Sieht aus wie ein Trinkgelage, ist aber Musik: Die Burschen pusten in Bierflaschen, vorne Moritz Thalmayr. Foto: Weber

Schlagwerker-Combo "Hexagon"

Sie finden ihre Instrumente auch im Baumarkt

Türkenfeld -  Sie spielen Lady Gaga auf Plastikrohren und Deutsch-Rap auf Barhockern: Die sieben jungen Percussionisten der Schagwerker-Combo "Hexagon" aus Türkenfeld und Steindorf lieben außergewöhnliche Instrumente.

Türkenfeld – Den Oscar-prämierten Filmsong ,,Moon River“ aus ,,Frühstück bei Tiffany“ kann man auch auf Kuhglocken vortragen. Die Schlagwerker-Combo ,,Hexagon“, sieben junge Percussionisten zwischen 19 und 23 aus Türkenfeld und Steindorf, wagen sich eben an die ganz großen Monumente der Musikwelt. Zu ihrem Handwerkszeug gehören Schlagzeug, Schlagstabspiele und Trommeln, aber auch Mülltonnen, Stehleitern, Chips-Tüten und Kuhglocken. Sie spielen Lady Gaga auf Plastikrohren und Deutsch-Rap auf Barhockern.

Trommeln auf allem, was einen Resonanzraum hat (v.l.): Stefan Bergmair, Nico Hüttel, Kilian Rüfer, Martin Spicker, Rafael Neugart, Jonas Neugart und Moritz Thalmayr. foto: Weber

Ab und an herrscht Verwirrung in den Baumärkten der Region, wenn Kilian Rüfer, Martin Spicker, Jonas und Rafael Neugart, Stefan Bergmair, Moritz Thalmayr und Nico Hüttel wieder einmal die Gartenabteilungen auf der Suche nach neuem Instrumentarium durchklopfen. „Die Baumarkt-Angestellten können uns meistens nicht helfen, wenn wir nach einem Blumentopf in C und auf 442 Hertz gestimmt verlangen“, sagt der 21-jährige Psychologie-Student Moritz, was unter den sieben für Gelächter sorgt. Sie haben als langjährige Schlagzeuger den Drang, auf allem rumzutrommeln, was Resonanz hat und klingt. Inspiration für neue Stücke finden sie beim Schuhe-Anprobieren, Chips-Essen und sogar beim Blödeln in den Probepausen. Natürlich müssen die meisten Alltagsgegenstände ein wenig modifiziert werden, bevor sie zum Rhythmusinstrument taugen, im Grunde handelt es sich aber um banale Kanalrohre, Bierflaschen oder Stehleitern.

Wenn Menschen im Regen ausharren, unter Planen in der Kälte stehen, nur um aus der Ferne noch einen verwinkelten Blick auf die Bühne zu erhaschen, so wie im Sommer 2012 beim ersten eigenen Konzert der Gruppe im Circus St. Ottilien, dann muss eine Band – in diesem Fall ein Percussion-Ensemble – schon eine besondere Aura umgarnen. Sie bringen ganze Bierzelte auf Stehleitern trommelnd zum Kochen und 900 Konzertbesucher im Zirkuszelt St. Ottilien auf Kuhglocken bimmelnd zum Schmachten. Christopher Fellinger, der das Ensemble 2008 initiierte und seitdem coacht, sagt: „Das war schon immer so, dass bei den Jungs irgendwo ein Schalter umgelegt wird – und die Leute sind begeistert.“ Entscheidend sei, dass die Chemie stimmt, so der 42-Jährige aus München.

Und die stimmt. Jedes Ensemble-Mitglied, ob nun der 23-jährige Mediengestalter Kilian, der studierte Musikmanager Jonas oder alle anderen – sie bringen sich nach Kräften und jeweiligen Kompetenzen für das Gelingen des großen Ganzen ein. Keine Selbstverständlichkeit, wie der langjährige Schlagzeug-Lehrer aller Hexagon-Mitglieder aus eigener Erfahrung weiß.

Um die 150 Instrumente stehen bei ihren Konzerten auf der Bühne, sagt Moritz. Vom Marimbaphon bis zum Blecheimer – alles, was trommelbar ist. Die sieben jungen Männer von Hexagon – bei der Gründung waren es sechs Burschen, daher der Name, jetzt passen die sieben Buchstaben des Wortes Hexagon zur Anzahl der Mitstreiter – bespielen jeden Plastikbecher mit der gleichen Inbrunst wie ihr 4000-Euro-Vibraphon.

Für „Hexagon Dahoam“, ihre Konzerte am 16. und 17. Juli, haben sie sich etwas Neues einfallen lassen: kleiner Rahmen, bekannte Zuhörer. Sie wollen „eine Wohlfühlatmosphäre erzeugen, näher am Publikum sein“, wie der 20-jährige Rafael Neugart, beruflich als selbstständiger „Youtuber“ und Videoproduzent tätig, sagt. Sie haben zu diesem Zweck sogar ihr Wohnzimmermobiliar auf die Bühne verfrachtet. Zu hören gibt es dann den eigentümlichen Hexagon-Stil. Sie interpretieren und parodieren sich trommelnd querbeet durch alle Musikrichtungen. Immer innovativ zwischen Blecheimern und Glockenspielen.

von Johannes Thalmayr

Die Konzerte finden am Samstag, 16. Juli, 20 Uhr, und Sonntag, 17. Juli, 19 Uhr, in der Schönbergaula statt. Kartenreservierung im Internet auf www.hexagon-percussion.de. Erwachsene zahlen neun, Jugendliche fünf Euro.

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