Türkenfeld

Diese Fischzucht ist fest in Familienhand

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Wissen, wo’s herkommt – darauf legen Verbraucher auch bei Fisch immer mehr Wert. Das merken regionale Erzeuger wie Andrea und Johann Thalmayr aus Türkenfeld. Vor über zehn Jahren haben die Geschwister die kleine Fischzucht ihres Vaters übernommen und aus dem Hobby einen Nebenerwerb gemacht.

Türkenfeld – In ihre Fischzucht stecken die Geschwister viel Zeit, Herzblut und Arbeit – doch missen möchten die beiden den Betrieb nicht mehr. Sie kennen es auch gar nicht anders: Andrea und Johann Thalmayr, 41 und 39 Jahre alt, sind mit Fischzucht aufgewachsen.

Schon seit den 1970er-Jahren betrieb ihr Vater Fischteiche in der Lutzenwiese zwischen Türkenfeld und Zankenhausen. In einer Halle seines Schlosserbetriebs stand ein großer Bottich, in dem zweimal im Jahr Fische herumschwammen – jeweils zu den Verkaufsterminen vor Weihnachten und vor Karfreitag. Manchmal saß Andrea Thalmayr schon als kleines Mädchen neben dem Bottich und durfte kassieren.

Als der Senior das Hobby aufgab, stellte sich für seine Kinder die Frage: Strich drunter oder weitermachen? Doch da die beiden neben der Lutzenwiese auch die Naturverbundenheit von ihrem Vater mitbekommen haben, fiel ihnen die Entscheidung nicht schwer.

Große Sanierung

Sie hätten es schade gefunden, das idyllische Gelände nicht zu nutzen, erzählt Andrea Thalmayr. Und so führten sie und ihr Bruder den Betrieb nicht nur fort, sondern bauten ihn aus, zuletzt im Rahmen einer großen Sanierung und Modernisierung vor fünf Jahren.

In der mit Quellwasser gespeisten Teichanlage tummeln sich Saiblinge, Forellen und Lachsforellen. Der Fischbesatz ist niedrig. „Wir dürften fünf- bis zehnmal so viel halten“, sagt die 41-Jährige. Darauf verzichten die Betreiber zugunsten des Tierwohls. So sind die Fische gesünder, und das Krankheitsrisiko ist niedriger.

Zudem würden sich größere Mengen nicht so leicht regional vermarkten lassen, und auch darauf legen die Thalmayrs Wert. Sie verkaufen ihren Fisch an zwei Restaurants sowie einmal in der Woche – fangfrisch oder geräuchert – direkt an der Anlage und auf dem Türkenfelder Wochenmarkt. Zu Ostern gibt es sogar drei Verkaufstage hintereinander (Gründonnerstag bis Ostersamstag).

Allerlei Technik

Um die Fische kümmern sich Andrea und Johann Thalmayr täglich neben ihren Hauptberufen. Beide sind im gleichen landwirtschaftlichen Betrieb beschäftigt – sie als Bürokraft, er als Schlosser. Allerlei Technik hilft dabei, die Arbeit rund um den Nebenerwerb in einem vertretbaren Rahmen zu halten. Mussten die Becken früher noch von Hand gereinigt werden, so erledigt das inzwischen eine automatische Filteranlage. Messgeräte überprüfen laufend den Sauerstoffgehalt des Wassers und alarmieren die Betreiber, wenn der Wert unter eine bestimmte Grenze fällt. „Das passiert zum Beispiel im Sommer, wenn kurz vor einem Gewitter der Luftdruck stark abfällt“, erklärt Andrea Thalmayr. Da sie und ihr Bruder mittlerweile direkt neben der Anlage wohnen, sind sie im Notfall sofort zur Stelle.

Bei schönem Wetter verbringt Andrea Thalmayr mit ihrer dreijährigen Tochter jede freie Minute hier draußen. Daran hat sich auch der Reiher schon gewöhnt, der die Fischteiche als potenzielle Nahrungsquelle entdeckt hat. Schräg gestellte Gitter schützen die Fische vor Angriffen aus der Luft.

Manchmal kommt es dennoch vor, dass der Reiher einen Fisch verletzt. Der landet dann nicht mehr im Verkauf – sondern bei den Thalmayrs selbst auf dem Teller.

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