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Wasser marsch: Damit die Pferde etwas zum Trinken haben, füllt die Feuerwehr Eimer mit dem kühlen Nass.

Willibaldritt

So trotzen Ross und Reiter der Gluthitze

Jesenwang - Willibaldritt extrem: Bei Gluthitze zogen Reiter, und Gespanne zum 293. Mal durch Jesenwang, um an der St. Willibaldkapelle die Segnung zu empfangen und den in Europa einmaligen Durchritt durch die Kirche zu absolvieren. 

Statt ein paar Tropfen Weihwasser wäre so manchem eine kalte Dusche wahrscheinlich lieber gewesen. Entlang der Straßen, in denen die Teilnehmer sich formierten, wurde jede Schatteninsel ausgenutzt. Die Jesenwanger trugen das Ihre zur Abkühlung bei, Anwohner stellten Plastikwannen mit Wasser an die Straße. Die Feuerwehr hatte an einem Hydranten mit Hilfe eines Feuerwehrschlauchs Wassertröge für die Pferde gefüllt. Allerdings mochte manches Ross vor Aufregung nicht trinken, und die rote Fahne, die daneben im Wind flatterte, schreckte ebenfalls ab.

Unter einem Baum am Ende der Römertshofener Straße erholte sich ein Grüppchen Reiter vor dem Start, unter ihnen Kerstin Ringling aus Germering, die sich extra ein elegantes schwarzes Reitgewand für den Damensattel genäht hatte. „Ich glaube, wenn ich mir mit dem Kleid nicht so viel Arbeit gemacht hätte, wär’ ich daheim geblieben.“

Stallnachbarin Antonia Schulze musste derweil Mantel und Kappe ablegen und sich eine Weile in den Schatten setzen, der Kreislauf drohte schlapp zu machen. „Bei der Bundeswehr war’s schlimmer“, kommentierte ein anderer Reiter im schwarzen Jackett die Lage eher gelassen. „Da mussten wir in voller Montur auch noch mit Gepäck marschieren.“

Für Sabine Eder aus München wäre es nicht in Frage gekommen, die Teilnahme abzublasen. Sie war zum 25. Mal dabei und wollte unbedingt die entsprechende Ehrenplakette in Empfang nehmen. „Es ist alles Einstellungssache. Wir sind nur ein bisschen langsamer als sonst.“ Und da ihr Pferd auch noch Santo – Heiliger – heißt, war die Segnung natürlich Pflicht. „Da muss er durch.“

Rund 150 Reiter setzten sich schließlich in Bewegung, etwa halb so viele wie sonst üblich. Dazwischen rollten 20 Gespanne. In gemächlichem Tempo ging es zur Willibaldkapelle. Hier dann noch einmal ein Härtetest: In der prallen Sonne nahmen die Teilnehmer den Segen von Pfarrer Wolfgang Huber entgegen, der auch selbst mitgeritten war. Und dann ging’s noch durch die frisch renovierte Kirche, die dank geweißelter Wände nicht mehr gar so dunkel und bedrohlich auf die Pferde wirkte.

Den vermutlich ältesten Vierbeiner, der hätte dabei sein sollen, ließ seine Besitzerin Martina Fuchs aber lieber zu Hause im kühlen Stall: das 35-jährige Pony Narwick. „Petrus hat es diesmal einfach ein bisschen zu gut gemeint“, bedauerte Fuchs. Sechsmal war Wickerl, wie sie ihn liebevoll nennt, beim Willibaldritt dabei. Während seiner aktiven Turnierzeit ging es oft nicht, weil die Termine sich überschnitten. Wickerl blickt nämlich auf eine höchst erfolgreiche Laufbahn als Dressurpferd zurück, gewann 50 Pokale und zehn Medaillen. „Ich behaupte mal, auf ihn hatte der Willibald schon immer ein Auge“, sagt Martina Fuchs.

Wickerl hatte in seinem langen Leben nur zweimal ernstere gesundheitliche Probleme – eine Kolik und einen Tritt ins Gesicht von einem Großpferd. „Beides hat er gut überstanden“, so Fuchs. „Womöglich hat die Segnung da ein wenig nachgeholfen.“ Und diesmal hat sie sicher auch aus der Ferne gewirkt. (os)

Willibaldritt in Jesenwang: die Bilder

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