recht, denken sich die Aktivisten und rufen die Aktion „100 Jahre fluglärmfreies Maisach“ ins Leben. Ein bunter Abend in der früheren Trabrennbahn, in der seit etwa 95 Jahren vor allem Heavy-Metal- Konzerte stattfinden, soll den Weg zur Flugfreiheit würdigen. Wer mitfeiern will, muss sich am Tor 6 aus historischen Gründen ein Knöllchen abholen und es gleich bezahlen. Die Zettelchen mit Bildern von Gerhard Landgraf und Norman Dombo sind die Eintrittbilletts zur Arena.

Hier wird das Landesentwicklungsprogramm aus dem Jahr 2009 in Reimform vorgetragen. Hunderte von Zuhörern klatschen rhythmisch mit. Dann betreten Schauspieler in Roben die Bühne. Sie geben den Juristen-Rapp. Eine Preisung der Weisung, eine Widmung der Entwidmung, keine Unflätigkeit wegen Untätigkeit und ein großes Prima auf die Bima singen sie, während Naturschützer mit verbundenen Augen in Ketten gelegt werden. Nach der Melodie des Gefangenenchors singen sie den großen Choral von der Ausgleichsfläche. Applaus brandet auf, die Zuschauer werfen mit Orchideen.

Andächtig wird die Menge erst, als zu Harfenklängen die politischen Schriften von Reinhold Bocklet verlesen werden. Einige schluchzen. Der Abend endet mit einem Feuerwerk. Am Firmament erscheint der Schriftzug BMW, was heißt: Das beste Maisach der Welt. Gemeinsam schicken die Feiernden noch einen Gruß nach Dachau-Gröbenried. Hier feiert man gerade 85 Jahre Startbahn für 5,7-Tonner. (st)

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