Georg Klaß ist mit 80 Jahren verstorben.

Nachruf

Erfinder, Familienmensch und Politiker

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Die gute Nachricht kam vier Tage zu spät. Dass ein Forschungsprojekt der Firma Klass-Filter für einen Umweltpreis nominiert worden ist – es hätte Georg Klaß so gefreut.

Türkenfeld –  Der Türkenfelder Altbürgermeister und Ehrenbürger war ein Vordenker in Sachen Umwelttechnik, ein Visionär zum Thema Wasserreinhaltung und -aufbereitung, ein erfolgreicher Unternehmer. Im Alter von 80 Jahren ist Georg Klaß nun gestorben.

Als mittleres von drei Kindern kam der Türkenfelder im Mai 1939 zur Welt. Sein Vater kehrte aus dem Krieg nicht zurück – über sein Schicksal erhielt die Familie nie Gewissheit. Er galt als vermisst. Klaß machte nach der Schule eine kaufmännische Ausbildung und holte dann auf der Abendschule in München sein Abitur nach. Ein Maschinenbaustudium in Nürnberg schloss sich an. 1965 heiratete er seine Frau Gabriele. Die beiden hatten sich in einem Café in Schondorf beim Tanzen kennengelernt. Sie wurden Eltern von fünf Kindern, darunter Zwillingstöchter, und Großeltern von zwölf Enkelkindern.

„Mein Vater war immer seiner Zeit voraus. Und er war ein Freigeist“, erzählt Georg Klaß junior, der ältere von Klaß’ zwei Söhnen. Bereits Anfang der 1980er-Jahre baute der Ingenieur für seine Familie ein Holzhaus, in dem er ausschließlich natürliche Werkstoffe verwendete. Ungefähr um dieselbe Zeit wurde er Vegetarier. In seinem Ingenieurbüro für Maschinenbau entwickelte Klaß für große Auftraggeber die verschiedensten Produkte. Die Gewinne investierte er in seine eigenen Ideen. 77 Patente weltweit besitzt seine Firma heute auf verschiedene Filtersysteme, die international im Einsatz sind. Der größte Absatzmarkt für Klass-Filter sind die USA.

Engagement für Türkenfeld

So sehr er sich mit globalen Themen und Märkten beschäftigte, so sehr engagierte sich Klaß vor der eigenen Haustür. 36 Jahre lang war er in seinem Heimatort kommunalpolitisch aktiv, als Gemeinderat, Zweiter und zuletzt Erster Bürgermeister. In seinen beiden Amtszeiten als Rathauschef – von 1996 bis 2008 – realisierte er zahlreiche Großprojekte, darunter den Neubau des Kindergartens Sumsemann, den östlichen Anbau der Schule inklusive Probenraum sowie die Sanierung des Linsenmannhauses. Seinerzeit war die Entscheidung der Gemeinde, das traditionsreiche Anwesen zu übernehmen, nicht unumstritten. Heute ist der Ortskern ohne das Ensemble nicht mehr vorstellbar. Unter Klaß’ Federführung wurden 30 Straßen ausgebaut. Zudem wurde Wohnraum für Einheimische geschaffen.

Gab es Differenzen, achtete der leise, sanfte Erfinder, Unternehmer, Familienvater und Politiker stets darauf, dass sie von der sachlichen nicht auf die persönliche Ebene überschwappten. Er wollte immer noch jedem in die Augen sehen können und war froh, dass ihm in Türkenfeld niemand aus dem Weg ging, wie er bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde Anfang des Jahres anmerkte.

Jahrzehntelang gehörte der begeisterte Tenorhornist der Türkenfelder Blaskapelle an, war Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender des Musikvereins. Er ging gern mit der Kapelle auf Reisen – überhaupt gehörte das Erkunden der Welt zu seinen Leidenschaften. Er besuchte unter anderem die USA, China, Vietnam, Uganda und – noch im vergangenen Frühjahr – Marokko.

Dass Georg Klaß bereits seit zehn Jahren mit einer Krebserkrankung kämpfte, konnte ihn lange Zeit nicht bremsen. Erst vor wenigen Wochen verschlechterte sich sein Zustand massiv. Umsorgt von seiner Familie, starb er am 53. Geburtstag seiner ältesten Tochter. 

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