TTIP - des schmeckt uns ned!

Fürstenfeldbruck - Direktvermarkter auf dem Brucker Bauernmarkt sind von TTIP wenig begeistert.

Biolandbauer Gregor Tränkl aus Waltenhofen hat vor allem Bedenken gegenüber der Transparenz von TTIP. „Gerade im Hinblick auf die Schiedsgerichte.“ Schließlich seien deutsche Unternehmer auch der deutschen Gerichtsbarkeit unterworfen. In den Schiedsgerichten, so mutmaßt Tränkl, würde überwiegend zugunsten der Großindustrie entschieden. Das verhalte sich seiner Meinung nach ähnlich wie mit Subventionen: „Da wird den Kleinen, besonders uns Biobauern, das Wasser abgegraben.“

Auch beim Egenhofener Furthmühlen-Müller Albert Aumüller kommt TTIP nicht gut an. Er geht gleich noch einen Schritt weiter: „Ich kann mir vorstellen, dass es sogar einen direkten Zusammenhang mit der Genehmigung der dritten Startbahn am Münchner Flughafen gibt. Da ist doch was im Busch. Es wundert mich, dass da noch keiner draufgekommen ist.“ Und es wäre auch nicht das erste Mal, dass amerikanischer Weizen importiert wird: „In der Nachkriegszeit waren wir darauf angewiesen, um die Qualität halten zu können. Jetzt müssen wir befürchten, dass große Mengen genmanipuliertes Getreide ins Land kommt.“

Der Puchheimer Direktvermarkter Max Keil hat sich bereits mehrmals öffentlich als TTIP-Gegner geoutet. Er sagt: „Für das so genannte Freihandelsabkommen müssen Qualitäts-, Sozial- und Ökostandards angepasst werden. Damit werden unsere Bemühungen als Erzeuger untergraben und die Verbraucher haben nur noch die Auswahl zwischen minderwertigen und noch billigeren Lebensmitteln.“ Keil ist gegen TTIP, weil seiner Meinung nach damit ein völkerrechtlicher Vertrag auf geheime und undemokratische Art zustande kommt. Der Puchheimer geht noch einen Schritt weiter: „Gewählte Politiker sind in diesem Fall nur noch Marionetten oder Knapphansl.“

Auch Metzger-Innungsmeister Engelbert Jais (Luttenwand) schüttelt den Kopf: „Brauchen wir Nürnberger Bratwürste oder Schwarzwälder Schinken aus den USA? Da dreht sich doch die Welt zurück.“ Seiner Meinung nach steckt in den regionalen Lebensmitteln die Wahrheit, die für den Verbraucher hinter dem Produkt stehen muss. „Ehrlichkeit und Transparenz müssen erhalten bleiben, dafür haben wir jahrelang gekämpft und das Vertrauen der Kunden haben wir uns schließlich hart erarbeitet.“

Zusammen mit dem Engelsberger Hofladen hat Richard Bartels erst am Samstag den Bauernmarktkunden eine Gratis-Wintergemüsesuppn serviert: Gekocht aus regionalem Wurzelgemüse, Kartoffeln und Kräutern. Fleisch war keins dabei, doch die Chlorhühnchen-Diskussion regt Bartels trotzdem auf. „Das Produkt ist das Problem. Sprich: die industrielle Massentierhaltung.“ Die regionale Vielfalt würde unter TTIP leiden, während bei vereinfachten Zulassungen eine Verschleierungstaktik durch die Hintertür stattfinden könnte. Auch Biobauer Robert Reichlmayr befürchtet, dass die deutschen Biostandards unterwandert werden und eine Gleichmacherei stattfinden könnte. „TTIP ist ein Türöffner für die Industrialisierung.“

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