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60 Teilnehmer

Entspannte Pferde beim Silvesterritt in Türkenfeld

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Rund 60 Reiter sind am letzten Tag des alten Jahres zum traditionellen Silvesterritt nach Türkenfeld gekommen. Im Mittelpunkt standen die Pferde, die den ganzen Trubel zumeist unaufgeregt über sich ergehen ließen.

Türkenfeld – In den Weihnachtsferien ist der Türkenfelder Schulhof normalerweise verwaist. Nur am Vormittag des Silvestertages herrscht Leben auf dem Platz neben der Schönbergaula. Pferde werden gesattelt, Ponys vor eine winzige Kutsche gespannt, Schweife gebürstet und Gurte festgezogen. Hier und da wiehert es.

Manches Pferd mag vor Aufregung nicht stillstehen und wird im Kreis herumgeführt, bis es endlich losgeht mit dem Silvesterritt. Aschanti kann der ganze Rummel nichts anhaben. Gelassen schaut die irische Tinkerstute vor sich hin. „Sie ist die Ruhe in Person“, sagt Daniel Kiesewalter und lacht. „Aber sie ist auch schon 29.“

Silvesterritt in Türkenfeld: Die Bilder

Silvesterritt in Türkenfeld
Silvesterritt in Türkenfeld
Silvesterritt in Türkenfeld
Silvesterritt in Türkenfeld
Silvesterritt in Türkenfeld: Die Bilder

Im Sattel sitzt seine Tochter Tessa (12) und freut sich darauf, dass sie zum ersten Mal dabei ist bei dem traditionellen dreimaligen Vorbeiritt an der Türkenfelder Pfarrkirche, ebenso wie ihr jüngerer Bruder auf dem Pony Stanley. Eine Premiere ist die Veranstaltung auch für Walter Franz und seinen Buck. Dass dem Braunen später zwischen Blasmusik, Zuschauern und Weihwasser-Schauern die Nerven durchgehen, befürchtet der Besitzer nicht. „Er ist ein Westernpferd, das bleibt immer cool.“

Die 14-jährige Alina hat sich mit ihrer Stute Eda etwas abseits positioniert. „Der Trubel macht ihr nichts aus, aber sie ist rossig“, erklärt die junge Reiterin. „Das heißt, sie probiert sich den ganzen Männern hier anzubieten.“ Da es sich bei den Pferdemännern aber ausschließlich um Wallache handelt, werden Edas Flirtversuche vergeblich bleiben.

Alina Siebers Stute Serafina hat den Kopf gehoben und grummelt aufgeregt beim Anblick der vielen Artgenossen. „Sie ist erst fünf und noch unerfahren, was solche Veranstaltungen angeht“, erzählt die Reiterin. Doch auch sie ist sicher, dass die Stute den Ritt gut durchstehen wird – zumindest, so lange sie nicht in der Nähe der Blasmusik laufen muss. Pauken und Trompeten dicht hinter sich zu hören, „das hassen Pferde“.

Pünktlich um zwölf Uhr setzt sich der Zug aus rund 60 Reitern, fünf Gespannen, zwei Eseln und ein paar Hunden in Bewegung. Es sind etwas weniger Teilnehmer als sonst, was vermutlich dem kalten, grauen Regenwetter geschuldet ist. Auch die Zuschauer am Straßenrand haben ausnahmsweise viel Bewegungsfreiheit.

Mancher vierbeinige Teilnehmer erweist sich im Laufe der Veranstaltung dann doch als nicht ganz so nervenstark. Hier ein Scheuen, dort ein Tänzeln – doch die betroffenen Reiter schaffen es schnell, ihre Tiere wieder unter Kontrolle zu bringen.

Bürgermeister Pius Keller nahm den Silvesterritt zum Anlass, all denjenigen zu danken, „die in Türkenfeld vieles leisten, ohne nach Lohn und Anerkennung zu fragen“. Den geistlichen Part übernahm Pfarrer Klaus Distel mit der Segnung der Pferde. War es doch die Sorge um die Gesundheit der Tiere, die den Silvesterritt einst begründete. Als im Jahr 1807 eine schwere Viehseuche in der Region wütete, riefen die Bauern in ihrer Not den heiligen Silvester um Hilfe an - und gelobten, ihm mit einem alljährlichen Umritt zu danken, wenn Türkenfeld von der Seuche verschont bliebe. Die Gebete wurden erhört, und das Gelübde wird seither erfüllt.

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