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Eine Viktoria-Krontaube . Die zwei bis zu drei Kilo schweren Vögel mit dem charakteristischen Kamm auf dem Kopf gehören zur größten Taubenart der Welt

Am 28. April ist es soweit

Trotz Sabotage: Vogelpark Olching öffnet wieder

Die größte Taube der Welt, Seeschwalben vom anderen Ende der Erde und ein fast 80-jähriger Kondor: Der Olchinger Vogelpark wartet heuer mit einigen Superlativen auf. In genau einer Woche öffnet das 22 000 Quadratmeter große Areal wieder seine Tore – trotz Sabotage und Überschwemmung.

Olching – Sie sind ein wenig träge und auch nicht gerade die schlauesten. Trotzdem – oder gerade deshalb – hat Sascha Kuchenbaur die Viktoria-Krontauben sofort ins Herz geschlossen. Die zwei bis zu drei Kilo schweren Vögel mit dem charakteristischen Kamm auf dem Kopf sind die wohl spektakulärsten Neuzugänge im Olchinger Vogelpark. Und Kurator Kuchenbaur ist richtig stolz auf seine neuesten Bewohner. „Die zwei sind einfach toll zum Anschauen“, sagt der Vogel-Experte.

Den Besuchern faszinierende Vögel vorführen ist das eine. Doch das Team hat sich auch der Arterhaltung verschrieben. Der Vogelpark ist Mitglied des EAZA, einem Verband, dem rund 300 Zoos, Aquarien sowie Zooverbände angehören. Gemeinsam werden so Zucht- und Auswilderungsprojekte vorangetrieben. So konnten bereits in Olching aufgewachsene Bali-Stare, Riesen-Seeadler oder Inka-Seeschwalben erfolgreich in die Freiheit entlassen werden.

Richtig Stolz sind Kuchenbaur und seine Kollegen auf ihre Blauohr-Honigfresser. Nur eine Woche nachdem das Pärchen an der Amper ankam, begann es mit dem Nestbau. Eigentlich ist die Art dafür bekannt, in Gefangenschaft bei der Vermehrung nicht recht in die Gänge zu kommen. Im Vogelpark stimmten die Bedingungen offenbar. „Manchmal braucht man eben auch Glück“, sagt Kuchenbaur.

Darauf verlassen will sich der Kurator aber nicht. Bevor eine neue Art an der Amper einzieht, bereitet sich das Team intensiv vor. Zoos besuchen, Gespräche mit Experten, Fachliteratur wälzen, Genehmigungen einholen: Nicht selten dauern die Vorbereitungen Jahre.

Bei aller Notwendigkeit für Schutz und Arterhalt treibt Sascha Kuchenbaur vor allem die Freude am Umgang mit den Vögeln an. Zum Beispiel mit Andenkondor Hannes. Der hat im Gegensatz zu den meisten anderen Tieren einen Namen bekommen. „Hannes ist ein Charakter-Tier“, sagt Kuchenbaur. Lange genug Zeit, seinen Charakter zu entwickeln, hatte Hannes. Das Tier mit den gigantischen Schwingen feiert heuer seinen 78. Geburtstag – und ist damit einer der ältesten Vögel weltweit. An Menschen hat sich Hannes übrigens längst gewöhnt und ist zahm. Doch der Greis hat so seine Macken. „Wenn er schlechte Laune hat, geht man lieber nicht zu ihm rein“, sagt Kuchenbaur.

600 Vögel sind im Vogelpark daheim

Neben Hannes residieren in den rund 30 Volieren insgesamt etwa 600 weitere Vögel aus 160 verschiedenen Arten. Ihnen optimale Lebensbedingungen zu schaffen, ist eine Herausforderung. Von den 170 Mitgliedern des Vogelpark-Vereins packen etwa 15 regelmäßig mit an. Dazu kommen noch ein paar Fütterungskräfte auf 450-Euro-Basis. Außerdem kommen immer wieder Helfer vom Resozialisierungs-Verein Sprint, der sich um straffällig gewordene Jugendliche kümmert, und Langzeitarbeitslose vom Verein Pack Ma’s aus Puchheim.

Und auch das Geld ist nicht selten knapp. Wer die Kosten für die Folgen der Überflutung (Kasten) trägt, ist noch unklar. Deshalb hofft Sascha Kuchenbaur auf Spenden. „Und natürlich auf viele Besucher.“ Vielleicht hebt das auch die Laune von Hannes, dem Andenkondor. 

Die Überflutung und ihre Folgen

Akkuschrauber, Bohrmaschinen, Eistruhen, Computer: alles kaputt. Die Überflutung des Vogelpark-Areals Anfang April hinterließ große Schäden. Unbekannte hatten eine Schleuse der Amper geöffnet. Der Schaden beläuft sich auf rund 20 000 Euro. 

Hildegard Gigl ist Mitarbeiterin der Gröbenzeller Shell-Tankstelle. Auch hier wird mit dem Tagblatt-Artikel an einer Box für den Vogelpark gesammelt

Die gute Nachricht: Allen Tieren geht es gut. Das war anfangs unklar. Viele Tiere seien im eiskalten Wasser getrieben, so dass die Vogelschützer um deren Gesundheit fürchteten. Der Park hätte eigentlich Ende März öffnen sollen. Wegen des langen und kalten Winters wurde dieser Termin auf 28. April verschoben. Eine glückliche Fügung: „So konnten wir die Tiere leichter und stressfreier einfangen“, sagt Kurator Sascha Kuchenbaur. Überwältigt ist der Vogelschützer von der Riesen-Welle der Hilfsbereitschaft. „Es ist unglaublich, wie die Leute hinter dem Vogelpark stehen“, sagte er dem Tagblatt.

 Viele bieten ihre Unterstützung an oder spenden Bares. Sogar an einer Tankstelle im Nachbarort Gröbenzell steht eine Spenden-Box. Die Olchinger Kolpingfamilie sammelt bei ihren Theaterstücken und die Arbeiterwohlfahrt übergab bereits 500 Euro, um nur zwei Beispiele zu nennen. Eine Belohnung von 5000 Euro für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des Täters oder der Täter führen, soll von der Stadt ausgelobt werden, wenn es nach der Olchinger SPD geht. Stadtratsmitglied Alfred Münch beantragte dies. Man dürfe nicht zulassen, dass einzelne eine derartige Gefahr darstellen. Immerhin seien auch Grundstücke der Stadt betroffen gewesen. Man müsse die Polizei bei der Aufklärung unterstützen. Derzeit werde zudem davon ausgegangen, dass sich der oder die Täter mit der Schleuse auskannten und Spezialwerkzeug benutzten. Münch: „Das hat die Qualität eines Anschlags und nicht eines Dumme-Jungen-Streichs. ( Von Tobias Gehre)

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