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Einer der Teilnehmer beim Silvesterritt.

Türkenfeld

Beim Silvesterritt die Schokoladenseite zeigen

Am Ende des Jahres steht für Pferdeliebhaber traditionell noch ein besonderer Termin an: der Silvesterritt in Türkenfeld. 120 Pferde waren diesmal dabei. Junge und alte Reiter wollten sich den Segen für das Neue Jahr abholen – und sich von ihrer besten Seite zeigen.

Türkenfeld – Pferde scharren aufgeregt mit den Hufen, Kinder werden in den Sattel gehoben und hier und da wird noch schnell ein Zöpfchen in der Mähne neu eingeflochten. 120 Pferde sind in diesem Jahr von nah und fern angereist, um bei strahlendem Sonnenschein am traditionellen Silvesterritt in Türkenfeld teilzunehmen. So auch Charlotte Flötzinger (19) vom Reitverein Moorenweis mit ihrer dunkelbraunen Stute Jule. Das Duo war bereits vor ein paar Jahren dabei und ist kurz vor dem Ritt recht entspannt. „Jule ist total neugierig und muss sich immer alles genau anschauen, aber wenn es dann mal losgeht ist sie total cool“, verrät die leidenschaftliche Reiterin. Besonders vorbereitet hat sie ihr Pferd auf diese Ausnahmesituation nicht: „Zuhause bei uns am Hof ist auch immer viel Trubel, daher sind wir das gewohnt.“

Ebenfalls mit von der Partie ist Stallkollegin Annika Schwarz mit ihrem Pony Oki. Die routinierte Sechsjährige ist nicht zum ersten Mal beim Silvesterritt dabei und sie hat sogar schon an Turnieren teilgenommen. „Es ist toll, sein Pferd schön herzurichten und dann vor so vielen Leuten zu reiten“, freut sich die junge Pferdeliebhaberin.

Von der besten Seite zeigen

Einige Meter weiter wartet die Gruppe vom Ponyhof Pflaumdorf bis es endlich losgeht. Unter ihnen sind Selina Veit (12) und Celina Heller (13) mit den Ponys Winnie und Kier. „Wir haben bereits gestern angefangen, die Pferde zu putzen, um sie heute von ihrer besten Seite zu zeigen“, erzählt Heller. Etwas nervös sind die beiden bei dem Gedanken an die laute Musik und die vielen Zuschauer schon, deswegen lässt sich die Zwölfjährige auf ihrem Winnie lieber am Strick führen. „Er ist einfach etwas schreckhafter, da gehen wir auf Nummer sicher.“

Um kurz vor 12 Uhr geht es los und die Reiter, Kutschen und Fahnenträger setzten sich angeführt von der Blaskapelle und dem Blasorchester langsam in Bewegung Richtung Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Obwohl einige Reiter mit ihren nervösen Vierbeinern zu kämpfen hatten, verlief die dreimalige Umrundung der Kirche ohne Zwischenfälle und es blieb beim einmaligen Scheuen oder aufgeregten Tänzeln. Auch einige Esel und Hunde schlossen sich samt Besitzer dem Zug an, um von Pfarrer Klaus Distl den Segen zu erhalten.

Der Ursprung

Der Ursprung dieser Tradition liegt weit zurück. 1807 wütete in der Umgebung eine schlimme Viehseuche, woraufhin die Türkenfelder Bauern zum Heiligen Silvester, dem Schutzpatron der Haustiere, beteten. Die Seuche klang schließlich ab und als Dank gelobten die Türkenfelder den Schutzpatron jedes Jahr aufs Neue zu ehren. Im Anschluss an den Ritt lud Bürgermeister Pius Keller die zahlreichen Besucher ein, an einem der vielen Straßenstände zu verweilen oder im Schlosshof dem Standkonzert des Blasorchesters zu lauschen. „Das macht den Silvesterritt aus, alle Leute treffen sich hier und es fühlt sich an wie eine große Gemeinschaft“, schwärmt Ursula Deutschbaur, 70 Jahre alt. Die Geltendorferin und ihr Mann Otto Deutschbaur verbringen schon seit Jahren den Silvestertag in Türkenfeld. „Das gehört als Einstimmung auf Silvester mittlerweile einfach dazu und bei so einem Wetter ist es natürlich besonders schön“, schwärmt der 79-Jährige.  NATHALIE HRADECKY 

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