Kunst

Die Brandmalerin von Türkenfeld

Ihr Atelier ist eine Ecke des Wohnzimmers, ihr Werkzeug ein feiner, elektrisch beheizter Metallstift. Damit brennt Irina Yashina Bilder in Holz – naturgetreue Porträts, Landschaften, Naturszenen, Tierbilder. Brandmalerei heißt die Kunst, die die 29-Jährige erst vor wenigen Jahren für sich entdeckt und bereits zur Meisterschaft getrieben hat.

TürkenfeldEs ging ihr nicht gut damals, im Jahr 2012 – gesundheitliche Probleme, eine persönliche Krise, Depressionen. Die Brandmalerei kannte sie von ihrem Vater und dem Großvater. „Ich habe es als Kind ab und zu probiert“, erzählt die in Türkenfeld lebende Russin. „Ich dachte lange, dass man mit dem Brandmalstift nur grobe Linien zeichnen kann, und hatte keine Ahnung, was noch alles in dem Gerät steckt.“

Mit Sperrholzplatten aus der Mülltonne ging es los. Darauf brannte Yashina ein Porträt ihres Lieblingskünstlers, des französischen Metal-Musikers Neige. Dazu hörte sie seine Songs – und fühlte sich glücklich in diesen Stunden. „Die Band und die Brandmalerei haben mich gerettet“, sagt sie.

Inzwischen hat sie den Musiker persönlich kennengelernt. Neulich, bei einem Konzert in Kiew, hat sie ihm eines ihrer Porträts geschenkt. Und bis heute dient ihr sein Gesicht als „Progress-Indikator“, wie sie es nennt. Immer neue Bilder des Musikers zeigen, „ob ich etwas gelernt habe“.

Auch von ihrem Mann, dem Musiker und Autor Stefan Hertrich, hat sie schon viele Brandmalereien angefertigt, ebenso wie von besonders schönen Ecken rund um Türkenfeld, etwa der Waldkapelle oder dem Ammersee. Als Vorlage dienen Fotos, doch Yashinas Kunst ist keine Kopiertätigkeit und schon gar kein wie auch immer geartetes Abpausen.

Dass das Motiv originalgetreu ins Holz übertragen wird, geschieht allein durch Augenmaß. „Ich male, was ich sehe.“ Dass das so gut gelingt, ist eigentlich erstaunlich, denn Zeichnen kann sie nach eigener Aussage überhaupt nicht. Je nachdem, wie stark man die Spitze des Brandmalstifts aufdrückt und in welchem Winkel man sie ansetzt, entstehen Feinheiten und Schattierungen.

Bis zu einer Woche sitzt Yashina an einem Bild. Viele ihrer Werke sind Auftragsarbeiten, andere bietet sie auf Kunsthandwerkermärkten und im Internet unter dem Künstlernamen Werewolfa an. Der Name klingt furchterregend und will so gar nicht zu der freundlichen jungen Frau mit dem langen roten Zopf passen, die auf dem Schoß die zugelaufene Katze krault. Aber der Name hat schon seinen Grund. Früher hat sie sich auf Online-Plattformen so genannt, „um die falschen Leute abzuschrecken“. Und ein Hauch einsamer Wolf schwingt auch mit, ein Gefühl, nirgendwo so recht hineinzupassen.

In Türkenfeld, der Heimat ihres Mannes, hat sich Irina Yashina aber schon gut eingelebt. Vor knapp zwei Jahren hat die Liebe sie hierher verschlagen. In Russland hatte sie Fremdsprachen studiert und bis 2012 in der Millionenstadt Nischni Nowgorod Englisch unterrichtet. „Ich habe im neunten Stock gewohnt, mit einer schönen Aussicht auf die Wolga.“ Das war aber auch alles in Sachen Natur. „Hier bin ich viel weniger gestresst. Ich habe einen kleinen Garten und in der Umgebung den Wald mit schönen Strecken zum Radfahren. Dort finde ich Inspiration.“ (os)

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