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Dorfgemeinschaft seit 20 Jahren unbequem

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Stefan Zöllnerist Chef der Dorfgemeinschaft.

Umweltschutz, Bürgernähe, Transparenz der Kommunalpolitik – das sind drei zentrale Anliegen, die vor 20 Jahren zur Gründung der Dorfgemeinschaft (DG) Türkenfeld führten. Der Geburtstag wird am Samstag gefeiert.

TürkenfeldDie Mitglieder wollten frischen Wind in den Gemeinderat bringen, was in den Anfangsjahren nicht jedem gefiel. Inzwischen hat sich die Gruppierung längst etabliert – aber unbequem ist sie immer noch. Die Anfänge der DG reichen zurück bis ins Jahr 1995. Damals wurden Straßenausbauten geplant, und die Rufe aus den Reihen des Bund Naturschutz nach einer Bepflanzung der Straßenränder mit Bäumen und Sträuchern drohten ungehört zu verhallen. Außerdem war der Neubau eines Feuerwehrhauses an einem sensiblen Standort im Gespräch.

Grund genug für ein Grüppchen Engagierter, „beinah ungestüm und fanatisch aktiv“ in den Wahlkampf einzusteigen, wie Stefan Zöllner sich erinnert. Der 57-Jährige ist Gründungsmitglied der DG und seit der offiziellen Vereinsgründung 1998 Vorsitzender. „Wir waren unzufrieden mit der Politik der Etablierten, die es in unseren Augen bisweilen an Offenheit, Demokratieverständnis und Einsicht in den Bürgerwillen missen ließen.“

Ein Durchschnittsalter von 35 Jahren, ein Frauenanteil von 57 Prozent – die erste DG-Liste war jung und weiblich. Und tatsächlich schafften 1996 zwei Frauen – die ersten überhaupt – den Sprung ins Kommunalparlament: Anita Sellner und die Apothekerin Hildegard Deutsch, die im Dorf jeder kannte und die prompt von den Wählern vom letzten auf den ersten Platz gehäufelt wurde. Nicht jeder im Dorf war begeistert von der frechen neuen Gruppierung. In der Osternacht 2001 heftete jemand ein Schreiben an die Kirchentür, in dem die Mitglieder als „gelangweilte Zuagroaßte“ tituliert wurden.

In späteren Wahlen gewann die DG Mandate hinzu, aktuell stellt sie fünf Gemeinderäte. Zöllner sitzt seit 2002 im Gremium, stieg zweimal als Bürgermeisterkandidat in den Ring und schaffte es beide Male in die Stichwahl.

Markenzeichen der Gruppierung waren zuweilen unkonventionelle Aktionen. Ein eigens gebildeter Arbeitskreis zur Dorfgestaltung und Verkehrsberuhigung baute in „stundenlanger Fieselarbeit“ (Zöllner) aus Draht, Beton und Gips ein Schaf, das am Ortseingang aus Richtung Beuern aufgestellt wurde. Die durchaus echt aussehende Figur veranlasste viele Autofahrer, das Tempo zu drosseln. Eine ähnliche Wirkung hatte ein kleines Windrad an der Einmündung des Schulwegs in die Bahnhofstraße.

Als es 1998 um die Frage ging, ob das Linsenmannhaus abgerissen oder saniert werden sollte, favorisierte die DG einen Abbruch zugunsten von neu zu bauenden Seniorenwohnungen. Die Ratsmehrheit votierte jedoch für Sanierung und gewerbliche Nutzung. Die DG startete daraufhin ein Bürgerbegehren, nahm dieses aber zurück, als die Gemeinde interessierten Bürgern Mitsprache in einem Arbeitskreis anbot. Rückblickend hält Zöllner das für ein taktisches Manöver, da kaum eine Idee des Arbeitskreises aufgegriffen worden sei.

Zu den Erfolgen seiner Fraktion rechnet der 57-Jährige die Einführung der aktuellen Viertelstunde, während der die Bürger vor Beginn der Gemeinderatssitzungen Fragen stellen können. Auch die öffentliche Beratung des Haushalts sei erst auf Druck der DG zustande gekommen – ebenso wie die Tatsache, dass fachkundige Bürger in den Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens EVBT aufgenommen wurden. Auch kulturell engagierte sich die DG: mit einer Wiederbelebung des Kinderfaschingsballs und mit dem Festival „MusikMosaik“, das um die Jahrtausendwende zweimal stattfand.

Einige Künstler von damals werden bei der öffentlichen Jubiläumsfeier am morgigen Samstag ab 19 Uhr in der Schönbergaula auftreten. Außerdem ist die Ammer Brass Company dabei. Zöllner hofft, dass die Feier der DG auch einige neue Gesichter für die Kommunalwahl 2020 beschert, denn mittlerweile mangelt es an Nachwuchs.

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